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Daten und Fakten

Reisedauer: 16 Tage, 4. Oktober 2017 – 20. Oktober 2017

Reiseroute: Varadero Trinidad Santiago de Cuba Baracoa Havanna

Highlight: Baracoa (freundliche Menschen und Tour auf Tafelberg El Yunque)

 

Varadero

In Varadero haben wir nur zwei Tage verbracht. Endlich auf der großen Reise war uns noch nicht danach stundenlang am Strand zu liegen und da Varadero nur aus einem langem Sandstrand, teuren Hotels und Restaurants besteht, haben wir uns zusammen mit zwei netten Luxemburgern auf den Weg mit dem Bus nach Trinidad gemacht.

Trinidad

Trinidad ist ein sehr schön restauriertes Städtchen an der Südküste Kubas, berühmt für das Kopfsteinpflaster in der Altstadt (Vorsicht Stolpergefahr!!). Leider war die Stimmung an Tag 1 ziemlich im Keller nachdem wir im Supermarkt dreifach über den Tisch gezogen wurden. Zunächst kam uns der Preis an der Kasse recht hoch vor und auf Nachfrage was denn was kostet ist uns aufgefallen, dass man sich um 1 CUC „verrechnet“ hatte (Abzocke Nummer 1). Widerwillig drückte die Kassiererin uns ein Geldstück in die Hand. Erst draußen viel uns wieder ein, dass ja der Preis auch insgesamt recht hoch war und nach kurzer Recherche war klar: der Preis für alle gekauften Produkte war überhöht (Abzocke 2). Unseren hart zurück erkämpften CUC spendeten wir auf der Straße einem Bettler, der uns um einen CUC bat. Dieser beschwerte sich prompt und wies uns darauf hin, dass dies kein CUC (1 Dollar) sondern nur eine 3 Pesomünze war (ca. 12 Cent; Abzocke 3).

Mindestens genauso sehr wie über die Kassiererin im Supermarkt haben wir uns dabei aber über uns selbst geärgert. Nach unserer bisherigen Reiseerfahrung sollten wir es eigentlich besser wissen. Die Pesomünze haben wir behalten, sodass der aufgedruckten Ché uns immer wieder an die Regeln beim Einkauf in fremden Ländern erinnert:

  1. Kenne die Preise: am ersten Tag ist das oft schwierig, aber durch vergleichen der Preise und Nachfragen wird man schnell schlauer.
  2. Rechnung kontrollieren und Nachrechnen ob die Summe stimmt: auch ohne einen Vorsatz kann sich jeder mal verrechnen. Daher immer besser kontrollieren ob man nicht ein Getränk zuviel auf der Rechnung hat und ob die Summe stimmt.
  3. Wechselgeld kontrollieren: Wie unser Beispiel aus Trinidad zeigt, sollte man nicht nur schauen ob man genug Wechselgeld bekommt, sondern auch ob die Währung stimmt bzw. ob man Falschgeld zurück bekommen hat.

Santiago de Cuba

Mit dem Bus Viazul ging es bis weit in den Osten in die zweitgrößte Stadt Santiago de Cuba. Nach unserer Stadterkundung zu Fuß und gaben wir uns im Rummuseum der Stadt über die Herstellung der lokalen Köstlichkeiten informiert,Rumtasting inklusive. Abends haben wir uns von einem Schlepper in ein sehr nettes Restaurant mit Dachterrasse führen lassen und uns eine Languste gegönnt. Am Nachbartisch saß eine super nette Gruppe Amerikaner in Begleitung eines Kubaner, der sich uns in perfektem Deutsch als Eugenio vorstellte. Zusammen mit Fabian (einer der Amerikaner), Eugenio und Co. ging es dann noch weiter in die „Casa de las Tradiciones“. Es ist wie meistens in Kuba eher eine Bar für Touristen als für Kubaner, aber die Liveband war sehr gut und so haben wir den Abend in netter Gesellschaft, mit leckeren Mojitos und gefälschten Zigaretten ausklingen lassen.

Dieser Abend war äußerst prägend für unsere gesamte Kubareise, denn Tobi ist auf den Geschmack von Zigaretten gekommen. Außerdem haben wir Eugenio kennen gelernt und  da Eugenio zufällig zur gleichen Zeit wie wir nach Havanna fahren wollte, haben wir uns gefreut ihn dort bald wieder zu treffen. „Der liebe Eugenio, Rum aus Santiago de Cuba und gefälschte Zigaretten“ ist aber eine andere Geschichte. Hierzu später mehr. Erstmal ging es weiter nach Baracoa.

