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Peru (Teil 2)

Daten und Fakten

Reisedauer: 40 Tage, 4. Mai 2018 – 13. Juni 2018

Reiseroute: Arequipa  Cusco  Lima  Oxapampa/Pozuzo  Lima

Highlights: unser erster (und wahrscheinlich letzter) 6000er, Machu Pichu und seine Schwester Choquequirao und ein Tiroler Dorf im Dschungel

 

Arequipa

Arequipa, die „weiße Stadt“, hat mehr zu bieten als wir ursprünglich gedacht haben. Zunächst einmal ist die Altstadt wunderschön, mit ihren aus weißem Vulkanstein gebauten alten Kolonialbauten. Den Beinamen „weiße Stadt“ erhielt sie aber wahrscheinlich nicht wegen dieser weißen Bauten, sondern wegen der hellen Hautfarbe der spanischstämmigen Bewohner während und nach der Kolonialzeit. Wunderschön ist nicht nur die Stadt sondern auch das Klima. Nach einer langen Zeit in Höhen von um die 4000 Metern und dementsprechend kühlen Temperaturen, freuten wir uns über die täglichen 25 Grad und Sonne auf ungefähr 2500 Metern Höhe. Wieder in Peru zu sein, bedeutete auch endlich wieder hervorragendes Essen. Die Peruanische Küche ist einfach mit Abstand die beste Küche Südamerikas. In Chile hatten wir wieder feststellen müssen, dass das Land kulinarisch wenig zu bieten hat, außer natürlich guten Wein. Davon hatten wir uns zwei Flaschen mitgebracht, die wir bereits am ersten Abend in guter Gesellschaft auf der Dachterrasse unseres Hostels leerten. Denn in Arequipa wartete schon Olli, den wir in Cochababa kennengelernt und mit dem wir die Dschungel Tour in Bolivien gemacht hatten. Außerdem lernten wir an diesem Abend noch Pascal kennen, der in Arequipa für 4 Wochen einen Spanischkurs machte und der sich gerne mit dem ein oder anderen Gläschen Wein von seinen Spanischhausaufgaben abhalten ließ. Von unserer Dachterrasse hatten wir einen wunderschönen Blick auf zwei der umliegenden Vulkane: den schönen Misti mit seinen 5822 Metern Höhe und den benachbarten Chachani mit 6057 Metern Höhe. In Bolivien hatten wir uns nicht fit genug gefühlt, auf den knapp über 6000 Meter hohen Huayna Potosi zu steigen, aber die 6000 Metermarke reizte uns immer noch. Der Chachani gilt als der „einfachste“ 6000er der Welt und da wir durch unsere Zeit in Bolivien optimal akklimatisiert waren, dachten wir ernsthaft darüber nach, es diesmal zu versuchen. Bevor wir aber den 6000er in Angriff nehmen wollten, gingen wir erst einmal ins „Trainingslager“. Mit Olli fuhren wir für 3 Tage in den Colca-Canyon. Der Colca-Canyon ist einer der tiefsten Canyons der Welt und über drei Tage den Canyon hinab und wieder hinauf zu laufen, sollte ein gutes Beintraining werden.

Colca Canyon

Von Cabanaconde, einem netten kleinen Städtchen am oberen Rand des Canyons machten wir uns am ersten Tag unseres Ausfluges erst einmal an den Abstieg in den Canyon.

Nach ca. 3 ½ Stunden erreichten wir die kleine Unterkunft in Llahuar und belohnten uns für den restlichen Nachmittag mit einem Bad in den heißen Quellen, die malerisch direkt inmitten des Canyons und neben dem eiskalten Fluss liegen. Der erste Tag war also sehr entspannt.

Tag zwei war dann schon anspruchsvoller, denn diesmal ging es 800 Meter hinauf bis zum kleinen Örtchen Fure, in einem Seitenarm des Canyons.

