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Guatemala (Teil 2)

Daten und Fakten

Reisedauer: 24 Tage, 22. September 2018 – 16. Oktober 2018

Reiseroute: Antigua  Quetzaltenango (Xela)  San Marcos  Antigua

Highlights: Am Lagerfeuer dem „El Fuego“ beim Feuerspucken zuschauen

Antigua

Samstagabend, wir hatten Lust auf Party und dafür schien Antigua der perfekte Ort. Im vierten Chickenbus auf dem Weg von El Salvador nach Guatemala wurden wir von einem Ami aufgeklärt, wie ein typischer Samstagabend in Antigua abläuft. Zunächst trifft man sich in einem der Partyhostels zum Vortrinken. Um Punkt 22 Uhr beginnt in den Hostels die Nachtruhe, so dass alle in eine der vielen Bars der Stadt weiterziehen. Um spätestens 1 Uhr, geht allerdings auch dort die Musik aus und das Licht an. Am Samstagabend ist die Party dann aber noch lange nicht vorbei. Wer weiter feiern will, nimmt sich ein Shuttle oder Taxi und fährt zu „La Piscina“ (das Schwimmbad). Dort wartet im leeren Swimmingpool einer verlassenen Hacienda eine riesige Tanzfläche und erstklassische Djs, und ein bunter Mix von Gringos und Guatemalteken tanzt bis zum Sonnenaufgang weiter. Und wir natürlich mittendrin :). Nette Gesellschaft hatten wir auch, denn in der Bar „Lucky Rabbit“ lernten wir Josh kennen, der erst wenige Tage zuvor in seine Weltreise gestartet war und in Antigua für ein paar Wochen Sprachkurs machte. Und weil die Partys gut und die Gesellschaft so nett waren, blieben wir am Ende ganze zwei Wochen in Antigua. Antigua hat aber neben dem Nachtleben noch viel mehr zu bieten. Das kleine Kolonialstädtchen liegt malerisch am Fuße des Vulkans Agua, überall laden nette Cafés und Restaurants zum verweilen ein und das milde Klima ist perfekt, um sich einfach ein wenig durch die Stadt treiben zu lassen.

Außerdem hatten wir in Antigua eines der nettesten Hostels unserer Reise. Ein bequemes Bett mit dicken Decken, zwei Nachttischlampen, ein riesiges Frühstück und eine Dachterrasse mit gemütlichen Sofas und Hängematten. Bei klarer Sicht und vor allem in der Nacht konnten wir von dieser Dachterrasse bereits den Vulkan El Fuego Lava spucken sehen. Wir hatten vorher noch nie einen aktiven Vulkan gesehen und für uns war es kaum vorstellbar, wie entspannt alle Guatemalteken bei dem Gedanken sind, dass nur wenige Kilometer ein Vulkan steht, der bei seinem letzten Ausbruch vor nur wenigen Monaten, Hunderte Todesopfer gefordert hat. Trotz einem zunächst mulmigen Gefühls, wollten wir uns den „Fuego“ aus nächster Nähe anschauen. Fast jede Travel Agency in Antigua macht dies möglich. In einer zweitägigen Tour besteigt man den fast 4000 Meter Hohen (nicht aktiven) Vulkan Acatenango und hat von dort den perfekten Blick auf seinen direkten Nachbarn El Fuego. Eigentlich wollten wir diese Tour direkt in unserer ersten Woche in Antigua machen, mussten die Tour aber verschieben, weil Tobi „Rücken“ hatte. Höflich und hilfsbereit wie er ist, wollte er auf unserer letzten Chickenbusfahrt einer Alten Dame dabei helfen, einen Korb in den Bus zu heben, den sie bis dahin elegant auf dem Kopf balanciert hatte. Wie schwer sollte so ein Korb einer alten Dame schon sein, dachte sich Tobi, und verhob sich probt an der schweren Last. Die Folge waren mehrere Tage Rückenschmerzen und die Erkenntnis, dass man die Kräfte der Maya-Frauen nicht unterschätzen sollte, egal wie alt sie sind.

Um den Rücken zu mobilisieren und uns schon mal auf den Aufstieg zum Acatenango vorzubereiten, machten wir in der ersten Woche daher zunächst einen Ausflug zum Pacaya. Der Pacaya ist ebenfalls ein aktiver, aber deutlich kleinerer Vulkan, den man entspannt in einer Tagestour erreichen kann. Ganz bis auf den Gipfel darf und will man natürlich nicht, denn dort schießen in regelmäßigen Abständen glühende Gesteinsbrocken aus dem Berg. Das Lavagestein rund um den Gipfel war sogar schon heiß genug, um an ihm Marshmallow zu grillen. Für uns Vulkan-Neulinge schon ein einmaliges Erlebnis. Aber es sollte noch extremer werden.

