Startseite » Paraguay

 

Daten und Fakten

Reisedauer: 11 Tage, 18. März 2018 – 27. März 2018

Reiseroute: Villarica  Santa Rosa  Concepción  Filadelfia

Highlights: Highlights? In Paraguay? 🙂

 

Die Sonne brennt erbarmungslos bei über 40 Grad, Männer in Jeans und großen Hüten schlendern über staubige Straßen und verdecken mit groben Karohemden die Waffe, die sie sicherheitshalber immer griffbereit haben. Nein, wir befinden uns nicht in einem schlechten Western, sondern in Paraguay: dem wilden Westen Südamerikas!

Bevor wir nach Paraguay gereist sind, hatten wir überhaupt keine Vorstellung von Paraguay. Keiner von den anderen Reisenden, die wir in den letzten 6 Monaten kennen gelernt hatten, hatte sich in das kleine Land verirrt. Und auch nur wenige Südamerikaner konnten uns etwas von ihrem Nachbarland berichten. Die, die schon mal dort gewesen waren (hauptsächlich Nordargentinier und Brasilianer) meinten, sie würden nur kurz über die Grenze fahren, um dort billig einzukaufen, und dann schnell wieder zurück. Touristische Highlights konnte keiner benennen. Aber das wollten wir so nicht hinnehmen und dem kleinen Land zwischen Bolivien, Argentinien und Brasilien eine Chance geben. Schließlich hat jedes Land ein paar schöne Ecken und die wollten wir in Paraguay ausfindig machen. Normalerweise ist die erste Anlaufstelle in einem neuen Land meist die Hauptstadt. Im Falle von Paraguay wäre dies Asunción. Nach einigen großen Städten in Brasilien, war uns aber weniger nach Stadtleben und so verzichteten wir auf den Abstecher. Eine erste Anlaufstelle in Paraguay hatten wir trotzdem. Wir wollten nach Colonia (de Independencia). Colonia ist ja immer schön :). Außerdem wurde uns dieser Ort von einem netten und etwas verrückten Paraguayer empfohlen, den wir in einem Guesthouse in Uruguay kennen gelernt hatten. Tagelang hatte er von der deutschen Kolonie Colonia geschwärmt. Vor allem im Herbst wäre Colonia eineReise wert. In Colonia wird jedes Jahr das größte Oktoberfest von Südamerika gefeiert, das jedes Jahr mehrere Tausend Besucher aus Paraguay, Argentinien und Brasilianer anzieht. Das Oktoberfest würden wir zwar verpassen, aber Colonia war nur wenige Stunden von der brasilianischen Grenze entfernt und so ein passender erster Stopp im neuen Land.

Villarica / Colonia de Indepedencia

Bevor wir jedoch den Bus in Richtung Colonia nehmen konnten, mussten wir zunächst die Grenze von Foz de Iguazú (Brasilien) nach Ciudad del Este (Paraguay) überqueren. Tobi stand also im Grenzhäuschen auf der paraguayischen Seite vor dem Grenzbeamten. Er hatte grade noch mit seinem Handy brasilianisches Netz und verfolgte mit einem Auge das FC Spiel … als der FC gegen die verhassten Leverkusener das entscheidende Tor zum 2:0 schoss. Einen kleinen Freudenschrei konnte sich Tobi nicht verkneifen und der Grenzbeamte schaute etwas irritiert. Tobi erklärte ihm, dass seine Lieblingsmannschaft grade in Führung gegangen ist. Der fragte: „Colonia?“ Tobi bejahte, verwundert wie der Beamte das erraten konnte. Betrübte kramte der Grenzbeamte kurz in seiner Tasche und zog ein kleines weißes Zettelchen hervor und zeigte es Tobi: er hatte auf einen Sieg von Vizekusen gewettet.

Während in anderen Ländern an Grenzübergängen nur strenge Gesichter zu sehen sind, schien es in Paraguay also alles etwas lockerer zuzugehen. Erst einmal kein schlechtes Zeichen. Anstatt eine Nacht in Ciudad del Este zu verbringen, fuhren wir direkt weiter nach Villarica, dem nächst größeren Ort in der Nähe von Colonia de Indepedencia und weil wir schon nach Einbruch der Dunkelheit dort ankamen, suchten wir uns dort ein Hotel anstatt noch weiter nach Colonia zu fahren. Im Hotel erfuhren wir, dass die Gegend rund um Colonia, die Schönste der ganzen Region sei, dass es dort wohl wenige Unterkünfte gibt, aber dass mehrmals täglich ein Bus von Villarica nach Colonia fährt. Da wir ganz dringend Wäsche waschen musste, entschlossen wir uns diese in Villarica abzugeben und anstatt am nächsten Tag nach Colonia umzuziehen, einen Tagesausflug dorthin zu unternehmen. Das war im Nachhinein die goldrichtige Entscheidung, denn als wir mit dem klapprigen Büschen im „Zentrum“ ankamen, fanden wir dort… nichts. Eine staubige Straße, ein kleines Café und ein Shop. Sonst nichts.