Als kleine Extra-Tour des Tages wanderten wir von Fure noch weiter bis zu einem Wasserfall, der ca. 1 ½ Stunden von Fure entfernt lag. Besonders anstrengend, aber auch besonders schön war der dritte Tag unserer Tour. Von Fure stiegen wir erst wieder fast 1000 Meter hinab, bis wir die Oase von Sangalle erreichten. Mitten in dem meist trockenen Canyon befindet sich ein kleines grünes Fleckchen voller blühender Bäume und Sträucher.

Trotz der Schönheit der Oase, wollten wir nicht für die Nacht bleiben, denn die laute Musik am Pool der Hostels und die Happy Hour Angebote ließen erahnen, dass es abends nicht unbedingt so idyllisch bleiben würde. Nach einer Pause machten wir uns daher an den Aufstieg zurück nach Cabanaconde: 1000 Höhenmeter in der prallen Nachmittagssonne!! Völlig platt, aber zufrieden mit unserer Leistung, ging es abends früh ins Bett uns am nächsten Tag zurück nach Arequipa.

In Arequipa angekommen, waren wir mit Severin verabredet (den wir in Uruguay kennen gelernt hatten und bereits in Brasilien und Bolivien wieder getroffen hatten). Während wir im Colca Canyon waren, war er auf dem 6000 Meter Hohen Chachani gewandert. Auf unsere Frage, wie es denn gewesen wäre, war die klare Antwort: Er würde es nie wieder machen! Ja, es war ein besondere Erfahrung und er wäre froh dass er es geschafft hat, aber er würde es auf keinen Fall noch einmal machen. Es ist also nicht so, als hätte uns keiner vorher gewarnt. Aber wir wollten es wissen. Wir wollten es auch schaffen. Und nach langem hin und her entschied sich Olli uns bei diesem Vorhaben zu begleiten. Wir buchten also die Tour und zwei Tage später ging es los.

Chachani

Nach einem großen Teller Nudeln am Abend wurden wir um 22 Uhr von unserem Guide und dem Fahrer abgeholt. Drei Stunden ging es über einen Weg (Straße wäre zu viel gesagt) immer weiter bergauf bis wir um 1 Uhr nachts auf ca. 4900 Meter das Auto parkten und zu Fuß weiter marschierten. Wir waren ja gut akklimatisiert, so dass die ersten 2 Stunden bis zum Basecamp auf ca. 5100 Metern überhaupt kein Problem waren. Wir waren motiviert, gut gelaunt und voller Zuversicht, den Gipfel schnell und einfach zu erreichen. Keiner weiß mehr wann und wo genau, aber irgendwann zwischen 3 Uhr und 5 Uhr morgens und irgendwo zwischen 5500 und 6000 Metern hatte jeder von uns mindestens einen Tiefpunkt und wäre am liebsten sofort wieder abgestiegen. Es war dunkel, der Wind peitschte eiskalt ins Gesicht und bei jedem Schritt wurde die Luft dünner. Auf dem Gipfel angekommen vielen wir uns in die Arme und Tränen schossen in die Augen. Ein unbeschreibliches Gefühl! Den Ausblick konnten wir aber leider alle nicht so richtig genießen, denn wir waren einfach zu erschöpft. Nach einem kurzen Gipfelfoto, wollten wir einfach nur schnell wieder runter.

Vor so einer Tour macht man sich eigentlich nur Gedanken darüber, wie schwer der Aufstieg sein wird. Keiner hatte uns vorher gesagt, dass der Abstieg vielleicht das Härteste sein würde. Die Sonne war mittlerweile aufgegangen und erst da merkte Petra, dass sie nicht mehr richtig sehen konnte. Alles war grell verschwommen, wie hinter Milchglas. Tobis Beine zitterten und er hatte kaum mehr Kraft und Kontrolle, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Dazu begann er zu halluzinieren und sah Dörfer und Zelte in den Bergen und Gesichter in jedem Stein. Unser Guide, den man eigentlich genau für solche Fälle dabei hat, war leider überhaupt keine Hilfe. Anstatt uns zu unterstützen, meinte er nur wir müssten schnell absteigen, lief vor ins Basecamp und ließ uns allein am Berg zurück. Irgendwie erreichten wir das Basecamp und 2 weitere Stunden später das Auto. Die Halluzinationen waren abgeklungen und in Arequipa auf 2500 Meter konnte Petra auch endlich wieder normal sehen. Ja, wir haben die 6000 Meter geschafft, aber auch wir sagen: nie wieder!

