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Daten und Fakten

Reisedauer:  46 Tage, 3. März 2019 – 17. April 2019

Reiseroute: Johannesburg  Drakensberg  Port St. Johns  Colchester (Addo Elephant Park)  Plettenberg Bay  Franschhoek  Kapstadt  Simonstown  Kapstadt  Swellendam  Plettenberg Bay  Jeffreys Bay  Grahamstown  Hogsback  Wild Coast (Wild Lubanzi Backpackers, Coffee Bay, Mdumbi Backpackers)  Kenton-on-Sea  Stormsrivier  Calitzdorp  Hermanus  Kapstadt

Highlights: Roadtrip mit Basti, zu Besuch bei Tobis Cousine in Kapstadt und die Tierwelt Afrikas (Elefanten, Pinguine, Paviane, weiße Haie und vieles mehr)

Johannesburg

Nach sechs Wochen in Ostafrika kam uns Johannesburg vor wie ein Konsumparadies. So viele Produkte in den Supermarktregalen, so viele Cafés und Restaurants. Und zwischendrin übermäßig hip gekleidete Menschen, die sich auf der Fox Street in der Abendsonne fotografierten, um anscheinend ihre neusten Outfits auf ihren Instagram Accounts zu präsentieren. Die Hipster-Dichte lag höchst wahrscheinlich auch an unserer Wohnlage. Wir hatten uns ein schickes AirBnB in Maboneng angemietet, einem der hippsten Stadteile von Johannesburg. Stadtteil ist dabei aber fast zu viel gesagt, eigentlich sind es nur zwei oder drei Blocks die „durchgentrifiziert“ sind. Bei unserer Anfahrt vom Flughafen hatten wir einen Block vor Ankunft noch Sorge, wir hätten die falsche Adresse oder der Uberfahrer hätte sich verfahren. Die leerstehende Häuser, vermüllte Straßen und Obdachlosigkeit wirkten wenig einladend. Der Abschnitt der Fox Street, in dem unser Apartment lag, sah allerdings aus wie die schicksten Teile von Brooklyn, New York.

Auf unserer Walkingtour am ersten Tag lernten wir, dass Johannesburg von den ersten Goldgräbern gegründet wurde und durch die Goldminen schnell an wirtschaftlicher Bedeutung gewann. Während der Apartheit war Johannesburg immer wieder Schauplatz des Wiederstandes. Im wohl bekanntesten Township Südafrikas Soweto kam es in den 70er Jahres zu Protesten, die blutig niedergeschlagen wurden. Nelson Mandela hatte in Johannesburg seine Kanzlei, und an vielen Orten der Innenstadt wird durch Monumente an den Widerstand gegen die Apartheid erinnert. Nach dem Ende der Apartheid 1994, verließen viele Weiße die Innenstadt von Johannesburg und viele Gebäude, darunter viele Hochhäuser, stehen bis heute leer oder wurden über die Jahre besetzt. Jahrelang galt Johannesburg als eine der gefährlichsten Städte der Welt, doch durch große Investitions- und Infrastrukturmaßnahmen werden nach und nach ganze Straßenzüge renoviert, und die Sicherheitslage hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.

In Maboneng haben wir uns auf jeden Fall sehr wohl gefühlt und uns umso mehr gefreut als Basti von seiner Safari zurück kam und wir mit einem kühlen Bier auf unserer Dachterrasse auf unseren gemeinsamen Trip nach Kapstadt anstoßen konnten.

Am nächsten morgen holten wir unseren Toyota Yaris von der Autovermietung ab und nach einem kurzen Bildungsstopp im Nelson Mandela Museum fuhren wir weiter Richtung Drakensberg.

Drakensberg

Gerne wären wir in Drakensberg einen Tag länger geblieben und durch die grünen Berge gewandert. Doch das Wetter sah nicht optimal aus und es sollte den ganzen kommenden Tag regnen. Beim Frühstück auf der Terrasse unseres angemieteten Häuschens, brach die Wolkendecke aber zum Glück kurz auf und wir bekamen den Drakensberg wenigstens kurz zu Sicht.

Port St. Johns

Vom Drakensberg fuhren wir an einem Tag komplett bis zur Küste durch. Im kleinen Örtchen Port St. Johns an der Wildcoast mieteten wir uns in einem netten Hostel mit wunderschönen Meerblick ein. Der perfekte Ort um einen Tag zu entspannen, baden zu gehen, bei einem Spaziergang an der Küste entlang Affen zu beobachten und abends zu grillen.