Nach 20 Minuten hatten wir den Ort erkundet, mussten aber noch gut 3 Stunden auf den nächsten Bus zurück nach Villarica warten. Die Zeit haben wir uns damit vertrieben eine kleine Gruppe älterer Herrschaften am Nachbartisch des Cafés zu beobachten. Schon von Weitem hatten wir die Gruppe anhand der hellen Haut und den weißen Tennissocken in den Sandalen als Deutsche oder zumindest Deutschstämmige identifiziert. Und wie sie da so bei Kaffee und Kuchen saßen und über das Wetter und die Nachbarn schimpften, haben wir uns fast wie zu Hause gefühlt. Auch wenn in  Colonia also außerhalb des Oktoberfestes nicht viel los ist, hatten wir zumindest einige deutsche Koloniemitglieder sichten können. Und es sollte auch bei weitem nicht das letzte Mal gewesen sein,  dass wir in Paraguay auf Deutsch(stämmig)e getroffen sind.

Bereits am selben Abend wurden wir im Restaurant unseres Hotels von Andreas aus Köln-Porz angesprochen. Wir kamen ins Gespräch und teilten und einen Tisch. Andreas war ein gutes Beispiel dafür, dass viele Paraguayer und diejenigen die sich dafür entscheiden nach Paraguay auszuwandern etwas crazy sind. Hier ein paar interessante Informationen und Aussagen von Andreas, die diese Theorie unterstreichen:

  • „Ich bin nicht gewalttätig, aber durchaus gewaltbereit“
  • „Nach meiner Zeit bei der Fremdenlegion, war ich Türsteher in Köln; Spitzname Obelix.“
  • „Mit Waffen ist das so: besser eine haben und sie nicht brauchen, als eine zu brauchen und keine zu haben. Ich habe meine daher immer dabei.“
  • „In Paraguay habe ich mir einen Traum erfüllt; eine eigene Schießanlage!“ (die Einladung dorthin haben wir dankend abgelehnt)
  • „Ich halte mich prinzipiell nur an Gesetze, die ich auch verstehe.“
  • „Mir sollte einfach keiner krumm kommen. Einmal hat ein Typ behauptet, er sei mit meiner Frau verlobt. Da bin ich zu dem hin, hab ihm dreimal vor die Füße geschossen und dann war die Sache erledigt.“
  • „Meiner damaligen Frau in Deutschland habe ich immer gesagt, wenn die Kinder aus dem gröbsten raus sind, bin ich weg.“ (seine Tochter war 6)

Es war also insgesamt ein sehr „interessantes“ Gespräch mit Andreas und wir lernten, dass Waffenbesitz in Paraguay legal ist und man nur 5000 Euro auf dem Konto nachweisen muss, um eine permanente Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Und wenn wir in den Nordosten von Paraguay, in den sogenannten Chaco fahren wollten (was wir vorhatten), sollten wir auf jeden Fall ein Zelt und eine Waffe mitnehmen. Wir hatten keines von beiden. Bevor wir aber Richtung Chaco aufbrachen, wollten wir uns eins der Lonely-Planet-Top-Highlights anschauen, die Laguna Blanca.

Santa Rosa / Laguna Blanca

Die Laguna Blanca ist ein kleiner See der sich ca. 40 Minuten mit dem Bus nord-östlich des kleinen Ortes Santa Rosa befindet. Den Namen verdankt der See seinem weißen Sandstrand, der in den Ferien und am Wochenende Touristen zum Sonnen und Baden einlädt. Wir checkten also für zwei Nächte in ein nettes kleines Hotel ein und machten uns am nächsten Tag auf den Weg zur Laguna. Dort angekommen waren wir leider etwas enttäuscht vom Lonely-Planet Highlight. Wir waren weit und breit die einzigen Badegäste und außer ein paar Schmetterlinge konnten wir nichts Interessantes entdecken. Es war ein See mit einem kleinen Sandstrand.

Unsere „Highlights“ in Santa Rosa waren daher eher die Mitfahrgelegenheit eines sehr netten Paraguayers, der uns von der Laguna Blanca zurück ins Dorf nahm und die Churrasquaria (Grillrestaurant), in der wir abends bergeweise köstliches Fleisch vom Grill serviert bekamen. Und wir hatten zwei super süße Babykatzen im Hotel!