Baracoa

Baracoa war definitiv der Ort, der uns auf Kuba am besten gefallen hat. Vor allem, weil wir das Gefühl hatten, dort Menschen getroffen zu haben, die wirklich aufrichtig nett und freundlich waren. Dazu muss man sagen, dass alle Kubaner sehr nett und hilfsbereit sind, jedoch eher um kurz darauf nach einen CUC zu fragen. Wir hatten bei Manuel und seiner Familie eine sehr nette Casa Particular, in der wir morgens mit einem sehr reichlichen Frühstück, leckerem Kaffee und heißem Kakao und Nachmittags mit selbstgemachter Limonade verwöhnt wurden. Zur Familie gehörte außerdem der sprechende 16 Jahre alte Papagei Cocorita.

Am ersten Abend haben wir auch die erste und einzige lokale Party gefunden. Eine kleine Gasse, Liveband, Rum und schon tanzt das ganze Dorf auf der Straße.

Am selben Abend haben wir auch Alberto kennen gelernt. Alberto ist eigentlich Lehrer, aber da man in der Tourismusbranche mehr Geld verdienen kann, arbeitet Alberto lieber für eine Touristenbar. Alberto sprach nicht nur sehr gut Englisch sondern auch sehr gut Deutsch. Von der ersten Minute an hatten wir zu Alberto irgendwie eine freundschaftliche Verbindung. Ihm ging es anscheinend genauso, denn als wir uns verabschiedeten lud uns Alberto zu seinem Geburtstag ein. Und so saßen wir am nächsten Tag mit der gesamten Familie bei Alberto bei Nudelsalat, Kuchen und einigen Gläsern Rum. Auch die nächsten Abende verbrachten wir mit Alberto, quatschten über Kuba, Deutschland und die Welt, wir brachten ihm die Details der deutschen Grammatik bei und er half uns unser gebrochenes Spanisch aufzubessern.

Zu den netten Leuten in Baracoa gehört außerdem der etwas verrückte und eigentlich immer betrunkenen „Hakuna Matata“, benannt nach seinem riesigen Tatoo auf der Brust. Betrunken uns freundlich schenkte er Tobi jeden Abend eine Zigarre, manchmal sogar zwei.

Zugegeben ist das Stadtbild von Baracoa nicht das allerschönste. Anders als wir es uns erhofft hatten, gibt es auch in Baracoa keinen wirklich schönen Strand. Außerdem wurde der Ort sehr stark von dem Hurricane „Mathew“ im Jahr 2016 getroffen. Viele Häuser wurden zerstört und auch die Kakao- und Kokosplantagen, Haupteinnahmequelle der Region, wurden schwer getroffen. Die Zerstörung sieht man besonders am Baseballstadion der Stadt, dass als riesige Ruine am Stadtrand steht, aber immer noch von der lokalen Jugend als Sportplatz dient.

Läuft man am Baseballstadion vorbei in südwestlicher Richtung weiter kann man sich mit einem kleinen Boot über den Fluss in ein kleines Fischerdörfchen. Am Ende Straße kann man für einen geringen Eintrittspreis links zum „Playa Blanca“ (Ja, er ist weiß, aber sehr klein und auf Grund der Felsen kann man leider nicht baden gehen). Am Eingangshäuschen kann man aber auch rechts der Straße den Berg hinauf folgen. Oben auf dem Berg steht das Haus eines Plantagenbesitzers der uns freundlich hinein gebeten und uns zum Aussichtspunkt geführt hat. Von dort aus hat man einen tollen Blick über die gesamte Bucht!

Ein weiteres Highlight unserer Zeit in Baracoa war unsere Besteigung des „El Yunque“. El Yunque ist der nahegelegene Tafelberg ca. 10 Kilometer nordöstlich der Stadt. Anstatt uns ein Taxi für die Strecke zu besorgen haben wir uns Fahrräder ausgeliehen und sind zum Fuße des Berges geradelt.