In Südafrika sagt man aber nicht grillen oder BBQ sondern „Braai“. Und Braaien ist in Südafrika Volkssport, ja schon fast Religion. Jedes Haus hat mindestens einen Braai und auch in vielen öffentlichen Parks findet man einen aus Stein gemauerten Platz zum braaien. Auf unserer Terrasse befand sich natürlich auch ein Braai und so versuchten wir uns zum ersten Mal an der südafrikanischen Variante des Grillens. Mit Erfolg! Die Boerewors, eine grobe Wurst mit Koriander, und das Fleisch schmeckten dank Tobis Feuer und Bastis Grillkünsten wirklich hervorragend.

Schon nachdem die letzte Boerewors verschlungen war, kam der Regen. Man hört zwar immer, dass Südafrika so trocken ist und im letzten Jahr war die Wasserknappheit so gravierend, dass alle Haushalten strikte Wassersparmaßnahmen einzuhalten hatten, aber in der einen Woche, in der wir mit dem Basti unterwegs waren, konnte man sich das nur schwer vorstellen. Irgendwie scheinen wir Basti bei seinen Kurztrips um die Welt nicht unbedingt Glück zu bringen. Als Basti uns letztes Jahr in Buenos Aires besucht hat, hatte er kein Glück und bekam auch nach mehreren Anläufen leider nicht zu einem lecker gegrilltem Stück Fleisch. In Südafrika gab es jeden Tag ein leckeres Steak, aber dafür nur selten ein wenig Sonne. Die Fahrt nach Colchester regnete es auf jeden Fall durch.

Colchester (Addo Elephant Park)

Colchester ist einfach nur ein kleines Städtchen irgendwo zwischen Durban und Kapstadt. Wir hatten uns dort für eine Nacht in ein AirBnB eingemietet, weil es nur wenige Kilometer vom Südeingang des Addo Elephant Parks entfernt liegt. In diesem Nationalpark kann man, wenn man Glück hat, alle Big Five sehen (Elefanten, Löwen, Büffel, Leoparden und Nashörner). Wie der Name aber schon sagt, ist er besonders bekannt für seine vielen Elefantenherden. Und da Basti auf seiner ersten Safari in Südafrika noch keinen Elefanten gesehen hatte, wollten  im Addo Park versuchen, den ein oder anderen Dickhäuter zu Gesicht zu bekommen. Am Abend vor unserem Parkbesuch folgten wir aber zunächst einer Restaurantempfehlung unseres AirBnB Hosts. Im „Taste of Africa“ gab es ein perfekt gegrilltes Kudu-Steak. Kudu ist eine Antilopenart, die von den Südafrikanern besonders gerne auf dem Braai gesehen wird. Glück beim Steak, Pech mit dem Wetter. Am nächsten Tag gab es wieder viel Regen, aber auch viele Elefanten. In Tansania aus dem Dach unseres Toyota Landcruisers sahen sie schon groß aus. Aus dem Fenster unseres Toyota Yaris wirkten sie einfach gigantisch!

Nach einer längeren Zeit mit verschiedenen Gruppen von Elefanten, machten wir uns auf die Suche nach den großen Katzen. Leider ohne Erfolg. Denn wie Katzen eben so sind, suchten sie sich wahrscheinlich bei dem Nieselregen ein halbwegs trockenes Plätzchen. Und so fuhren wir gegen Mittag weiter nach Plettenberg Bay.

Plettenberg Bay

Plettenberg Bay ist eigentlich ein netter kleiner Badeort, aber da man bei Regen in einem Badeort wenig machen kann, fuhren wir schon am nächsten Morgen lieber weiter ins Weingebiet. Wein trinken kann man schließlich bei jedem Wetter.

Franschhoek

Auch auf dem Weg nach Franschhoek war es bewölkt und verregnet. Das war an diesem Tag besonders schade, da wir auf unserer Strecke die berühmte Garden Route entlang fuhren, die als eine der schönsten Küstenabschnitte Südafrikas gilt. Unser kleiner Stopp in Mossel Bay bei Bier uns Austern war aber trotzdem schön.