Mittags vom Chachani zurück, hatten wir uns schlauerweise für denselben Abend einen Bus nach Cusco gebucht. Anstatt Erholung also ab in den Nachtbus.

Cusco

Cusco ist die ehemalige Hauptstadt des Inkareichs, UNESCO Weltkulturerbe und der Ausgangspunkt für Ausflüge zum nahgelegenen Machu Picchu. Klar kommt man um einen Ausflug zum Machu Picchu nicht herum und natürlich wollten wir uns eines der sieben Weltwunder anschauen, aber wir hatten auch andere kulturelle und sportliche Ziele. Denn wir wollten zunächst nach Choquequirao, der kleinen Schwester Machu Picchus. Choquequirao ist ähnlich in Aufbau und Architektur wie Machu Picchu, aber derzeit erst zu 30% ausgegraben und deutlich schwerer zu erreichen als Machu Picchu. Die Regierung plant zwar seit mehreren Jahren einen Zug oder eine Seilbahn zu bauen, aber zur Zeit erfordert es noch eine mehrtägige Wanderung über steile Bergwege, um die alte Inkastadt zu erreichen. Man kann zwar eine Tour buchen und sein Gepäck von Mulis von Campingplatz zu Campingplatz tragen lassen, aber wir wollten es auf eigene Faust machen. Im Colcacanyon hatten wir schon an mehreren Tagen einiges an Höhenmetern gemacht, allerdings nur mit leichtem Gepäck und ohne Zelt. Am Chachani hatten wir unseren Willen und Durchhaltevermögen auf die Probe gestellt. Die nächste Challenge war also mehrere Tage in Höhen von um die 3000 Metern zu wandern, ca. 2000 Höhemeter am Tag und das mit vollem Gepäck. Bevor wir aber diese Tour starteten, absolvierten wir noch ein kleines letztes „Höhentraining“.

Vinicunca und Valle roja

In einer Tagestour fuhren wir zum Vinicunca, der wegen seiner vielen Farben auch Rainbow Mountain genannt wird. Nach ca. 1 ½ Stunden erreichten wir den Aussichtpunkt auf rund 5000 Metern Höhe.

Fast noch schöner als die Aussicht auf den berühmten Vinicunca, war die Wanderung zurück durch das Valle Roja (rotes Tal). Links und rechts lagen die rotschimmernden Berge und im Tal grasten auf grünen Weiden die Alpakas.

Olli hatten wir bei diesem Ausflug in Cusco lassen müssen, denn nach Chachani und Nachbusfahrt waren seine alten Mage-Darm-Beschwerden zurück. Und als wir vom Vinicunca zurück nach Cusco kamen, war Olli nicht wie besprochen in unserem neuen Hostel, sondern im Krankenhaus. Ihm war es so schlecht gegangen, dass er endlich einen Arzt aufgesucht hatte und nun hatte er endlich eine Diagnose für seine wiederkehrenden Beschwerden. Er hatte sich vor Wochen, irgendwo in Argentinien oder Bolivien, Paratyphus (eine Milde Form von Typhus) eingefangen. Die Ärztin konnte nicht glauben, dass er es geschafft hatte, mit Paratyphus einen 6000er zu besteigen. Für Olli hieß es daher 3 Tage zur Beobachtung und Infusionen im Krankenhaus und mindestens 8 Tage Antibiotika. Daher mussten wir auf ihn verzichten und fuhren alleine Richtung Choquequirao.

Choquequirao

Nach der Busfahrt von Cusco nach Cachora und einer Taxifahrt zu einem Aussichtpunkt, war unsere erste Tagesetappe der Abstieg von 1500 Metern ins Tal und ein Aufstieg von rund 500 Höhenmetern.