Concepción

Unser Weg Richtung bolivianische Grenze führte uns weiter ins Zentrum von Paraguay, in die Stadt Concepción. Concepción hat um die 80.000 Einwohner, ein paar Kirchen, weniger gut instand gehaltene Kolonialhäuser und liegt am Fluss Rio Paraguay.

Südlich von Concepción führt eine Brücke über den Rio Paraguay. Wer aber in der Nähe des Stadtzentrums den Fluss überqueren will, lässt sich mit einem kleinen Boot hinüber fahren. Einen dieser Bootsfahrer fragten wir, ob er uns für ein paar Euro für ein Stündchen den Fluss auf- und abfahren könnte. Und da man in Concepción sonst nicht viel machen kann, unternahmen wir also eine kleine Bootstour und man muss sagen, der Rio Paraguay ist zwar kein Südamerika-Highlight, aber es war ein schöner Ausflug.

Filadelfia

Wenn es ein Highlight in Paraguay für uns gab, dann wohl am ehesten unser Aufenthalt in Filadelfia. Der Ort Filadelfia liegt inmitten einer Savannenlandschaft, dem „Gran Chaco“, der sich über den Westen Paraguays bis hin nach Nordargentinien und Ostbolivien erstreckt. Im Sommer ist es im Chaco bis zu 50 Grad heiß und mit wenig Wasservorkommen ist der Chaco eine wohl die lebensfeindlichste Gegend in der Region. Bewohnt wird der Chaco zum einen von indianischen Stammesgruppen und zum anderen von deutschen Mennoniten und Russlandmennoniten. Die deutschsprachigen Mennoniten wanderten seit Ende des 18. Jahrhunderts aus Westpreußen in die heutige Ukraine aus, nachdem Zarin Katharina ihnen dort Land versprach. Unter Stalin wurden die Mennoniten jedoch enteignet und nach Sibirien zwangsumgesiedelt. Um dieser Umsiedlung zu entfliehen, wanderten viele Mennoniten nach Kanada und später auch nach Südamerika aus. Einige mennonitische Kolonien in Südamerika ähneln den Amisch und lehnen fortschrittliche Technologien teilweise ab. Zu diesen gehören die paraguayischen Mennoniten zwar nicht, trotzdem haben sie sich viele einige Traditionen bewahrt. So wird in den mennonitischen Familien zu Hause immer noch Plattdeutsch gesprochen. In der Schule lernen die mennonitischen Kinder aber natürlich auch Hochdeutsch und Spanisch. Und das macht Filadelfia zu einem sehr speziellem Ort.

Als große und blonde Menschen fallen wir ja sonst überall in Südamerika schnell auf. In Filadelfia hingegen scheint dieses Aussehen fast normal zu sein und überall wurden wir, wie selbstverständlich, auf hochdeutsch angesprochen. So kamen wir im Restaurant unserer Unterkunft auch schnell ins Gespräch mit den beiden Mennoniten Eduard und Viktor. Beide waren sehr nett, aber wie so oft in Paraguay auch wieder etwas verrückt. Beide besitzen natürlich, wie sich das für einen echten Paraguayer gehört, mehrere Waffen und Eduard geht in seiner Freizeit gerne Krokodile angeln. Er erklärte, dass die meisten Krokodilangler die Krokodile direkt erschießen, er würde sie aber immer erst mit der Angel rausholen und dann erschießen. Aha, wieder was gelernt.

Auch unser deutschsprachiger Hotelbesitzer war eher ein komischer Typ. Am hauseignen Grill (er machte wirklich hervorragende Rippchen von den eigenen Schweinen!) fragte er uns, ob Angela Merkel denn nun mit Hitler verwandt sei (??) um uns dann zu erklären, dass Hitler ja nicht nur Schlechtes getan hätte. Er hätte ja schließlich alle Homosexuellen erschießen lassen (!!). Weder dem einen noch dem anderen konnten wir zustimmen. Ein weiterer kleiner Schreck dann auf dem Gang des Hotels. Ein sehr betrunkener Paraguayer fragte uns, woher wir kommen würden und wir antworteten, dass wir aus Deutschland kommen. „Deutsche würden ja keine Probleme machen“, meinte er. Und wenn es Probleme gebe, dann wüsste er sich zu helfen, zog sein T-Shirt hoch und zeigte uns seine 30 Zentimeter lange Machete, die in seinem Gürtel steckte. „Nein, Deutsche machen keine Probleme“, bestätigten wir.

