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Daten und Fakten

Reisedauer: 27 Tage, 05. Januar 2018 – 31. Januar 2018

Reiseroute: Colonia Montevideo la Pedrera Cabo Polonio Valizas Punta del Diablo

Highlights: Playa, playa, playa…

 

Colonia

Auf nach U-U-Uruguay!! Uruguay war schon immer das Traumreiseziel und mögliches Auswanderungsland für Tobi. Warum? Zum einen, weil Uruguay in der Weltmeisterschaft 2014 die Italiener aus dem Tournier gekickt hat und zum anderen natürlich, weil das kleinste Land Südamerikas hauptsächlich aus Stränden besteht. Wie es uns bereits passend von einem Chilenen beschrieben wurde: Campo, campo, campo, playa, playa, playa. Was soviel bedeutet wie: Feld, Feld, Feld, Strand, Strand, Strand. Es gibt also in Uruguay nicht viel außer Strand. Es gibt ungefähr 3 Millionen Einwohner in Uruguay, von denen die Hälfte in der Hauptstadt Montevideo wohnt, und 4 mal so viele Kühe. Und eben ganz viele Strände. Die Strände lassen sich in zwei Arten aufteilen. Im Osten liegen die Strände an der Atlantikküste und im Westen des Landes liegen die Strände am Fluss Rio de la Plata, einem bis zu 220 Kilometer breiten Fluss der Uruguay von Argentinien trennt. Über diesen Fluss kamen wir mit der Fähre von Buenos Aires nach Colonia. Colonia hat nicht nur einen wunderschönen Namen, der uns an unsere Heimat erinnerte, sondern ist auch sonst eines dieser wunderschönen UNESCO Weltkulturerbe-Städtchen, das aus hübsch restaurierten Häusern, Hotels und Restaurants besteht. Zum ankommen in einem neuen Land genau das Richtige.

Und eine nette Reisebekanntschaft haben wir in Colonia auch direkt gefunden. Bei Regen unter einem kleinen Vordach haben wir Lukas, einen äußerst netten Ruhrpottler kennen gelernt. Mit ihm haben wir uns so gut verstanden, dass wir beschlossen haben, gemeinsam für eine Woche nach Montevideo weiter zu reisen.

Montevideo

Lukas hatte bereits vorher ein paar Tage in Montevideo verbracht, kannte sich also schon etwas aus und empfahl den Stadtteil Pocitos. Pocitos liegt zwar ein paar Kilometer entfernt von der Altstadt, hat dafür aber einen sehr schönen Stadtstrand am Rio de la Plata. Mit großem Glück fanden wir dort auch eine bezahlbare AirBnB Wohnung, nur 8 Blocks vom Strand entfernt. Die AirBnB Wohnung stellte sich als richtiger Glückgriff heraus. Wir waren die ersten AirBnB Gäste von Emiliano, einem uruguayischen Dokumentarfilmer, und seiner mexikanischen Frau Marta und wurden von ihnen ganz herzlich in einem schönen Haus mit Terrasse empfangen. Wenn wir nicht grade am Strand lagen, um an unserer bräune für Karneval in Brasilien zu arbeiten, saßen wir auf genau dieser Terrasse, tranken Zillertal Bier (ja das heißt wirklich so) und grillten auf uruguayanische Art auf unserer hauseigenen „parrilla“ (Grill). Zunächst wird hierzu auf der einer Seite des Grills, in einer Art Feuerkorb, ein Feuer gemacht. Das brennt während des gesamten Grillvorgangs weiter und produziert die Kohle. Fällt aus dem Feuerkorb die heiße Kohle hinunter, wird diese unter dem Grillrost verteilt. Das Fleisch wird nicht wie bei uns in einzelnen Stücken auf den Grill gelegt, sondern als ganzes Stück langsam gegart. Langsam ist hierbei das entscheidende Stichwort. Wenn der Uruguayo (Uruguascho ausgesprochen) grillt, dann kann das gerne mal zwei Stunden dauern. Für hungrige Deutsche, insbesondere für Tobi, eine Geduldprobe. Aber fürs erste Mal ist es uns auf jeden Fall ganz gut gelungen.

La Pedrera, Cabo Polonio, Valizas und Punta del Diablo

Nach einer schönen Woche Montevideo startete Lukas sein „Work Away“. Er ging also malochen und für kostenlose Kost und Logis hütete er auf einer Farm Rinder. Für uns ging es von Montevideo an die Atlantikküste, wo wir in den nächsten 3 Wochen von einem Dörfchen zum nächsten Dörfchen reisten. Wir waren erst in La Pedrera, dann in Cabo Polonio, ein paar Tage in Valizas und zum Abschluss in Punta del Diablo. Alle Dörfchen am Strand in Uruguay sind ziemlich ähnlich und überall herrscht eine super entspannte Urlaubsatmosphäre. Es gibt eine lange Hauptstraße mit Restaurant, Hostels und kleinen Shops. Auf dieser Straße geht es morgens zum Strand und abends verwandelt sie sich in eine Flaniermeile. Urlauber schlendert auf und ab, aus den Bars und Restaurant klingt Livemusik und argentinische Hippies mit Dreadlocks verkaufen ihre selbstgeknüpften Armbändchen, um ihre Urlaubskasse aufzubessern. Die Strände sind zwar keine tropischen Traumstrände mit Palmen, aber trotzdem sehr schön.