Das Weingebiet Franschhoek liegt in einem Tal nur 60 Kilometer östlich von Kapstadt und ganz in der Nähe von Stellenbosch, dem wohl bekanntesten Weingebiet Südafrikas. Wie der Name Franschhoek („Franzosenecke“) vermuten lässt, wurde es von aus Frankreich ausgewanderten Hugenotten gegründet. Heute ist es eines der wichtigsten Weinanbaugebiete Südafrikas und ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen und Wochenendausflügler aus Kapstadt. Ein richtiges Wein-Tasting wollten wir erst am folgenden Tag machen. Am Ankunftsabend sollte ein guter Tropfen aus dem Supermarkt reichen. Der Kassierer erklärte uns allerdings überzeugend, dass es in Südafrika ein Gesetz gäbe, dass den Verkauf von Alkohol an Sonntagen nach 16 Uhr verbietet. Wir glauben bis heute, dass das Gesetz nur ein Vorwand ist, um die Touristen in die Restaurants zu treiben. Von dem Gesetz haben wir auf jeden Fall davor und danach nie wieder was gehört.

Auch am nächsten Tag lag das Tal in den Wolken. Für unser Wein-Tasting sollte uns das egal sein und so starteten wir im ersten Weingut mit einer Weinkellertour und anschließender Weinprobe. Auf Weingut Nummer zwei riss dann doch tatsächlich die Wolkendecke auf, und so konnten wir einen leckeren Chenin Blanc bei einer Runde Boule in der Sonne genießen.

Nach einem kleinen Streit über „Frauen, Boule und Feminismus“ fuhren wir zu unserer letzten Weinprobe und ließen den Abend typisch südafrikanisch bei einem traditionellen Braai auf unserer Terrasse ausklingen.

Kapstadt

Nach über 2000 Kilometern in 8 Tagen erreichten wir Kapstadt. Eigentlich wären wir gerne auf den Tafelberg gewandert oder mit der Gondel hochgefahren, aber der Berg lag in dichten Wolken. Den letzten Nachmittag verbrachte Basti daher mit Souvenirshopping und mit einem kleinen Stadtspaziergang und abends mit Bier-Tasting auf der Long Street.

Kaum hatten wir Basti nächsten Tag am Flughafen riss der Himmel auf und wir hatten endlich Sonne und eine freien Blick auf den Tafelberg.

Simons Town

Da wir das Auto noch für einen Tag länger gebucht hatten, nutzen wir es noch für einen Ausflug zum Kap der guten Hoffnung. Von Tobis Cousine Sandra hatten wir den Tipp bekommen, dass man in dem kleinen Örtchen Simons Town nicht nur Pinguine beobachten, sondern auch mit ihnen schwimmen gehen kann. Bei Sonnenschein packten wir also unsere Badesachen ein und spazierten zum Pinguinstrand. Mehr als einen Zeh setzen wir allerdings nicht ins Wasser. Später erzählte uns Sandra, dass sie auch noch nie mit den Pinguinen schwimmen war. Bei 5 Grad Wassertemperatur? Viel zu kalt!! Ein Erlebnis war es trotzdem mit den süßen keinen Tierchen am Strand zu chillen.

Kapstadt

Am nächsten Tag fuhren wir entlang der schönen Strände und Klippen des Kaps zurück nach Kapstadt.

In der Innenstadt gaben wir das Auto zurück und fuhren mit dem Citybus direkt weiter in den Vorort Bloubergstrand. Nach den vielen Kilometern im Auto wollten wir einfach mal ein paar Tage entspannen, am Strand joggen gehen oder spazieren, den vielen Kitesurfern zuschauen oder auch einfach mal nichts tun. Der kleine Vorort Bloubergstrand war dafür perfekt. Der lange Sandstrand war nur wenige Gehminuten von unserem AirBnB entfernt und da Blouberg direkt auf der anderen Seite der Bucht gegenüber der Innenstadt von Kapstadt liegt, hat man von überall einen traumhaften Blick auf den Tafelberg.