 

Aber zum Glück waren nicht alle Personen in unserem Hotel verrückt. Die meisten Hotelgäste waren paraguayische Arbeiter, die für mehrere Wochen im Chaco arbeiten, bevor sie für einen Heimatbesuch zurück in den Süden Paraguays fahren, denn die Gehälter im Chaco sind deutlich höher als im Rest von Paraguay. Und so lernten wir in unserem Hotel einen sehr netten spanischsprachigen paraguayischen Schreiner kennen, der uns am kommenden Tag in die Schreinerei zur Terere-Pause einlud (Terere ist das paraguayische Nationalgetränk: ein Mate aus verschiedenen Kräutern, der kalt anstatt heiß getrunken wird).

Nach dem Schreinereibesuch und einem Besuch im Heimatkundemuseum Fernheim hatten wir aber auch in Filadelfia alles gesehen und wir hatten das Bedürfnis weiter zu reisen.

Auch wenn wir in Paraguay einige verrückte und viele nette Paraguayer kennen gelernt haben, schien es in Paraguay tatsächlich keine besonderen touristischen Highlights zu geben und wir hatten das Gefühl, dass in Bolivien mehr auf uns wartete. Obwohl wir schon recht weit im Nordosten uns somit nah an der bolivianischen Grenze waren, schien es überhaupt nicht einfach zu sein, einen Bus dorthin zu bekommen. Es gab nur ein Busunternehmen, das diese Fahrt anbot, aber nur von Asunción nach Santa Cruz in Bolivien. Wir konnten über ein Busunternehmen zwar diesen Bus buchen, mussten aber an der Hauptverkehrsstraße um 2:30 in der Nacht warten, bis der Bus uns dort einsammelte. Die Hauptverkehrsstraße war aber 15 Kilometer von Filadelfia entfernt und es gab keine Taxis, die uns mitten in der Nacht dorthin hätten fahren können. Netterweise konnte uns aber unser verrückter Hotelbesitzer eine Mitfahrgelegenheit organisieren, leider aber schon um 10 Uhr abends. Das bedeutete für uns, mindestens 4 ½ Stunden mitten in der Nacht an der Hauptstraße stehen. Als wir an der Kreuzung ankamen, an der wir eingesammelt werden sollten, endeckten wir zum Glück einen kleinen Shop, an dem wir noch einen Kaffee trinken konnten. Wir waren jedoch nicht die einzigen Gäste. Außer uns suchte auch ein sturzbetrunkener Indio Unterschlupf in dem kleinen Shop. Genauso betrunken wir er war, war er auch lästig. Erst wollte er Geld und/oder mehr Alkohol, was wir ihm beides nicht gaben. Dann wollte er Wasser, das wir ihm gerne anboten. Aber damit gab er sich leider nicht zufrieden und hörte nicht auf uns zu belästigen. Nach einer Stunde machte auch noch der Shop zu, und als ob über 4 Stunden warten nicht schon schlimm genug war, hatten wir auch noch unseren betrunken Freund an der Backe. Wir hatten einfach schon so viele verrückte Menschen in den letzten zwei Wochen getroffen, dass wir uns einfach nicht sicher fühlten, vor allem weil die Stimmung bei Betrunkenen ja schnell von lustig zu aggressiv umschlagen konnte. Um 2 Uhr entschieden wir uns dazu, unseren Platz vor dem geschlossenen Shop gegen unseren Platz an der Straße einzutauschen und dann endlich machte sich auch der betrunkene Typ auf dem Heimweg. Nach weiten 1 ½ Stunden an der Straße, konnten wir um 3:30 Uhr endlich in den Bus nach Bolivien einsteigen. Der Bus hatte seine besten Tage zwar schon lange hinter sich, aber wir waren einfach froh, dass es endlich los ging.

Auf Grund der sehr schlechten Straßen im Chaco erreichten wir erst am späten Vormittag die bolivianische Grenze. Wir hatten bereits gelesen, dass diese Grenze eine sehr beliebte Drogenschmuggelroute ist. Wir wussten aber nicht, dass auch alle Busreisenden unter Generalverdacht gestellt werden. Wie im Film mussten wir alle den Bus verlassen und das gesamte Gepäck wurde ausgeladen. Alle Businsassen mussten sich mit ihrem Gepäck in einer Reihe aufstellen. Dann wurden die Drogenspürhunde geholt, die zunächst an allen Passagieren und dann im gesamten Bus auf Suche gingen. Anschließend wurde zusätzlich jedes Gepäckstück durchsucht und jeder Passagier befragt. Erst als sich alle Passagiere dieser Prozedur unterzogen hatten, und jeder seinen Aus- und Einreisestempel im Pass hatte, konnte die Fahrt fortgesetzt werden. Weitere 8 Stunden später erreichten wir endlich Santa Cruz in Bolivien.