Nach einem weiteren Partywochenende, starteten wir in der darauffolgenden Woche auf unsere Tour zum Acatenango. Nach längerer Recherche entschieden wir uns für den Touranbieter „Gilmers Soy“, der mit den Erlösen der Tour, die Entwicklung der Wasser- und Stromversorgung seines Dorfes unterstützt. Vor dem Aufstieg bekamen wir von unseren Guides unsere Verpflegung für die nächsten Tage und eine dicke Daunenjacke ausgehändigt. Außer Essen, Kleidung und ausreichend Wasser mussten wir glücklicherweise nichts tragen, denn die aufgebauten Zelte und Schlafsäcke warteten schon im Basislager auf ca. 3500 Metern. Jetzt könnte man meinen, dass 3500 Meter für uns eine Leichtigkeit sind, nachdem wir in Peru schon einen 6000er bestiegen hatten. Leider waren wir mittlerweile nicht mehr so fit wie nach unseren vielen Wanderungen in Peru und wir waren natürlich schon lange nicht mehr an solche Höhen gewöhnt. Daher war der Aufstieg zwar machbar, aber streckenweise durchaus anstrengend. Anstrengend und viel schöner als erwartet. Bei Vulkanen denkt man schnell an karge Steinlandschaften, aber durch den fruchtbaren Boden entwickelt sich dort eine interessante Vegetation aus Wäldern und blühenden Pflanzen.

Je weiter wir aufstiegen, desto kühler wurde es. Wir waren also überrascht und erfreut, dass im Basislager schon ein flackerndes Lagerfeuer auf uns wartete. Feuer und Fuego, denn von unserem Basislager hatten wir eine premium Sicht auf den aktiven Vulkan.

Es ist kaum in Worte zu fassen, wie beeindruckend es ist, wenn nur wenige Kilometer entfernt und direkt vor deinen Augen, ein Vulkan Asche und Feuer spuckt.

Je dunkler es wurde, desto besser konnten wir die glühende Lava erkennen, die aus dem Vulkankrater schoss und sich über den Berg ergoss. Einfach unglaublich!

Musikalische Untermalung gab es auch. Kurz nach unserer Ankunft im Basislager, kam eine chinesische Reisegruppe auf Mulis angeritten und bezog die Zelte etwas unterhalb unseres Basislagers. Diese asiatische Reisegruppe hatte tatsächlich eine Karaoke-Maschine mit auf den Berg gebracht und trällerte (mehr schlecht als recht) chinesische Volkslieder. Unterbrochen wurde der Gesang nur bei einer Eruption des Fuegos. Dann kam eine Horde Chinesen mit Kameras aus dem Zelt gerannt, liefen aufgeregt durcheinander und schrien: Lava, Lava, Lava…! Stundenlang saßen wir am Lagerfeuer und Beobachteten das beeindruckende Schauspiel (den Vulkan, nicht die Chinesen 🙂 ).

Viel geschlafen haben wir in dieser Nacht auf jeden Fall nicht. Das lag zum einen am Getöse des Vulkans und zum anderen an der Höhe. Ab 3000 Metern schläft man einfach nicht mehr richtig tief und durch. Um 3 Uhr mussten wir eh wieder raus auf dem Zelt, denn zum Sonnenaufgang wanderten wir noch einmal fast 500 Meter höher, auf den Gipfel des Acatenango. Dick in die Daunenjacken eingepackt, sahen wir wie hinter dem Agua langsam die Sonne aufging.

Die Wolken färbten sich rosa, während am Fuße des Aguas die Lichter von Antigua noch im Dunkeln lagen. Hinter dem Agua spuckte der kleine Pacaya einige Lavabrocken, während direkt neben uns der Fuego große Lava- und Aschewolken durch die Wolkendecke schoss.

Nach über einem Jahr können wir sagen, dass diese Tour wahrscheinlich das Beeindruckenste unserer Reise war!