Wir waren mächtig stolz als der Campingplatzbesitzer zu uns meinte, dass wir mit ca. 5 Stunden ziemlich schnell gewesen wären. Dann kamen zwei Franzosen an, die es in 3 ½ geschafft hatten :(. An Tag 2 und nach weiteren 1000 Metern Aufstieg kamen wir in das kleine Dörfchen Marampata und konnten von da aus den ersten Blick auf die Inkaterrassen von Choquequirao werfen.

Und nach weiteren 4 Kilometern auf uns ab erreichten wir um die Mittagszeit den Campingplatz von Choquequirao.

Nach Zeltaufbau und kleinem Mittagssnack machten wir uns aber direkt wieder auf den Weg, um endlich die alte Inkastadt zu erkunden.

Der Vorteil an der abgeschiedenen Lage und der schweren „Anreise“ ist, dass man die Ruinen fast für sich alleine hat. Am ganzen Nachmittag haben wir nur 5 andere Touristen gesehen (zum Vergleich: am Machu Picchu sind es rund 3000 pro Tag!).

Die Anstrengung des Vortages und des Vormittags waren wie verflogen und wir stöberten durch die Ruinen, die Inkastufen rauf und runter und über die berühmten Lama-Terrassen.

Kurz vor Sonnenuntergang trafen wir dann noch auf dem höchsten Punkt der Anlage, zwei peruanische Archäologen, die uns begeistert von Choquequirao und den voranschreitenden Ausgrabungen berichteten. Während die meisten Choquequirao-Besucher entweder denselben Weg wieder zurück gehen oder weiter Richtung Machu Picchu wandern, wollten wir einen alternativen Weg zurück nehmen. Wir hatten nämlich gehört, dass man an einem Tag einen Campingplatz auf der anderen Seite des Tales erreichen kann. Es ging also erst wieder 1500 Meter hinab ins Tal und auf der anderen Seite 700 Meter bergauf vorbei an der kleinen Oase von San Ignacio. Doch an dem Ort, an dem wir den Campingplatz vermuteten, war weit und breit kein Campingplatz zu sehen. Verzweifelt und erschöpft erfuhren wir glücklicherweise von einem Bauern, dass der gesuchte Ort nur noch ein kleines Stücken entfernt lag (kleines Stückchen: 4 Kilometer, 200 Höhenmeter!).

Als wir endlich den „Campingplatz Los Loros“ erreichten, mussten wir feststellen, dass es gar kein Campingplatz war, sondern eine teure Lodge mit gepflegtem Garten und schicken Bungalows. Der nette Besitzer hatte aber erbarmen mit uns und ließ und uns netterweise unser Zelt auf dem Parkplatz aufschlagen.

Nach einer letzten Nacht im Zelt und einer letzten Portion Haferschleim mit Trockenfrüchten nahm und der Besitzer sogar noch mit ins nächste Dorf und gegen Abend waren wir zurück in der Zivilisation von Cusco. Olli war mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen und Severin war mittlerweile in Cusco angekommen. Anstatt wieder auf eine Wanderung zu gehen, entschieden wir uns zusammen für die „Spaß“-Tour zum Machu Picchu, den sogenannten Inka Jungle Trek. Der sah folgendes Programm vor.

Tag 1: Mountain-Bike Tour am Vormittag und Rafting am Nachmittag

Tag 2: Wanderung auf einem Teil des originalen Inka Trails und abends Entspannung in den Hot-Springs

Tag 3: Zip-Lining am Vormittag und Wanderung entlang der Bahnschienen zum Dorf Aguas Calientes am Fuße von Machu Picchu:

Tag 4: Aufstieg zum Machu Picchu und Führung durch die Ruinen

Die Fotos sagen wahrscheinlich schon alles. Machu Picchu ist zurecht ein absolutes Highlight einer jeden Südamerika Reise! Und mit unseren Reisebegleitern Olli und Severin hatten wir für unsere Spaß-Tour auch die perfekten Reise Buddies. Nach der Tour mussten wir uns aber schon wieder von den Beiden verabschieden, denn wir mussten schnell weiter nach Lima. In wenigen Tagen würde unser Freund Fabi seine peruanische Freundin Carla heiraten und dieses Ereignis wollten wir natürlich auf keinen Fall verpassen.