Für die Besteigung muss man Eintritt zahlen und ein Guide ist Pflicht. Mit unserem Guide Emanuel hatten wir riesiges Glück. Während wir keuchend und schwitzend bei über 30 Grad langsam die 575 Meter zum Gipfel stapften, erklärte Emanuel uns jeden Baum und jede Pflanze. Flink sprang der über 50 jährige vor uns her, fing hier mal eine Schlange oder suchte im Gebüsch nach Raupen und Tausendfüßlern, die er uns stolz präsentierte. Selbst den Nationalvogel Kubas, den Tocororo haben wir gesehen. Insgesamt war der Ausflug auf den „Yunque“ also ein absolutes Highlight uns nach einer Abkühlung glasklaren Bergfluss sind wir beseelt zurück in die Casa geradelt.

Wer von der vielfältigen Flora und Fauna der Region noch nicht genug hat, kann noch weiter nordöstlich von Baracoa im Humboldt-Nationalpark noch weitere geführte Wanderungen machen. Nach unserem anstrengenden Marsch des Vortages haben wir uns dort für eine Bootstour entschieden, einmal mit dem Ruderboot rund um die Bucht des Nationalparks. Auch sehr schön, aber neben ein paar Krebsen in den Mangroven konnten wir an diesem Tag nicht viel entdecken.

Baracoa ist also definitiv ein Ort an dem wir gerne noch länger geblieben wären. Da wir aber noch genug Zeit für Havanna haben wollten, ging es in einer 18 Stunden Busfahrt einmal quer über die Insel.

Havanna

4 Uhr morgens, Ankunft am Busbahnhof in Havanna. Am Busbahnhof wartete schon das ein oder andere Taxi darauf, die ankommenden Touristen für überteuerte Preise in die Innenstadt zu fahren. Budgetbewusst haben wir uns dazu entschieden, lieber eine Stunde auf den lokalen Bus zu warten. Eine gute Entscheidung, denn sie zeigte uns doch mal wieder, wie herzlich und freundlich viele Kubaner sind. Verunsichert welcher Bus nun der richtige ist und wann und wo wir umsteigen mussten, hatten wir das Glück jemanden zu treffen der zufällig auch in die Altstadt wollte. Und anstatt uns nur auf den richtigen Bus und die richtige Haltestelle hinzuweisen, wurde sogar das Busticket für uns bezahlt. Auch nach mehrfachen bitten, wollte der hilfsbereite Kubaner kein Geld von uns annehmen. Auch das ist Kuba!

Die Altstadt von Havanna ist sehr schön restauriert und man kann Stunden und Tage damit verbringen sich durch die kleinen Gässchen der Altstadt treiben zu lassen. Ein weiterer schöner Zeitvertreib ist es sich an den Malecón (Strandpromenande) zu setzen und die vorbeifahrenden, auf Hochglanz polierten Oldtimer zu beobachten (und in Tobis Fall tausendfach zu fotografieren J). In der Altstadt findet man auch überall schicke Restaurant und Bars voller anderer Touristen. Kubaner findet man auch hier nur auf der anderen Seite des Tresens, denn die gehobenen Preise könnte sich ein Kubaner nie leisten.

Wenn Kubaner auswärts Essen dann eins… Pizza! Hätten wir auch nicht gedacht, aber es gibt an jeder Ecke Pizza für umgerechnet 40 Cents. Und so wurde auch Pizza für uns zu einer unserer Hauptnahrungsmittel.