Quetzaltenango (Xela)

Wer glaubt, dass die Maya, nachdem sie die großen Mayastädte der Blüteperiode verlassen hatten, ausgestorben sind, liegt falsch. Auch heute leben noch über 6 Millionen Maya in Zentralamerika. Zu Hause wird eine der vielen Maya-Sprachen gesprochen und das Leben ist bestimmt von einem Mix aus christlicher Religion und uralten Mayatraditionen. Je weiter man in das Hochland Guatemalas im Südwesten fährt desto deutlicher wird die Mayakultur. In Quetzaltenango, dem zweitgrößten Ballungsraum nach Guatemala City, tragen fast alle Frauen die buntgewebte und bestickte Mayakleidung.

Eigentlich wollten wir von Xela noch weiter ins Hochland fahren und dort mehrere Tage von Mayadorf zu Mayadorf wandern, aber das kühle und verregnete Wetter trieb und nach ein paar Tagen wieder in wärmere Regionen. Anstatt weiter in die Berge fuhren wir an den bekanntesten See von Guatemala, den Lago Atitlán.

San Marcos (Lago Atitlán)

Der Lago Atitlán und insbesondere das Dörfchen San Marcos, wird bevölkert von Mayas und Hippies. Auf der Straße sieht man entweder Frauen in Mayatracht oder Hippies mit langen Haaren und wehenden Batiktüchern. Außerdem haben wir noch in keinem Ort auf unserer Reise eine so große dichte an Shops gesehen, in denen man „homemade and organic“ Produkte und Räucherstäbchen kaufen konnte. Mit seinen mehr als schulterlangen Haaren und dem langen Bart, schmiegte sich Tobi ziemlich gut in diese Umgebung ein. Die ersten Tage verbrachten wir regenbedingt in unserem AirBnB mit unserem Mitbewohner Mike, zwei Hunden und vier Katzen. Erst dann verzogen sich die Wolken und wir hatten endlich mal eine klare Sicht auf den See und die Vulkane, die ihn umgeben.

Das trockene Wetter nutzen wir aus, um zunächst einmal rechts herum am See entlang bis San Pedro zu laufen und mit dem Boot zurück zu fahren. San Pedro ist das größte und touristischste Dörfchen am See und bietet eine etwas größere Auswahl an Hostels und Restaurants. Am darauffolgenden Tag wanderten wir links herum bis nach Santa Cruz. Die Navigation übernahm ausnahmsweise Tobi, der den Weg auf ca. 1 Stunde schätzte. Am Ende waren wir 3 ½ Stunden in der Mittagshitze und ohne etwas zu essen unterwegs. Aber man muss sagen, es war wunderschön! Durch Wälder, über Maisfelder, an Klippen entlang und immer mit Blick auf diesen riesigen See und die Vulkane ringsherum. Man kann sehr gut nachvollziehen, dass viele zum See kommen und bleiben. So wie Peter und Andy, die seit vielen Jahren am See wohnen und sie sich mittwochs und samstags mit Freunden und Touris im Hostal der Lago zum Pokerspielen treffen. Peter und Andy spielen deutlich besser als die meisten Gastspieler/Touris. Allerdings spielen sie auch nicht so gut, wie man es für Spieler erwartet, die sich mehrmals die Woche treffen. Das war gut für uns, denn die zwei Pokerabende finanzierten unsere Unterkunft für den gesamten Aufenthalt am Lago Atitlán. 🙂

Antigua

Für den 16. Oktober hatten wir einen Flug von Guatemala nach Mexiko gebucht, um rechtzeitig zur Hochzeit von David und Majo in Aguascalientes zu sein. Bevor wir Guatemala aber verlassen sollten, wollten wir noch für eine Nacht zurück nach Antigua. Noch einmal eine Nacht in unserem netten Hostel übernachten und noch einen Abend mit dem lieben Josh auf unserer Dachterrasse chillen.

Ein schöner Abschluss von einem wundervollen Aufenthalt in einem wirklich atemberaubenden Land.

 

Guatemala (Teil 1)

Daten und Fakten

Reisedauer: 10 Tage, 19. August 2018 – 29. August 2018

Reiseroute: El Remate   Rio Dulce   Livingston

Highlights: Brüllaffen hören und sehen

 

El Remate

Nach unserem Besuch in den Mayaruinen von Palenque in Mexiko, freuten wir uns auf eine der größten Maya Ausgrabungsstätten von Guatemala. Die Ruinen von Tikal liegen in der Nähe eines großen Sees. Die meisten Reisenden übernachten auf der Insel Flores und organisieren sich von dort aus ihre Tour nach Tikal. Die kleine Insel Flores ist daher sehr überlaufen und eng bebaut mit Hostels und lauten Bars. Wir wollten es etwas ruhiger und suchten uns ein nettes kleines Hotel im Dorf El Remate auf der östlichen Seite des Sees. Nach unserem eher enttäuschenden Aufenthalt in Mexiko fühlten wir uns in El Remate sofort wohl. El Remate liegt direkt am See, es gibt mehrere Holzstege die aufs Wasser führen und ein paar nette kleine Restaurants.

