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Daten und Fakten

Reisedauer:  49 Tage, 2. Dezember 2019 – 20. Januar 2020

Reiseroute: Mumbai  Vagator  Agonda  Palolem  Patnem  Agonda  Alleppey  Varkala  Kochi  Munnar

Highlights: Beach, Beach, Beach

Mumbai

Unser erstes Mal Indien. Schon seit über 10 Jahren freuen wir uns darauf, durch Indien zu reisen. Uns wurde schon oft berichtet, dass eine Indienreise super schön, super intensiv und super anstrengend sein kann. Deshalb war uns immer klar, dass, wenn wir nach Indien reisen, dann nur mit viel Zeit. Wer nun an dieser Stelle einen unendlich langen Reisebericht erwartet, mit detaillierten Beschreibungen von hinduistischen Tempelanlagen, spannenden Reiseabenteuern, und atemberaubenden Begegnungen, den muss ich leider enttäuschen. Denn nach einem intensiven Reisemonat im Iran, war uns einfach nicht besonders nach Sightseeing und kulturellem Austausch. Daher haben wir uns auch nicht lange in Mumbai aufgehalten und sind schon nach wenigen Tagen weiter nach Goa gefahren. Eigentlich lieben wir große Städte, aber irgendwie waren wir zu diesem Zeitpunkt nicht in der Stimmung für Mumbai. Es war nicht so, dass uns Mumbai durch das wuselige Treiben auf der Straße, die Lautstäke und den dichten Verkehr, einen besonderen Kulturschock verpasst hätte. Da wir schon viel Zeit in anderen südostasiatischen Großstädten verbracht hatten, war die Eingewöhnung weniger schwierig als gedacht.

Das Problem war viel mehr, dass wir einfach keine große Lust auf Stadt hatten. Nach zwei Tagen, an denen wir uns ein wenig durch die Stadt haben treiben lassen, machten wir uns auf den Weg nach Goa.

Ohne viel zu recherchieren, machten wir es uns einfach und folgten der Hostelempfehlung von Julien, einem Hamburger, den wir in unserem Hostel in Mumbai kennen gelernt hatten. Die Reise von Mumbai nach Goa war auch schnell organisiert. Pete, ein anderer Typ aus unserem Hostel, wollte auch nach Goa, war schon seit einigen Wochen in Indien unterwegs, kannte sich aus und buchte uns die Bustickets. Wir haben uns das Reisen in Indien immer sooo anstrengend und unbequem vorgestellt. Vielleicht hatten wir einfach nur Glück, aber unserer erste Busreise in Indien war wahrscheinlich die bequemste unserer gesamten Reise. Wir hatten tatsächlich ein bequemes Doppelbett im Bus!

Vagator

Vor unserer Zeit in Goa, hatten wir extrem große Vorurteile gegenüber diesem Staat im Südwesten Indiens. Wir dachten an sehr inspirierte Menschen, die den ganzen Tag Yoga machen, in Batiktücher gehüllt am Strand tanzen, die Sonne und den Mond anbeten und natürlich ganz viel LSD nehmen.

Nicht, dass das irgendwie schlecht wäre, aber wir hatten Sorge, dass wir zu viel oder zu wenig akzeptiert und integriert würden und dass das ganze Goa-Ding einfach nicht unseres ist. Der Ursprung unserer negativen Voruteile liegt wahrscheinlich auch daran, dass wir zu Hause äußerst ungern auf Goa-Partys gehen. Die anstrengende Trance Mucke ist einfach nichts für uns. Trance Partys findet man besonders in Nord-Goa zwar viele, aber man muss ja nicht hingehen. Goa ist so groß, dass jeder das fleckchen Strand findet, das ihm gefällt. In Vagator hat es schon so gut gefallen, dass wir anstatt nur 3 Nächte zu bleiben, für über eine Woche geblieben sind. Wir hatten einen schönen Strand in der Nähe und wohnten in einem sehr coolen Hostel mit sehr vielen netten Leuten.

In der Chill-Area des Hostels, das aus mehreren, aus Europalletten gebauten, Sofas bestand, die sich in zwei langen Reihen gegenüber standen und in deren Mitte nur von einer Reihe Wohnzimmertische getrennt waren. Der perfekte Ort um Leute kennen zu lernen. Eines Abends saßen wir dort bei einem Bierchen zusammen mit Ani. Ani ist Inder, lebt aber schon seit vielen Jahren in Mannheim. Er ist so gut „integriert“, dass es einfach nur herrlich war ihm dabei zuzuhören, wie er sich über die Nachteile des guten Lebens in Deutschland aufregte (Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn, Steuererklärung, Behördengänge, etc.). Das Leben in Deutschland ist aber natürlich nicht nur schlecht und wir waren uns schnell einig, dass es nichts Schöneres gibt, als ein Festival Sommer in Deutschland. Dabei fiel uns auf, dass genau an diesem Abend der Anmeldeschluss für die Fusion-Tickets ablaufen würde. Und so meldeten wir uns in letzter Minute als Rudel „super geile Goa-Gruppe“ für die Verlosung an.