Lima

Der Spätherbst in Lima war noch grauer und feuchter, als bei unserem letzten Besuch im November. Aber wir waren ja nicht fürs gute Wetter da. Wir waren froh wieder in Lima zu sein, einem Ort an dem wir uns schon auskannten und an dem wir uns zu Hause fühlten. Und natürlich freuten wir uns mit Fabi und Carlas ihre Hochzeit feiern zu können!

Nach der Hochzeit blieb uns noch ca. eine Woche in Peru. Nachdem wir schon viel Zeit in den Anden verbrachten hatten und viel Zeit an der Küste in Lima, fehlte und noch ein Aufenthalt in der letzten der drei Regionen Perus, dem Dschungel. Daher beschlossen wir noch für ein paar Tage nach Oxapampa und Pozuzo zu fahren.

Oxapampa und Pozuzo

Nach so viel Wandern hatten wir uns ein wenig Erholung verdient. Und dafür ist die Ecke Rund um Oxapampa genau richtig gewesen. Die grünen, wolkenverhangenen Berge zeigten deutlich, dass man sich bereits in der Dschungelregion von Peru befindet, die Temperaturen steigen tagsüber aber selten über 30 Grad.

Beliebt ist Oxapampa bei einheimischen Touristen aber auch wegen seiner Geschichte. Der Ort wurde im 19. Jahrhundert von Österreichischen und Preußischen Auswanderern gegründet und so wird das Stadtbild von Häusern in klassisch Tiroler Bauernhausarchitektur geprägt.

Noch deutlicher wird der Tiroler Einfluss in Pozuzo, wo wir im „Haus Köhel“ wohnen, in der Dorfbrauerei das gute „Dörcher Bier“ trinken und im „Tiroler Adler“ die hausgemachten Käsespätzle essen konnten. Erholung pur, fast wie im Urlaub in Österreich!

Lima

Ein letztes Mal Lima, ein letztes Mal lecker Essen gehen, ein letztes Treffen mit Fabi und Carla, und so ging Peru nach genau 40 Tages zu Ende.

 

Peru (Teil 1)

Daten und Fakten

Reisedauer: 29 Tage, 20. Oktober 2017 – 18. November 2017

Reiseroute: Lima

Highlights: Streetart und Schweinebrötchen in Barranco, Lima

 

Lima

Vier Wochen Lima und wir haben bei weitem nicht alles gesehen, was es zu entdecken gibt. Aber wir waren ja auch nicht zum Spaß da, sondern um unsere Spanischkenntnisse auf ein reisetaugliches Niveau zu bringen. Und natürlich haben wir uns total darauf gefreut, Fabi wieder zu sehen, seine Freundin Carla kennen zu lernen und die gute alte Offenbach-WG wieder aufleben zu lassen (Petra und Fabi kennen sich aus Frankfurt und haben fast zwei Jahre zusammen in Offenbach gewohnt).

Angekommen am Flughafen stand schon ein “Beat”-Taxi (wie Uber, nur besser) für uns bereit. Nach über zwei Wochen Kuba war schon die Taxifahrt ein richtiges Erlebnis. Denn im Beat gab es Internet!! Und überall Autos, Leuchtreklamen, Supermärkte… Starker Kontrast zu Kuba.

In unserer neuen Wohnung für die nächsten vier Wochen wurden wir von Fabi und Carla ganz herzlich empfangen und zur Begrüßung gab es erst mal ein selbstgemachtes Mispelchen. Für alle die, die sich in der Frankfurter Trinkkultur nicht so auskennen: Mispelchen ist ein Getränk, das in typischen Frankfurter Apfelweinkneipen serviert wird und aus Calvados und einer eingelegten Mispel aus der Dose besteht. Für das Mispelchen Peruano hatten Fabi und Carla frische Mispeln aus dem Garten von Carlas Familie in Pisco eingelegt.

Fabi war jetzt mittlerweile schon über ein halbes Jahr in Lima und es war total schön ihn wieder zu sehen. Bei einem großen Topf Spaghetti tauschten wir uns über die Erlebnisse der letzten Monate aus. Begeistert erzählte Fabi von all den Märkten, Restaurants, Museen und Clubs, die wir unbedingt sehen sollten.

