Startseite » Chile

 

Chile (Teil 3)

Daten und Fakten

Reisedauer: 4 Tage, 30. April 2018 – 3. Mai 2018

Reiseroute: Atacama

Highlights: mit dem eigenen Auto durch die trockenste Wüste der Welt

Atacama

Unsere Tour durch die Atacama-Wüste starteten wir in Calama, einer kleinen Stadt weit im Norden von Chile. Mit Camille und Antoine, die wir auf unserer Uyuni-Tour kennen gelernt hatten, mieteten wir dort ein Auto und machten uns auf eigene Faust auf den Weg zum trockensten Ort der Erde, der Atacama Wüste.

Und wir stellten schnell fest, dass Wüste landschaftlich ganz schön abwechslungsreich sein kann. Den ersten Tag ließen wir ruhig angehen und beschlossen diesen mit einem Bad in einer Lagune zu beginnen. Ja, auch am trockensten Ort der Welt gibt es Wasser! Das ist so salzig, dass man darauf treiben kann, wie im toten Meer.

Wir waren mit unserem Auto ja mobil und so verbrachten wir den Nachmittag mit einer kleinen Tour zu einer weiteren Lagune.

Und pünktlich zum Sonnenuntergang waren wir auf einem Salzsee um den Sonnenuntergang und die rot strahlenden Berge zu sehen.

Dann ging es früh ins Bett, denn um 3 Uhr klingelte der Wecker. Ein „Highlight“ in der Atacama-Wüste ist der Sonnenaufgang an den Geysiren. Mit gefühlt tausenden von anderen Menschen warteten wir in der Eiseskälte (ca. -10 Grad!) auf die ersten Sonnenstrahlen. Und ja, es sind schon schöne Geysire, aber wie Tobi schon zurecht meinte: am Ende ist es doch nur Wasserdampf. 😉

Bevor es am späten Nachmittag zurück nach Calama ging, machten wir noch eine kleine Tour ins Death Valley oder Mars Valley. Das Tal ist trocken und heiß und sieht aus wie eine riesige Mondlandschaft. So hatten wir uns die Atacama-Wüste vorgestellt!

Das Auto heil zurück nach Calama gebracht und einen Tag ausgeruht, war es auch schon wieder vorbei mit unserem kleinen Zwischenstopp in Chile. Arriba Peru!!

 

Chile (Teil 2)

Daten und Fakten

Reisedauer: 16 Tage, 12. Dezember 2017 – 28. Dezember 2017

Reiseroute: Chile Chico  Cohaique Puyuhuapi  La Junta Puerto Raúl Marín Balmaceda Castro Temuco Neltume Santiago de Chile

Highlights: Carretera Austral und Weihnachten in Neltume

 

Carretera Austral – „long way home for christmas“

Wir kamen aus Los Antiguos und unser erstes Ziel in Chile auf unserer Reise nach Norden war Chile Chico, ein kleines Grenzstädtchen am See Lago Buenos Aires. Aus Argentinien wurden wir noch bis zum Ausreisehäuschen auf der argentinischen Seite mitgenommen. Von dort ging es zu Fuß zum Einreisehäuschen in Chile kurz vor Chile Chico. Angeblich nur 20 Minuten, am Ende war es über eine Stunde durch die pralle Hitze. Nach dem doch recht anstrengenden Marsch mit vollem Gepäck haben wir direkt an der Grenze erst einmal ein kleines Mittagspäuschen eingelegt. Um unser Gepäck für die kommenden Kilometer etwas zu erleichtern, machten wir uns zu unserem Mittagssnack die Literflasche Bier auf, die wir am Vorabend in Argentinien gekauft, aber nicht getrunken hatten. Der chilenische Grenzbeamte schaute interessiert, kam zu uns rüber und fragte: „Was habt ihr denn da?“, „Das ist ein Bier aus Argentinien, sehr lecker!“, „Das freut mich für euch. Aber weißt du was?“, „Nein? Was denn?“ „In Chile ist es streng verboten auf der Straße Alkohol zu trinken!“ Oh… das hatten wir ganz vergessen. Und wie blöd kann man sein, sich dann direkt auf der Grenze ein Bier auf zu machen!! Schnell wollten wir die noch volle Flasche im Mülleimer entsorgen. „Nein, nein! Ist schon ok. Trinkt in Ruhe aus. Aber beim nächsten Mal wisst ihr Bescheid!“ Nochmal Glück gehabt.