P.s. Natürlich haben wir gewonnen und fahren schon ganz bald zusammen auf die Fuison!! Freuen und schon mega, auf dieses ganz besondere Goa Revival!

Agonda

Einfach keine großen Pläne machen und uns treiben lassen. „Go with the flow“. Das haben wir uns nicht vorgenommen und entspricht normalerweise nicht unbedingt unserer Natur, aber das scheint in Indien gut zu funktionieren. So endeten wir auf Empfehlung an einem wunderschönen Strand in Süd-Goa. Wir hatten ein sehr einfaches kleines Hüttchen direkt am Wasser, Kühe die den Strand entlang spazierten und eine sehr nette Beach Bar direkt nebenan. Ein wunderschöner Happy Place!

Palolem

Nur wenige Kilometer weiter südlich nisteten wir uns für ein paar weitere Tage am Strand ein. Diesmal hatten wir zwar keinen Bungalow direkt am Strand, aber dafür ein wenig Luxus nachdem unsere letzte Unterkunft sehr, sehr basic bzw. ziemlich heruntergekommen war. Nette Gesellschaft hatten wir auch, denn wir trafen in Palolem wieder auf Julien, der mittlerweile Besuch von seiner Freundin bekommen hatte und mit ihr die Vorweihnachtszeit in Süd-Goa verbrachte. Der Strand von Palolem befindet sich in einer wirklich sehr schönen Bucht. Leider ist der Strand aber sehr eng mit Bungalowanlagen und Restaurants bebaut und auf dem Sand steht Liege an Liege. Wir hatten auch hier eine gute Zeit, zogen aber nach ein paar Tagen einen Strand weiter, nach Patnem.

Patnem

In Patnem wohnten wir in einem super schönen kleinen Holzbungalow mit Meerblick. Das Häuschen war zwar sehr einfach aber die Besitzer und der Manager Santu hatten die Anlage mit so vielen kleinen, liebevollen Details eingerichtet, dass man sich sofort wohl fühlen musste. Weiße Tücher hielten die Sonne und somit die Nachmittagshitze fern, es gab natürlich eine Hängematte und bequeme Stühle auf der Terrasse, einen kleinen Vorgarten mit Pflanzen, für uns organisierte er noch einen Wasserkocher und eine Katze gab es auch noch.

Der Strand in Patnem ist deutlich ruhiger als der in Palolem, der Vibe ist familiär und entspannt und es gibt einige nette kleine Bars und Restaurants. Wir hätten dort sicher noch einige Nächte mehr verbringen können, aber Weihnachten nahte und alles war entweder ausgebucht oder viel zu überteuert. Wir dachten schon, wir müssten den Strand verlassen, da meldeten die Betreiber der Bar in Agonda, neben der wir einige Nächte gewohnt hatten. Ravi kommt ursprünglich aus Hampi und hat dort vor zwei Jahren die Backpackerin Imy kennen und lieben gelernt. Gemeinsam sind sie vor einigen Monaten nach Goa gezogen und betreiben seit dieser Saison die kleine Strandbar Piccolo.  Wir hatten uns mit den Beiden super gut verstanden und als sie hörten, dass wir gerne noch länger in Goa bleiben würden, boten sie uns an das leer stehende Zimmer in ihrer Wohnung zu mieten. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen und fuhren kurz vor Weihnachten zurück nach Agonda.

Agonda

Die Wohnung lag ca. 10 Minuten zu Fuß entfernt vom Strand, auf einem Hügel im hinteren Teil des Dorfes. Wir hatten ein schönes Zimmer, ein eigenes Bad, eine große Terrasse und eine Katze. Also alles was wir brauchten, um uns wie zu Hause zu fühlen.

 

Weit weg von zu Hause verbrachten wir ein wunderschönes Weihnachtsfest mit Imy, Ravi und einigen anderen Dauergästen der Piccolo Bar. An der langen Bambusbar mit den unglaublich unbequemen Barhockern, war spätestens zum Sunset Andy anzutreffen. Andy war immer begleitet von Hund Sandy und kurz nach Weihnachten kam seine Frau Jules nach Goa. Kim und Ian, die mindestens über den Winter in Indien bleiben wollten, waren ebenfalls Stammgäste. Außerdem gesellten sich immer mal wieder der Yogalehrer Shiva hinzu, der Grieche Tony, der sich in der lokalen Zahnklinik die Zähne neu machen ließ, weitere Gäste aus den benachbarten Bungalowanlagen und natürlich Imy’s Mom, die für einige Wochen ihre Tochter in Goa besuchte. Eine wirklich lustige Runde und ein perfektes Ersatz Zuhause für die Feiertage.