Ja und was haben wir sonst so in Havanna gemacht? Uns mit unserem Kumpel Eugenio getroffen, den wir in Santiago kennen gelernt haben. Direkt am ersten Tag haben wir ihn angerufen und uns mit ihm am Plaza Vieja verabredet. Er kam mit seiner Exfrau und seinen kleinen Tochter vorbei. Stolz berichtete er von seinem Besuch in der deutschen Botschaft. Endlich hatte er eine mehr oder weniger feste Zusage für sein Visum in Deutschland und er zeigte uns seine schriftliche Bescheinigung über die Visagebühr. Eugenio wollte nämlich in Deutschland eine Ausbildung in der Gastronomie machen und über einen Kumpel aus Deutschland hatte er hierfür bereits eine Zusage. Auf die guten Nachrichten gab’s erstmal ein Bierchen. Eins haben wir ausgegeben, danach schmiss Eugenio noch eine Runde bei sich zu Hause bzw. in der Wohnung seiner Exfrau. Tobi und Eugenio teilten ihre Leidenschaft für Zigarren und rauchten die ein oder andere Monte Christo. Auf dem Weg zu einer richtig guten deutsch-kubanischen Freundschaft verabredeten wir uns für den nächsten Tag. Wir hatten wieder eine super Zeit und lernten von Eugenio viel über Land und Leute. Wir wiederum erzählten viel über Deutschland und gaben ihm Tipps für seinen Aufenthalt und Ausbildung in Deutschland. Außerdem hatten wir jemanden der sich mit Rum und Zigarren auskannte, denn wir wollten einem Freund einen guten Tropfen mitbringen. Eugenio bat uns an, eine Flasche Santiago de Cuba (7 años) zu besorgen, den er sogar etwas günstiger als im Supermarkt in der Altstadt bekommen könnte. Voll gut! Leider musste Eugenio früher los, weil er noch Zigarren für einen Freund in Deutschland besorgen wollte. Er kennt nämlich jemanden der für die Zigarrenfabrik arbeitet und kommt so deutlich günstiger an „Cohibas“ und „Monte Christo“. Tobi kriegte direkt leuchtende Augen und fragte verlegen, ob es vielleicht möglich wäre, ihm auch eine Kiste mitzubringen. 100 anstatt 500 Dollar für Cohiba Esplendidos war einfach ein absolutes Schnäppchen. Versprechen konnte Eugenio nichts, aber er wollte es probieren. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag zum Abendessen.

Und so trafen wir uns auch am nächsten Tag wieder und Tobi konnte überglücklich seine große Kiste Cohiba Zigarren entgegen nehmen. Eine wunderschöne Holzkiste in der aufgereiht 25 dicke Zigarren lagen. Zusammen mit seiner Exfrau und der kleinen Tochter gingen wir dann noch sehr lecker Essen. Eugenio wollte uns gerne in ein lokales Restaurant einladen. Wir hatten irgendwie ein schlechtes Gewissen uns einladen zu lassen, aber Eugenio bestand darauf und da es sich tatsächlich um ein lokales Restaurant mit lokalen Preisen handelte (CUP anstatt CUC Preise, hieß ungefähr 1 Dollar pro Hauptgericht), ließen wir uns überreden. Das Essen war wirklich das Beste kubanische Essen, das wir bis dahin hatten. Aber irgendwie war die Stimmung während des Essens nicht mehr so herzlich wie in den letzten Tagen zuvor. Eugenios Exfrau sprach kaum ein Wort und wirkte irgendwie etwas genervt vom gemeinsamen Abendessen. Und kurz nachdem die Rechnung bezahlt war, verabschiedete sich die Familie eilig. Sie müssten nun schnell los noch „Milch fürs Baby“ kaufen. Kein Problem. Da Eugenio auch am nächsten Tag keine Zeit hatte, verabredeten wir uns für den übernächsten Abend, um vor unserem Abflug noch ein Abschiedsbierchen zu trinken.

Gedankenversunken schlenderten wir nach Hause. Irgendwie lies uns die komische Stimmung des Abends nicht mehr los. Irgendwas fühlte sich komisch an. Auch das mit der „Milch fürs Baby“. Es war ja schon spät abends und alle Geschäfte eigentlich schon geschlossen. Außerdem hatten wir dieses „Mich fürs Baby“ immer nur von Leuten als Ausrede gehört, die uns um einen CUC baten. Zu Hause angekommen brachte einer von uns das komische Gefühl zur Sprache: „Meinst du wir wurden verarscht?“ Und als der Gedanke einmal ausgesprochen war, ließ er uns nicht mehr los. Wir wollten es nicht glauben, denn Eugenio war in den letzten Tagen zu einem guten Freund geworden. Immer und immer wieder gingen wir die Gespräche der letzten Tage durch und mehr und mehr Zweifel bekamen wir an dem, was Eugenio uns erzählt hatte. Warum sollte zum Beispiel ein ca. 30 Jahre alter Kubaner ein Visum für eine Ausbildung in Deutschland bekommen? Und dann natürlich die Sache mit den Zigarren. Überall hatten wir die Warnungen gelesen und gehört, dass man echte Cohibas nur im offiziellen Laden und eben zu offiziellen Preisen bekam. Am nächsten Tag machte Tobi zunächst den Geschmackstest. Die Zigarre brannte nicht nur schlecht sondern schmeckte auch bei weitem nicht so, wie man sich die besten Zigarren der Welt vorstellt. Mit einer Liste für Anzeichen für Fälschungen nahmen wir danach eine Zigarre komplett auseinander. Noch mehr Zweifel. Spätestens der Vergleich im offiziellen Tabakladen brachte die sichere Erkenntnis. Die Zigarren waren gefälscht.