Sie sehen halt aus wie Atlantikstrände, ähnlich wie in Nordfrankreich oder Holland. Dünen, immer ein leichter Wind, Wellen und recht kaltes Wasser. Abends kühlt es auch im Hochsommer soweit runter, dass man sich besser einen Pullover mitnimmt. Das Gesamtpaket von langen Sandstränden, hübschen Dörfchen und entspannter Atmosphäre machen Uruguay insgesamt zu einem richtigen Urlaubsparadies. Von Weihnachten bis Karneval ist daher absolute Hochsaison und alle sind am Strand in Uruguay. Nicht nur die 3 Millionen Uruguayos (Uruguaschos), sondern vor allem Argentinier und einige Brasilianer verbringen ihren Sommerurlaub in ihrem kleinen Nachbarland. Hochsaison bedeutet dann natürlich auch, dass viele Unterkünfte schon seit Wochen ausgebucht sind und die Preise in die Höhe schießen. Uruguay ist an sich schon das teuerste Land Südamerikas und wird daher auch „die Schweiz von Südamerika“ genannt. Als wir in Montevideo online nach Unterkünften gesucht haben und den Filter auf unter 20 Euro gesetzt haben, sah unser Ergebnis folgendermaßen aus:

Wir sind aber froh, dass wir uns davon nicht haben abschrecken lassen und für um die 20 Euro (!) haben wir immer einen Schlafplatz in einem Hochbett im Dorm gefunden. Ansonsten haben wir viel selbst gekocht oder mit anderen argentinischen und uruguayischen Urlaubern gegrillt. Denn eine „Parilla“ gabs natürlich in jedem Hostel.

Von allen Dörfchen in Uruguay ist eines jedoch ein ganz Besonderes: Cabo Polonio. Wenn man einen Uruguayo (Uruguascho) fragt, wo sollte man auf jeden Fall in Uruguay gewesen sein, wird jeder Capo Polonio sagen. Cabo Polonio ist ein ehemaliges Fischerdörfchen, das 2009 zu einem Nationalpark erklärt wurde. Grund ist unter anderem eine riesige Seelöwenkolonie, die ganzjährig an den Felsen vor dem Leuchtturm lebt.

In Cabo Polonio dürfen deshalb auch keine neuen Häuser gebaut werden. Daher besteht das Dorf aus einem bunten Mix aus kleinen, nicht mehr allzu neuen Holz- und Steinhäuschen. Eine ganz besondere Atmosphäre entsteht in Cabo Polonio bei Nacht. Da es im gesamten Dorf keinen Strom gibt, sind alle Bars und Restaurants in gemütlichen Kerzenschein erleuchtet und über der Halbinsel erstrahlt ein atemberaubender Sternenhimmel. Aber auch tagsüber ist Cabo Polonio ein besonderer Ort. Zum einen hat Cabo Polonio zwei sehr schöne Sandstrände und zum anderen kann man jederzeit zum Leuchtturm schlendern und den Seelöwen beim Sonnenbaden zuschauen.

Die Lage unserer Häuschen war absolut perfekt: auf dem Hügel genau zwischen beiden Stränden, Blick aufs Dörfchen und zwei Strände, direkt neben dem Leuchtturm und daher mit direkten Blick von der Hängematte auf die Seelöwen. Natürlich hatten auch wir auch keinen Strom und fließendes Wasser hatten wir nur, wenn der Wassertank auf dem Dach grade voll war. Dafür hatten wir aber auf der Terrasse ein großes Bett, auf dem man tagsüber ein Mittagsschläfchen halten konnte, oder wie wir es in der ersten Nacht gemacht haben, nachts ausweichen konnte, wenn die 6 anderen Mitbewohner im Dorm zu laut schnarchten.

Anstatt mit einem der großen Trucks vom Eingang des Nationalparks nach Cabo Polonio zu fahren, haben wir uns dazu entschieden, die ca. 3 Kilometer zu laufen.

Und auch von Cabo Polonio ging es zu Fuß am Strand entlang und über eine riesige Düne weiter nach Valizas.

Valizas hat uns eigentlich von allen Dörfchen am besten gefallen. Wahrscheinlich lag dies an dem sehr netten Hostel (Luna & Zoé) und den netten anderen uruguayischen und argentinischen Gästen mit denen wir gerne zusammen in der Küche oder am Grill saßen.