Schon nach kurzer Zeit kannten wir viele Dorfbewohner vom sehen und würden von Shopbesitzern und Nachbarn gegrüßt, als würden wir schon seit Jahren in Agonda wohnen. Wir kannten jede Kuh, die in den Abendstunden vom Strand durchs Dorf liefen und hatten unsere kleinen Routinen des Tages. Eigentlich wollten wir vor Silvester abreisen und hatten bereits den Bus nach und das Hostel in Bangalore gebucht. In letzter Sekunde cancelten wir beides und blieben. Die beste Entscheidung, denn es war eines der schönsten Silvester unseres Lebens. Eine kleine Party im Kreise von vielen bekannten Gesichtern, Kim spielte ein kleines Konzert und später legte Andy auf. Mit nackten Füßen wurde im Sand getanzt und um 12 gab es ein wunderschönes Feuerwerk am Strand. Es war so schön, dass selbst ICH das Feuerwerk genießen konnte.

Mein Geburtstag verlief ähnlich schön und von Tag zu Tag fiel es uns schwerer uns vorzustellen, dass wir überhaupt irgendwann abreisen sollten. Es folgten zwei weitere gecancelte Zugtickets aber irgendwann saßen wir tatsächlich im Nachtzug nach Kerala.

Alleppey

Wir konnten es selbst kaum glauben, aber nach über einem Monat hatten wir Goa tatsächlich verlassen. Am Strand blieben wir trotzdem. Alleppey ist aber nicht für seinen Strand bekannt, sondern für die sogenannten Backwaters. Die Backwaters sind ein 1900 km2 großes Wasserstraßennetzwerk bestehend aus 29 größeren Seen und Lagunen, 44 Flüssen und Kanälen. Schon seit Jahrhunderten sind die Backwaters von größer Bedeutung für Handel und Verkehr, und an den Ufern der Seen und Flüsse sieht man Felder und Dörfer.

Als Tourist kann man auf einem der vielen Hausboote wohnen oder sich von Ausflugsbooten durch die Kanäle schippern lassen. Oder man nimmt einfach die öffentliche Fähre von Alleppey nach Kottayam. Die nimmt eine ähnliche Route wie die Ausflugsboote, aber man legt zudem noch an mehreren Anlegestellen an und kann den Bewohnern und Händlern bei ihrer täglichen Arbeit zusehen. Ein wirklich schöner Tagesausflug mit einer überraschenden Begegnung. An der Bootsanlegestelle in Alleppey traf Tobi zufällig auf Thomas, den er aus Köln kannte. Sie waren viele Jahre zusammen im selben Boxclub gewesen. Bevor wir auf unterschiedliche Boote stiegen, verabredeten wir uns auf ein Abendessen in Varkala.

Varkala

Varkala ist wirklich ein besonders schöner Ort, denn er liegt malerisch oberhalb von steilen Klippen. Von dort schaut man auf einen kleine Bucht mit Sandstrand und die Weiten des arabischen Meers. Wir trafen uns mit Thomas und seiner Freundin zum Abendessen und spazierten an den nächsten Tagen entlang der Klippen, den Strand entlang und durch das kleine Städtchen. Es war zwar alles sehr schön, aber irgendwie kamen wir nicht wieder in dieselbe Goa-Stimmung, und immer wieder vermissten wir unser kleines Zuhause in Agonda.

Kochi

Die Altstadt von Fort Kochi besteht aus vielen kleinen Boutiquen, netten Cafés und Restaurants. Ein Abendspaziergang im Sonnenuntergang entlang der alten chinesischen Fischernetzte, darf natürlich auch auf keiner Kerala Reise fehlen.

Munnar

Der erste und einzige Ort auf unserer Reise durch Südwestindien ohne Strand. Dafür viele grüne Berge, Spaziergänge durch endlose Teeplantagen und angenehm kühle Temperaturen. Wieder ein wunderschöner Ort in Kerala.

Man muss schon sagen, dass Kerala viel zu bieten hat. Beim Schreiben und mit Sicherheit auch beim Lesen dieser Zeilen, tut es mir sehr Leid, dass ich nicht mehr Begeisterung rüber bringen kann. Aber das spiegelt wahrscheinlich auch am Besten wieder, wie wir unsere Zeit in Kerala empfunden haben. Es war super nett, aber bei weitem nicht so bezaubernd, wie unsere Zeit in Goa.

Mehr haben wir auf dieser Reise in Indien leider nicht gesehen. Da wir außerdem sehr viel gechillt haben, haben wir auch nicht das Gefühl viel von Indien kennen gelernt zu haben. Es war aber auch mit Sicherheit nicht unsere letzte Reise in dieses spannende und vielseitige Land und wahrscheinlich kommen wir auf unserem Rückweg nach Deutschland noch für einige Zeit nach Nordindien. Wir werden sehen.