Ein weiterer guter Grund nach Bloubergstrand zu ziehen, war die nette Südafrikanerin Kelly, die wir zusammen mit Basti in unserem Hostel in Port St. Johns kennen gelernt hatten. Mit ihr trafen wir uns mal zum Mittagessen oder auch mal abends auf einen Drink in einem der Strandbars. Eigentlich hätten wir natürlich auch bei Tobis Cousine und ihrer Familie in Kapstadt wohnen können, aber leider wurde genau zu der Zeit, in der wir in Südafrika waren, das gesamte Haus renoviert. Sandra, Mark und die drei Kinder wohnten daher selbst in einem kleinen Teil des Hauses, während der Rest des Hauses zu der Zeit eher aussah wie eine Bauruine. Der einzige Teil des Hauses der von den Bauarbeiten „verschont“ wurde, war die Braai-Ecke im Garten. Dort verbrachten wir einen super gemütlichen Abend gemeinsam mit der Familie, Braai (Fleisch vom Grill), Biltong (getrocknetes Fleisch), gutem südafrikanischen Wein und Kerzenschein. Der Kerzenschein war allerdings nicht ganz freiwillig, denn wir hatten mal wieder „load-shedding“. Noch nie was von load-shedding gehört? Das ist kein Wunder, denn wahrscheinlich gibt es das auch nur in Südafrika. Load-shedding ist ein kontrollierter Stromausfall um das Stromnetz vorm Zusammenbruch zu schützen. Ursache ist höchst wahrscheinlich Misswirtschaft und Korruption. Uns wurde es so erklärt, dass jahrzehntelang, das Geld was eigentlich in den Ausbau und Modernisierung des Stromnetzes vorgesehen war, nicht da angekommen ist, wo es hingehen sollte. Außerdem wurde sich nicht, zu spät oder falsch um die Lieferung von ausreichend und qualitativ hochwertiger Kohle gekümmert. Um das Stromnetz des staatlichen Energieversorgers ESKOM vorm Zusammenbruch zu schonen, wird daher im ganzen Land immer wieder regional der Strom abgeschaltet. Jeder kann sich auf der Webseite oder auch per App informieren, wann und wo der Strom abgeschaltet wird und wie oft. Denn es gibt load-shedding in verschiedenen Stufen. Während wir in Südafrika waren hatten wir oft Stufe 4. Das bedeutete, drei mal am Tag zwei Stunden keinen Strom. Für uns war das manchmal lästig, was das aber für die ganze Wirtschaft Südafrikas bedeutet, kann man sich kaum vorstellen.

Swellendam

Nach einem langen Wochenende in Kapstadt hatten wir uns wieder ein kleines weißes Auto gemietet und wollten damit weitere vier Wochen Südafrika erkunden. Wahrscheinlich hätten wir das auch ohne Mietauto machen können, aber jeder (weißer) Südafrikaner wird dir sagen, dass es mit einem Mietauto einfacher und sicherer ist. Natürlich gibt es auch in Südafrika Busse, mit denen man sich durchs Land bewegen kann. Kleine Minibusse, wie wir sie aus Ostafrika kannten, nur deutlich neuer und weniger voll. Touristen oder weiße Südafrikaner haben wir in diesen Bussen aber nie gesehen. Touristen und weiße Afrikaner fahren weiße Pkws. Auch 25 Jahre nach Ende der Apartheid haben sich viele Dinge noch nicht geändert. Wir haben uns aber das Auto nicht nur gemietet, weil wir weiße Touristen sind, sondern vor allem weil es in Südafrika sehr günstig ist ein Auto zu mieten und wir es bei der Gelegenheit mal ausprobieren wollten, wie es ist, mit eigenem Auto zu reisen. Und man muss sagen, dass so ein Auto durchaus den Vorteil hat und man Orte erreiche kann, die man ohne Auto vielleicht nicht so einfach gesehen hätte. Ohne Auto hätten wir uns wahrscheinlich nicht mehrerer Kilometer außerhalb von Swellendam in einem Wohnwagen einquartiert. Den Tag in Swellendam nutzen wir für eine kleine Wanderung in den nahegelegenen Bergen und abends saßen wir vor unserem Wohnwagen, beobachteten die hauseigenen Antilopen, fütterten das Schwein, streichelten die Katzen und befeuerten den Braai.

Plettenberg Bay

Swellendam war eigentlich nur ein Übernachtungsstopp auf unserem Weg zurück nach Plettenberg Bay. Sandra und Mark verbrachten zusammen mit den Kindern und einer befreundeten Familie eine Woche der Herbstferien in Plettenberg Bay und hatten uns eingeladen, zwei Tage mit ihnen am Strand zu verbringen. Anders als noch eine Woche zuvor, als wir mit Basti bei Regen in Plettenberg Bay waren, kam dieses Mal sofort Sommerurlaubsfeeling auf. Bei strahlendem Sonnenschein machten wir mit Sandra eine super schöne Wanderung über die Klippen des Robbergs, gingen nachmittags an den Strand und abends saßen wir gemütlich bei Kerzenschein (load-shedding ;)) zusammen und es wurde natürlich gebraait.