Wir konnten uns aber immer noch nicht vorstellen, dass wir uns in Eugenio so getäuscht haben sollten. Vielleicht wurde er ja auch selbst von seinem Bekannten übers Ohr gehauen. Daher war der Plan erst einmal mit Eugenio zu sprechen bevor wir ihn vorverurteilten. Also nahmen wir den Hörer in die Hand und… Handy aus. Schlechtes Zeichen. Auch nach mehrfachen Versuchen war niemand unter der Nummer zu erreichen. Glücklicherweise kannten wir aber ja die Adresse von Eugenios Exfrau und so entschieden wir uns für einen persönlichen Besuch. Wir wurden auch freundlich wie zuvor empfangen. Leider aber mit schlechten Nachrichten. Eugenio hätte bereits am Morgen den Bus in seine Heimatstadt genommen und eine andere Telefonnummer hätte sie leider auch nicht. Noch ein schlechtes Zeichen.

Aber sie hätte noch die Flasche Rum, die Euegnio für uns besorgt hatte. Wir nahmen den Rum entgegen und gingen wieder zurück in unsere Casa. Anstatt eines „Santiago de Cuba Rum- 7 años“ für 20 Dollar (natürlich vorab gezahlt), hatten wir eine Flasche Santioago de Cuba-añego für 7 Dollar in der Hand. Also auch mit dem Rum wurden wir verarscht und nachdem das Handy aus und Eugenio übereilt abgereist war, hatten wir alle Hoffnung aufgebeben, dass es sich vielleicht doch alles nur um ein großes Missverständnis handeln könnte.

Schwer in Worte zu fassen, wie wir uns gefühlt haben. Es ging uns weniger darum, dass wir 100 Dollar verloren hatten, als viel mehr darum, dass unsere eigentlich gute Menschenkenntnis anscheinend absolut versagt hatte. Wir können es immer noch nicht glauben, wie gut und still und heimlich Eugenio unser Vertrauen erschlichen hatte. Natürlich war es auch dumm und naiv von uns auf ihn herein zu fallen und vielleicht waren wir auch einfach zu gutgläubig. Wir haben uns lange gefragt, wie wir in Zukunft damit umgehen sollen? Immer misstrauisch sein? Niemandem mehr vertrauen? Aber grade auf einer solchen Reise wie wir sie vorhaben, müssen und wollen wir anderen Menschen Vertrauen schenken. Das ist ein großer Teil der Erfahrungen, die wir sammeln wollen. Denn nur wenn man mit Menschen in Kontakt tritt und offen ist, kann man fremde Länder und Kulturen kennen und verstehen lernen.

Und irgendwie hatten wir sogar Verständnis dafür, dass der Reiz groß ist, durch einen kleinen Betrug hier und da den ein oder anderen CUC dazu zu verdienen. Wir haben viele sehr gut ausgebildete Menschen kennen gelernt, die anstatt als Lehrer, Ingenieure oder Ärzte zu arbeiten, lieber Taxi fahren oder Kellnern. Denn nur der Tourismus bietet den Leuten eine Chance mehr als ein minimales Grundeinkommen zu verdienen. Eine Anwältin auf einer Busfahrt erklärte uns frustriert, dass es egal sei, ob sie nun fleißig sei und viel arbeitete oder besonders gut arbeitete. Der Lohn wäre immer gleich. Wenn ich dann die vielen Touristen sehen würde, denen ein CUC mehr oder weniger nicht weh tut, obwohl ein CUC ein riesiger zuverdienst zu meinem minimalen Monatslohn ist, würde ich vielleicht auch in die Versuchung kommen, einen legalen oder auch illegalen Weg zu finden, an den ein oder anderen CUC zu kommen.