Aber wie gesagt, waren wir ja nicht nur zum Spaß sondern zum Lernen da. Unsere Sprachschule startete schon am kommenden Montag. Anstatt im überfüllten Stadtverkehr von Lima jeden Tag den Bus zu nehmen, beschlossen wir die 5 Kilometer zwischen Barranco und Miraflores mit dem Fahrrad zu fahren. Ein Fahrrad konnte uns Fabi leihen, da er sich selbst ein zweites rennradähnliches kaufen wollte. Also ging es am nächsten Tag erst mal zum Fahrradhändler und -mechaniker seines Vertrauens.

Fabi bekam sein neues second-hand Rennrad, Tobi ein gelbblaues Montainbike und Petra Fabis Beachcruiser (wie damals in Kalifornien schön mit dem Beachcruiser am Meer entlang zur Uni J).

Ja und so sah dann ein typischer Tag in Lima für uns aus:

Ca. 7:30 Uhr aufstehen, duschen Kaffee uns los. Ok manchmal mussten vor der Schule noch die Hausaufgaben vom Vortag machen. Dann klingelte der Wecker auch schon mal um 7 Uhr.

Mit den Fahrrädern erst mal zu einem der Bocadillo-Ladies frühstücken. Die Auswahl an belegten Brötchen ist vielfältig und die Wahl nicht leicht: Avocado, Schinken-Ei, Omelette, Süßkartoffel… aber meistens fiel die Wahl auf Lomo! Das heißt kleine Schweinefleischstücken in einer braunen Soße mit Zwiebeln und kleinen Pommesstückchen. Mhhh… Und dazu noch was Gesundes. Entweder ein warmer Emoliente (Mix aus Gerstenwasser, Heilkräutern und Zitronensaft) oder ein Quinoa- oder Hafergetränk.

Gestärkt für den Tag ging es dann weiter mit dem Fahrrad über den Malecón immer den Klippen entlang zur Schule nach Miraflores. Mit Marilyn hatten wir eine super gute und vor allem extrem nette und lustige Lehrerin, mit der die 4 Stunden intensives Vokabeln- und Grammatiklernen wie im Flug vergingen.

13 Uhr, Zeit für ein üppiges Mittagsmahl. Meistens ein Menu del Dia bei Señor Ross. Von der täglich wechselnden Tageskarte kann man sein Menu aus 6 verschiedenen Vorspeisen und Hauptgerichte (vegetarisch oder mit Fleisch) zusammenstellen. Immer frisch, super lecker und inklusive eines leckeren selbstgemachten Saftes. Und das für nur 10 Pesos (keine 3 Euro).

Nachmittags ein bisschen Obst und Gemüse auf dem Markt einkaufen, ein kleines Mittagsschläfchen oder eine Runde Sport am Strand. Und natürlich mindestens eine Stunde Hausaufgaben (gut die haben wir auch manchmal noch schnell vor der Schule gemacht, wie früher J).

6 Uhr Sonnenuntergang am Mirador (Aussichtspunkt) direkt vor unserer Haustür.

Einen erfolgreichen Schultag ließ sich am Besten bei einem frisch gezapften Bier oder einem Chilcano (Pisco mit Gingerale, keiner trinkt Pisco Sour) im Juanitos ausklingen lassen. Die kleine unscheinbare Kneipe direkt am Park in Barranco hatte es uns irgendwie angetan. Ein paar Tische mit Holzstühlen, helles Licht uns eine lange Theke. Hinter der Theke zapft einer der älteren Kneipenbesitzer das Bier, während der andere von großen Schinken Scheiben schneidet und diese liebevoll und mit Blick fürs Detail auf Brötchen drapiert. Mit viel gehackten Zwiebeln und etwas Aji (Chili) einfach das perfekte Schweinebrötchen!!

Ein Bier, ein Schweinbrötchen, noch ein Bier und noch ein Schweinebrötchen… und dann schnell ins Bett! Morgen ist ja wieder Schule und wir haben die Hausaufgaben noch nicht gemacht!