Jeffreys Bay

Von Plettenberg Bay fuhren wir einige Hundert Kilometer weiter in das nächste Strandörtchen. Jeffreys Bay ist vor allem bekannt für seine hervorragenden Surfspots. Da wir bekanntlich nicht die größten Surfer sind, blieben wir lieber am Strand und gingen joggen, spazieren und fuhren mit dem Auto von Strand zu Strand.

Grahamstown

Nachdem wir die letzten Wochen fast ausschließlich von Strandort zu Strandort gefahren waren, wollten wir uns nun mal eine Kleinstadt, einige Kilometer von der Küste entfernt anschauen. In Grahamstown befindet sich eine der renommiertesten Universitäten Südafrikas und so erwarteten wir eine nette kleine Studentenstadt. Umso überraschter waren wir, als wir wenig Studenten, Cafés und Kneipen, sondern viele marode Häuser und Straßen, Müll und Armut sahen. Wohl gefühlt haben wir uns trotzdem, denn wir hatten sehr nette und interessante AirBnB Hosts. Wir haben in einer WG mit einem Argentinier, der seit mehreren Jahren immer wieder um die Welt reist und über seine Erfahrungen bloggt und einer jungen Unimitarbeiterin, die ihre Doktorarbeit über den Zusammenhang zwischen der Sicherheitsindustrie und der wahrgenommenen Unsicherheit in Südafrika geschrieben hat. Da es in Grahamstown wirklich nicht viel zu sehen gibt, verbrachten wir also, die meiste Zeit in unserer WG-Küche oder mit Online Shopping. Wir hatten uns nämlich entschlossen unsere Art zu Reisens etwas zu ändern. Sobald wir wieder in Europa sein würden, wollten wir mehr zu Fuß unterwegs sein. Vielleicht würden wir sogar den gesamten Via Dinarica, einen Fernwanderweg von Slowenien nach Albanien laufen. Ohne Campingausrüstung würde das nicht funktionieren und so verbrachten wir viele Stunden damit, in den Weiten des Internets das beste und leichteste Equipment zum besten Preis zu finden.

Hogsback

Anstatt von Grahamstown zurück an die Küste zu fahren, fuhren wir weiter in die Berge. Ein Pärchen, das wir in Guatemala kennen gelernt und in Mexiko wieder getroffen hatten, hatte uns einen Ort in Südafrika ganz besonders ans Herz gelegt. Wir sollten in den kleinen Ort Hogsback fahren und im Hostel Terra Kaya übernachten. Es war nicht leicht, unseren kleinen Kia Picanto die Berge hinauf über die Schotterstraßen voller Schlaglöcher bis zum Terra Kaya zu fahren, aber wir schafften es und wurden im Terra Kaya von netten Volunteers und einer wunderschönen Aussicht begrüßt.

Um langsam fit zu werden für unseren Fernwanderweg in Osteuropa, nutzen wir ab jetzt jede Gelegenheit für eine längere Wanderung. In Hogsback gab es dazu viele Gelegenheiten. Wir spazierten durch die Wälder zu verschiedenen Wasserfällen und wurden dabei immer wieder von Affen und anderen Tieren überrascht.

Für uns war das Besondere an Hogsback aber nicht nur der Ort und die schöne Umgebung, sondern das Konzept des Terra Kaya Hostels. Wir haben auf unserer Reise schon in vielen Hostels übernachtet, die sich „Eco“ auf die Fahne schreiben. In vielen Fällen bedeutet das einfach nur, dass es wenig oder keinen Strom gibt, und das trotz einer insgesamt schlechten Ausstattung ein hoher Preis verlangt wird. Im Terra Kaya ist das anders. Alle Gebäude auf dem Gelände sind individuell und liebevoll erbaut und eingerichtet. Überall kann man erkennen, dass für den Bau verschiedenste Materialien recycelt wurden. Der Müll wird daher akribisch getrennt, um alles Verwertbare erneut verwenden zu können. Es gibt eine Komposttoilette und Solarenergie versorgt das Hostel mit Strom. Das Wasser kommt aus der eigenen Quelle. Auf „Luxus“ muss man in Terra Kaya übrigens nicht verzichten. Es gibt sogar heißes Wasser, das mit Holz aus dem eigenen Wald erhitzt wird. Der Wald wird natürlich hierfür kontinuierlich wieder aufgeforstet. Mit dem heißen Wasser kann man entweder für die Outdoor-Dusche oder für die Badewanne mit Blick ins Tal nutzen. Ziemlich klar, für was sich Tobi da entschieden hat. 😉

Abends, wenn im Terra Kaya die Indoor-Feuerstelle angefeuert und die Kerzen angezündet werden, versammeln sich alle Gäste und Mitarbeiter um die zwei großen Tische im Haupthaus und es wird gemeinsam zu Abend gegessen. Man kann zwar auch selbst kochen, aber am gemeinsamen „Family Dinner“ teilzunehmen, gehört irgendwie zum Terra Kaya dazu und das vegetarische Essen war nach so viel Fleisch in Südafrika nicht nur eine gelungene Abwechslung sondern auch unglaublich lecker!