Außerdem lernten wir am ersten Abend einen sehr netten Guatemalteken kennen, mit dem wir die Abende in seinem noch nicht fertig gebauten Hostel chillten. Beto gab uns den Tipp, einen Ausflug zu dem kleinen geschützten Park „Biotropo Cerro Cahuí“ zu machen, den man fußläufig von El Remate erreichen kann. Für uns war dieser dreistündige Rundgang eines der ersten Highlights in Guatemala, denn wir hatten richtig Glück! Auf dem Weg durch den Park sahen wir zwei verschiedene Schlangenarten, eine riesige Kröte, viele Schmetterlinge und sogar Affen.

Erst endeckten wir ein paar Spinnenaffen, die über unseren Köpfen durch die Bäume turnten.

Wir hörten auch Brüllaffen, konnten sie aber leider nicht finden. Auf unserer Dschungeltour in Bolivien hatten wir schon einmal tagelang vergeblich versucht, Brüllaffen zu Gesicht zu bekommen. Auch da hatten wir das Gebrüll zwar immer gehört, aber die Affen nie gesehen. Diesmal war das Gebrüll aber deutlich näher und nur ein paar Schritte abseits vom Weg waren sie auf einmal ganz nah! Eine wirklich beeindruckende Begegnung!

Um ehrlich zu sein, waren die Brüllaffen wirklich das Highlight von unserem Aufenthalt in El Remate, aber auch unsere Tour nach Tikal war natürlich sehr beeindruckend. Wir hatten einen sehr guten Guide, der uns durch den Park zu den Pyramiden führte und viel über die Kultur der Maya erklärte.

Wahrscheinlich hat jeder schon davon gehört, dass die Maya ihren Göttern auch Menschen geopfert haben. Einige Theorien besagen, dass die Menschenopfer bei einem Ballspiel ausgewählt wurden. Ziel des Ballspiels war es, mit Hilfe des Körpers, aber ohne Hände und Füße, einen Ball durch einen kleinen Steinring zu spielen. Die besten Spieler, also die Gewinner, wurden anschließend geopfert. Unser Guide vermutet, dass Guatemala sich deshalb nie für die Fußballweltmeisterschaft qualifiziert. Die guten Ballspieler sind einfach ausgestorben. 🙂

Rio Dulce

Bei aller Mayakultur der letzten Tage, wollten wir aber nicht unser anderes Ziel aus den Augen verlieren. Wir wollten endlich an einen karibischen Traumstrand. Von El Remate fuhren wir daher Richtung Karibikküste. Das kleine Küstenstädtchen Livingston ist nur per Boot zu erreichen und eine der Wasserwege dorthin führt über den Rio Dulce. Auf dem Weg nach Livingston, machten wir daher einen kleinen Zwischenstopp in einem der Hostels am Ufer des Rio Dulce. Das Roundhouse Hostel besteht aus verschiedenen Bungalows und Holzplattformen die im Wald und über den Fluss gebaut sind und mit Hängematten, Schaukeln und Liegestühlen zum entspannen einladen. Ein bisschen Kayaken am Morgen, ein gutes Buch in der Hängematte am Nachmittag, nette Gesellschaft und gutes Essen machen den Rio Dulce zu einem perfekten Entspannungsort.

Livingston

Livingston ist nicht typisch guatemaltekisch sondern ein mix aus Maya und Garifuna Kultur. Die Volksgruppe der Garifuna entstand durch eine Vermischung westafrikanischer Sklaven und der indigen Bevölkerung der Karibik und Zentralamerikas. Orte wie Livingston, die nur mit dem Boot zu erreichen sind, haben immer eine ganz bestimmte Inselatmosphäre, an denen die Zeit etwas langsamer und entspannter zu vergehen scheint.

Wir waren also in einem netten kleinen Ort an der Karibikküste angekommen. Kleiner Nachteil war allerdings, dass Livingston keinen richtigen Strand hat. Nach unserem karibischen Strand mussten wir also weiter suchen. Vielleicht würden wir diesen ja in Honduras finden.