Bei allem Verständnis, wollten wir die Sache aber trotzdem nicht so einfach nicht auf uns sitzen lassen. Aber was tun? Seiner Exfrau mit der Polizei drohen? Wahrscheinlich keine gute Idee. Wer konnte schon wissen, ob wir dann nicht von anderer Seite richtig Ärger bekommen. Und dann viel uns auf einmal wieder Fabian ein. Fabian der Amerikaner aus Santiago de Cuba. Fabian, der Eugenio bereits seit Jahren finanziell unterstütze. Fabian, der wahrscheinlich nicht wissen sollte, dass Eugenio nebenher andere Touris übers Ohr haut. Fabian, mit dem wir leider NICHT Nummern oder Facebook ausgetauscht hatten. Aber das wusste ja Eugenio nicht. Daher probierten wir weiterhin Eugenio auf dem Handy zu erreichen und irgendwann war das Handy wieder an und er ging ran. Wir waren freundlich wie immer und ließen uns nichts anmerken. „Hey Eugenio, schön, dass wir dich erreichen. Du mit den Zigarren. Irgendwie schmecken die uns nicht so richtig. Können wir die vielleicht zurückgeben? Gut das wir dich endlich erreichen. Wir wollten schon FABIAN kontaktieren, um zu fragen, wie wir dich erreichen können.“ Nervöses stottern auf der anderen Seite: „Fabian hat damit nichts zu tun!“ Auch Eugenio blieb freundlich und spielte das Spiel weiter. Wir könnten die Zigarren ja mit nach Deutschland nehmen und dort an einen anderen Freund von ihm weiter verkaufen. Keine gute Idee, wie wir fanden. Wir fragten nach einer anderen Lösung und schlugen vor, dass wir die Zigarren lieber seinem Kumpel aus der Zigarrenfabrik zurückgeben. Das ginge aber nicht, da dieser für mehrere Tage nicht in der Stadt sei. Wir fragten, ob es nicht möglich wäre, die Zigarren seiner Exfrau zu geben. Auch das wäre schwierig, da seine Exfrau nicht genug Geld hätte, um es uns zurück zu zahlen. Nochmal betonten wir, dass es uns sehr am Herzen liegen würde, die Zigarren noch vor unserem Abflug am nächsten Tag zurück zu geben. Er versicherte uns nach einer Lösung zu suchen und uns am selben Abend noch anzurufen. Darauf folgte langes und banges Warten. Und Unsicherheit, ob Eugenio sich überhaupt noch einmal melden würde. Aber er rief tatsächlich an und schlug unser folgenden Deal vor. Leider hätte er nur 75 CUC (Dollar), die er über Nacht mit dem Bus nach Havanna schicken könnte. Wir könnten uns dann am nächsten Tag um 10 Uhr in der Nähe vom Plaza Vieja mit seiner Exfrau treffen und die Zigarren gegen die 75 CUC eintauschen. Wir willigten ein. 75 CUC waren schließlich besser als nichts.

Nächster Tag, 10 Uhr, in der Nähe des Plaza Vieja. Keiner da. 10:15 Uhr, keiner da. 10:30 Uhr, immer noch nichts. Um 10:45 Uhr kam sie endlich mit einem Fahrradtaxi angefahren. Und alles klappte wie abgesprochen. Geld wurde gegen Ware getauscht und wir waren zwar um 25 Dollar und 24 Zigarren ärmer (eine wurde ja zu Testzwecken geruacht), aber um einiges an Erfahrungen reicher. Unser Plan zu bluffen und zu behaupten, wir ständen in Kontakt zu seiner Finanzspritze Fabian und so Fabian als Druckmittel einzusetzen, war tatsächlich aufgegangen.

Anders als ursprünglich geplant gönnten wir uns dann doch ein Taxi zum Flughafen. Mit Rum und einer Monte Christo (ein Geschenk von Eugenio J) machten wir es uns auf der Rückbank des alten Oltimers bequem und freuten uns darauf Kuba endlich zu verlassen! Wir hatten durchaus auch viele schöne Momente, aber die Unsicherheit, nie zu wissen, ob oder wie man grade über den Tisch gezogen wird, überwiegt in unserer Erinnerung. Daher wird es für uns so schnell keine weitere Reise nach Kuba geben. Wir wünschen aber den wahrscheinlich 99%, der aufrichtigen, herzlichen und hilfsbereiten Kubanern, alles erdenklich Gute für die Zukunft!!