Wild Coast – Wild Lubanzi Backpackers

Schon während unserer Tour mit Basti hatte und uns die Wild Coast besonders gut gefallen. Mit Basti waren wir in dem kleinen Ort Port St. Johns am nördlichen Rand der Wild Coast. Vom Besitzer des Terra Kaya bekamen wir nun die Empfehlung mehrere Tage an der Küste entlang von Hostel zu Hostel zu wandern. Startpunkt sollte das Wild Lubanzi Backpackers südlich von dem kleinen Ort Coffee Bay werden. Eigentlich rät das Wild Lubanzi seinen Gästen nur mit einem 4×4 anzureisen, da die letzten Kilometer der Straße in einem äußerst schlechten Zustand seien. Der Besitzer vom Terra Kaya meinte aber, dass wir es auch in unserem Kia schaffen könnten. Wir sollten nur nicht im Dunkeln ankommen und vor allem sollte uns bewusst sein, dass wir bei Regen keine Chance hätten wieder weg zu kommen. Das Risiko gingen wir ein und erreichten heil und vorm Sonnenuntergang das Wild Lubanzi.

Das Wild Lubanzi sieht aus wie eine Chillarea auf dem Fusion Festival oder wie die die Hippie Bar auf Kho Phayam, oder wie ein Spielplatz für große Kinder. Das Haupthaus erstreckt sich verwinkelt über mehrere Etagen. Ganz unten befindet sich die Gemeinschaftsküche, in der auch hier abends ein Family Dinner gekocht wird. Gegessen wird an einer großen Tafel im ersten Stock. Dort befinden sich auch mehrere Sofas und eine kleine Bar. Die gesamten oberen Etagen sind zum Meer hin offen, so dass man von überall die wunderschöne Bucht mit den steilen Klippen, dem dunkelblauen Wasser und den grünen Wiesen sehen kann. Den besten Blick hat man allerdings von dem Sofa auf einem Podest auf der obersten Etage. Wenn man mag kann man sich aber auch in das ein Netz legen, eine Art riesige Hängematte, die in einer Konstruktion vor das Sofa gespannt ist. Geschlafen wird im Wild Lubanzi entweder im Safarizelt oder im Rondavel, dem für den Süden Afrikas typischen Rundhaus. Wir blieben zunächst nur für eine Nacht, ließen unser Auto zurück und wanderten die Küste entlang in Richtung Coffee Bay.

Wild Coast – Coffee Bay

Die Wanderung vom Wild Lubanzi bis in das kleine Örtchen Coffee Bay sollte eigentlich nur etwa 4 Stunden dauern. Nach einer Stunde erreichten wir, wie geplant, das „Hole in the Wall“, ein riesiger Felsen im Wasser, in dem sich durch Wellen und Gezeiten ein riesiges Loch gebildet hat. Leider hatten wir vor unserem Aufbruch nicht bedacht, dass wir den Fluss am Wole in the Wall nur bei absoluter Ebbe überqueren konnten.

Als wir ankamen Stand das Wasser schon sehr hoch und die Flut sollte erst noch kommen. Um zu überprüfen wie tief das Wasser war und ob eine Möglichkeit bestand, den Fluss doch irgendwie zu überqueren, zog sich Tobi bis auf die Unterhose aus und machte einem Schritt ins Wasser. Schon nach nur einem Meter stand ihm das Wasser bis zum Hals. Mit unseren großen Rucksäcken hatten wir also keine Chance. Da wir aber auch nicht bis zum Nachmittag auf Ebbe warten wollten, gingen wir einige hundert Meter den Fluss hinauf. Dort war der Fluss etwas breiter, weniger tief und wir erreichten über eine paar Steine im Wasser das andere Ufer. Auf der anderen Seite war das Ufer allerdings zu steil um den Fluss entlang zurück zur Küste zu laufen. Uns blieb also nichts anderes übrig als uns einen steilen Abhang hinauf durchs Gebüsch zu schlagen. Von Dornen und Ästen zerkratzt, schweißgebadet und schon ziemlich erschöpft erreichten wir irgendwann den Aussichtspunkt auf der anderen Seite.