Insgesamt waren wir also 4 Wochen in Uruguay. Da kann man sich natürlich fragen, was wir die ganze Zeit gemacht haben? Wir waren am Strand. Und so sieht ein typischer Urlaubstag am Strand in Uruguay aus:

Frühstück: Der Uruguayo schwört, genau wie der Argentinier, beim Frühstück auf Weißbrot mit Dulce de Leche, eine Creme aus Milch und Zucker.

Wasser Kochen: Kein Uruguayo würde im Urlaub das Haus verlassen ohne seine Thermoskanne mit heißem Wasser. Denn den ganzen Tag wird Mate getrunken. Man sieht niemanden auf der Straße oder am Strand ohne sein Mateset aus Thermoskanne und Matebecher.

Der Weg zum Strand: die Hauptstraße zum Strand schlendert der Uruguayo ganz gemütlich entlang. Die Haltung ist dabei ganz entscheidend. In einem Winkel von ungefähr 45 Grad wird im rechten Arm die Thermoskanne eingeklemmt. In der Hand desselben Armes befindet sich der Matebecher. Tagsüber wird es in Uruguay heiß und die Sonne brennt. Daher darf ein Sonnenschirm nicht fehlen. Dieser wird unter den linken Arm geklemmt wird. In der Linken Hand befindet sich mindestens ein Strandstuhl.

Kein Uruguayo würde sich mit einem Handtuch auf den Strand legen. Jeder hat seinen eigenen Stuhl also einen „silla“ (sischa ausgesprochen) dabei.

4. Am Strand: Während in Europa Strandstühle immer zum Meer hin ausgerichtet werden, richtet sich der Uruguayo nach der Sonne aus, das Gesicht also Richtung Sonne, auch wenn man dann das schöne Meer dann im Rücken hat. Die Uruguayos sind Fußballverrückt! Das sieht man auch am Strand. In Montevideo befindet sich am Strand sogar ein kleines Beachsocker-Stadium mit Tribünen. An allen anderen Stränden, werden einfach kleine Felder in den Sand gemalt und dann wird Fußball-Tennis gespielt, oder zumindest Ball hoch halten. Bei der Badebekleidung zeigt die Uruguayanerin gerne was sie hat. Wie auch in Brasilien sieht man überall blanke Popos.

Der Uruguayer setzt bei der Wahl seiner Badehose auf Pastelltöne. Meistens sieht man Rottöne, also Rosa, Korallenrot oder Lachsrosa, aber auch Türkis und Aquamarin scheint im kommen zu sein.

Sonnenuntergang: Der Uruguayo bleibt gerne bis zum letzten Sonnenstrahl am Strand. An einigen Stränden, z.B. in Colonia, Montevideo oder auch Cabo Polonio, kann man sehr schöne Sonnenuntergänge sehen.

Eine Besonderheit in Uruguay: ist ein Sonnenuntergang besonders schön, und nur dann, wird laut applaudiert!! Ja geklatscht und manchmal auch ein bisschen gejubelt. Hat die Sonne halt besonders gut gemacht!

Grillen am Abend: Sonne und Meer machen hungrig. Daher gibt’s an fast jedem Abend ein Asado. „Hacer asado“ heißt zum einen grillen, „Asado“ heißt aber auch das typische Stück Fleisch, das auf dem Grill landet. Es handelt sich hierbei um in der längs geschnittene Kuhrippchen. Ansonsten werden aber auch Rindswürstchen oder andere Stücke Rindfleisch oder Hühnchen auf die „parilla“ gelegt. Natürlich immer als ganzes Stück und langsam gegart. Auf Beilagen wird größtenteils verzichtet. Vielleicht noch ein Stückchen Brot, aber insgesamt konzentriert man sich in Uruguay eher aufs Wesentliche. Fleisch. Als wir bei einem unserer gemeinsamen Grillabende fragten, wie viel Fleisch man denn pro Person kalkuliert, waren sich Argentinier und Uruguayos einig: mindestens 500 Gramm!! Es gibt also keine Beilagen, keine Snacks, keine Salate sondern nur Fleisch.

Und bis das fertig ist, dauert es. Vor 21 Uhr brennt meist noch nicht mal das Feuer und bis dann das erste Stück Fleisch fertig ist, ist es schnell 23 Uhr. Bis dahin heißt es warten und Mate trinken. Nachdem der Hunger mit ein paar Kilos Fleisch gestillt ist, geht es entweder noch einmal auf die Hauptstraße flanieren oder direkt ab ins Bett. Denn am nächsten Tag wartet wieder ein langer Strandtag.

Nach 4 Wochen voller schöner Strandtage haben wir uns schweren Herzens von Uruguay verabschieden müssen, denn Karneval stand vor der Tür. Daher hieß es bye, bye Uruguay… und hello Brazil!