Weil weder ein Wanderweg ausgeschildert noch auf unserer Karte eingezeichnet war, verliefen wir uns danach noch einige Male und kamen erst nach fast 7 Stunden endlich in Coffee Bay an. Coffee Bay ist zwar vielleicht das bekannteste und am meisten touristisch erschlossene Dörfchen an der Wild Coast, aber die Bucht ist bei weitem nicht so schön wie die am Wild Lubanzi. Daher entschieden wir uns dagegen einen Tag länger in Coffee Bay zu bleiben und liefen am nächsten Tag weiter zum Mdumbi Backpackers.

Wild Coast – Mdumbi Backpackers

Auf dem Weg zum Mdumbi Backpackers erwarteten uns ein wunderschöner Küstenabschnitt der Wild Coast und weitere zwei Flussüberquerungen. Diesmal waren wir besser informiert und konnten bei Ebbe den ersten Fluss überqueren. Vor dem zweiten Fluss, dem Mtata River wurden wir explizit gewarnt. Wir sollten auf keinen Fall versuchen hindurch zu schwimmen, sondern uns für ein paar Rand mit dem Boot auf die andere Seite fahren lassen. Schwimmen war allein schon wegen unserer Rucksäcke keine Option. Später erfuhren wir außerdem, dass der Fluss weniger wegen der Strömung gefährlich ist, sondern weil in der Flussmündung häufig Haie gesichtet werden.

Das Mdumbi Backpackers wurde uns im Terra Kaya von mehreren Leuten wärmstens empfohlen. Und da uns das Terra Kaya so gut gefallen hat, waren die Erwartungen ans Mdumbi dementsprechend hoch. Vielleicht lag es an den hohen Erwartungen, vielleicht an dem etwas bedeckten Wetter, vielleicht auch ein wenig an den Leuten, die zur gleichen Zeit da waren. Aber irgendwie sprang bei uns der Funke nicht so ganz über. Unser Rondavel war zwar gemütlich, der Strand war ganz schön, es gab einen netten Gemeinschaftsbereich mit Blick auf die Küste und eine Family Dinner. Trotzdem freuten wir uns schon auf schon wieder aufs Wild Lubanzi.

Wild Coast – Wild Lubanzi Backpackers

Auf unserem Rückweg zum Wild Lubanzi wurden wir das erste Stück von einem anderen Reisenden mitgenommen und das letzte Stück fuhren wir mit einem der kleinen Minibusse. Das war tatsächlich unsere erste und einzige Fahrt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel in Südafrika! Mit denselben kleinen weißen Minibussen waren wir schon durch ganz Ostafrika gefahren. In Südafrika sind diese nur neuer und weniger voll. Es war uns zwar schon vorher klar, aber es gibt einfach keinen Grund das öffentliche Verkehrssystem in Südafrika zu meiden. Es sei denn, man hat ein generelles Problem damit, dass man eine andere Hautfarbe als die anderen Passagiere hat.

Wir hatten zwar kein Problem mit anderen Hautfarben, aber trotzdem einen Leihwagen. Zurück im Wild Lubanzi machten wir uns noch einen schönen Nachmittag und einen gemütlichen Abend und obwohl es die ganze Nacht in Strömen regnete schafften wir es in unserem kleinen Kia Picanto über die Dirtroad zurück zur Hauptstraße.

Kenton-on-Sea

Die Apartheid ist zwar seit 25 Jahren abgeschafft, aber an vielen Orten lebt man gewollt oder ungewollt immer noch getrennt. Kenton-on-Sea sieht aus wie man sich einen südenglischen Badeort vorstellt. Weiße Häuschen, gemähter Rasen, Klippen und schick gekleideten Menschen, die mit ihren Hunden am Meer spazieren gehen. Es wirkte wie ein Rentnerparadies für weiße Südafrikaner. Auch schön, aber so anders als noch vor wenigen Stunden an der Wild Coast.

Stormsrivier

Auf dem Weg zurück nach Kapstadt machten wir noch einen Stopp in Stormsrivier nur wenige Kilometer entfernt vom Tsitsikamma Nationalpark. Der Tsitsikamma Nationalpark ist Teil der Garden Route und einer der letzten Urwälder Südafrikas. Ein perfekter Ort für kleinere Wanderungen entlang der Klippen und durch besonders schöne Wälder. In Stormsrivier fühlten wir uns auf anhieb sehr wohl, denn im Hostel „la Luna“ fühlte es sich an, wie bei Freunden zu wohnen. Friedrich hatte das Hostel erst vor kurzem eröffnet und will es langfristig mit Hilfe von Volunteers zu einem Eco-Hostel mit eigenem Gemüsegarten umbauen. Das Haus war aber jetzt schon sehr gemütlich und im Garten konnte hervorragend gebraait werden.

Calitzdorp

Da wir die Hauptstraße zwischen Plettenberg und Kapstadt schon zwei mal gefahren waren, machten wir dieses mal einen Schlenker ins Landesinnere. Schon kurz hinter den Bergen der Garden Route verändert sich die Landschaft und wird karg und fast wüstenartig. Irgendwo dort in der Region, die sich klein Karoo nennt, liegt das kleine Dorf Calitzdorp. Dort übernachteten wir bei Peter, einem pensionierten Sozialarbeiter, der sich mit AirBnB die Rente aufbessert. Er lebt seit mehreren Jahren allein, seit sein Freund bei einem Überfall auf die gemeinsame Farm getötet wurde. Wir hatten während unserer Südafrikareise schon davon gehört, dass es immer wieder zu Überfällen und Ermordungen von weißen Bauern kommt, aber nun eine solche Geschichte aus erster Hand zu hören, war erschreckend. Dieser Schicksalsschlag hatte Peter natürlich schwer getroffen, aber in keinster Weise verbittert. Peter ist ein sehr interessanter und interessierter Typ, mit dem wir den ganzen Abend und den nächsten Morgen in der Küche verbrachten und über Gott und die Welt quatschten. Darüber wie man irgendwann in der Zukunft die Folgen der Apartheid in Südafrika und allgemein Rassismus in der Welt bekämpfen kann, über Reisen, Fotografie, die Liebe und das Leben. Was eigentlich nur als Übernachtungsstopp gedacht war, wurde zu einer sehr interessanten Begegnung.

Hermanus

Bevor wir Südafrika verlassen würden, galt es noch eine Sache zu tun. Immer wenn wir darüber gesprochen haben, dass wir irgendwann mal nach Südafrika fahren würden, meinte Tobi, dass er dann unbedingt mit weißen Haien tauchen will. Von Hermanus fuhren wir daher früh morgens nach Gansbaai und von dort mit dem Ausflugsboot hinaus aufs Meer. Dann war es soweit und wir stiegen vom Boot in den Käfig. Trotz Neoprenanzug war es bitter kalt und die Sicht leider nicht besonders gut. Während wir im Käfig waren sahen wir „nur“ mehrere Kupferhaie dicht am Käfig vorbeischwimmen. Die beste Sicht auf den weißen Hai hatten wir allerdings vom Boot aus und unserem Guide Ralf Watson gelang dabei dieser Schnappschuss.

Kapstadt

Nach diesem einmaligen Erlebnis ging es für uns zurück nach Kapstadt. In Kapstadt wartete auf uns eine schicke Unterkunft und ein noch schickeres Essen. Die Maisonette-Wohnung mitten in Kapstadt mit Blick auf den Tafelberg war ein Eröffnungsschnäppchen bei AirBnB gewesen und passte hervorragend zum guten Wein und dem hervorragendem Essen im Restaurant Aubergine, für das Pia und Jonas und einen Gutschein zu Weihnachten Geschenkt hatten. Unsere letzten zwei Nächte verbrachten wir aber nicht im Stadtzentrum, sondern in Bloubergstrand. Nach 6 Wochen und weit über 4000 Kilometern quer durchs Land, wurde es Zeit Abschied zu nehmen. In Bloubergstrand  trafen uns daher noch einmal mit Kelly, die mittlerweile zu einer guten Freundin geworden war. Und an der Waterkant trafen wir uns noch ein letztes mal mit Sandra, Mark und den Kindern zu einem gemeinsamen Abendessen. Vielen Dank für die schöne gemeinsame Zeit!

Mit Südafrika endete auch unsere Zeit auf dem afrikanischen Kontinent. Nach einem kurzen Zwischenstopp über Ostern in Köln, geht’ s danach über Osteuropa immer weiter Richtung Asien.