Chile Chico

Nach der Pause wurden wir netterweise von einem älteren Ehepaar mit in die Stadt genommen und direkt vor einem Hostel abgesetzt. Das war total gemütlich und bezahlbar und so blieben wir zwei Nächte um die Weiterreise zu planen. In Chile Chico kann man zwar nicht besonders viel machen, aber es ist ein super nettes kleines Städtchen an der Südseite des riesigen Sees Lago Buenos Aires. Es ist zwar wie immer in Patagonien super windig, aber schön!

Wir wären gerne noch länger geblieben, aber um pünktlich am 23.12. in Temuco zu sein, mussten wir weiter. Wir hatten nämlich das große Glück Weihnachten nicht alleine zu verbringen. Francisca, eine von Petras ehemaligen chilenische Kolleginnen hatte uns eingeladen, Weihnachten mit ihr, ihrem Mann Luis und dessen Eltern in Neltume zu feiern. Francisca und Luis kamen mit dem Auto aus Santiago und konnten uns auf dem Weg in Temuco einsammeln. Wir mussten also spätestens am Morgen des 23.12. in Temuco sein. Aber würden wir es pünktlich zu Weihnachten nach Temuco schaffen? Das ist die Frage, die wir uns für die nächsten 10 Tage täglich stellen sollten. Wir hatten uns bewusst für die schönere, aber schwierigere Strecke auf der chilenischen Seite Richtung Norden entschieden. Auf der chilenischen Seite gibt es mehrere Nationalparks mit riesigen Wäldern, Fjorden und Seen, auf der argentinischen Seite nur Pampa und die kannten wir ja schon. Am 12.12. kamen wir in Chile Chico an und wir wollten am 22.12. und wir wollten am 22.12. den Bus von Puerto Montt nach Temuco nehmen. Für die 800 Kilometer auf der Carretera Austral von Chile Chico bis nach Puerto Montt hatten wir also genau 10 Tage Zeit. Die Fernstraße Carretera Austral gibt es erst seit ca. 40 Jahren. Bevor Pinochet in den 70er Jahren mit dem Bau der Carretera Austral begann, konnte der Süden Chiles nur per Flugzeug und Schiff erreicht werden. Die Straße führt durch das unwegsame Gelände Patagoniens, vorbei an Fjorden und Gletschern und verbindet die kleinen Siedlungen im Süden Chiles mit dem Norden. Es gibt keinen Bus, der die ganze Strecke der Carretera Austral fährt und auf den einzelnen Abschnitten zwischen den einzelnen Dörfern fährt nicht jeden Tag ein Bus. Zehn Tage für 800 Kilometer Carretera Austral waren daher eher knapp bemessen. Da die Landschaft atemberaubend schön sein soll und auf dem Weg nach Norden mehrere Nationalparks zum Wandern einladen, wollten wir es aber auf jeden Fall wagen. Das am Ende alles ganz anders kommen würde als geplant, wussten wir zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht.

Von Chile Chico konnten wir ein Boot über den See nehmen und von dort den Bus nach Cohaique. Die erste Fahrt auf der Carretera Austral war also einfach. In Chile Chico konnte uns aber keiner sagen, wann, welcher Bus von Cohaique Richtung Norden fahren würde. Da Cohaique aber die einzige größere „Stadt“ auf der Carretera Austral ist, fuhr von dort täglich ein Bus Richtung Puyuhuapi, dem nächsten Dorf im Norden. Schien also doch alles einfacher als gedacht. Wann der nächste Bus von Puyuhuapi weiter Richtung Norden fahren würde, wusste aber in Cohaique natürlich keiner. Für die Busfahrt nach Puyuhuapi hatten wir einen optimalen Tag erwischt, denn es regnete den ganzen Tag in Strömen. An einem Fjord, ein paar Kilometer vor Puyuhuapi, stoppte der Bus an einer Straßensperre. Das erste Hindernis auf unserer Reise Richtung Norden. Ein Erdrutsch hatte die Straße blockiert. Glücklicherweise aber auf den letzten Kilometern vor Puyuhuapi, so dass das gesperrte Stück Straße mit Hilfe einer kleinen Fähre überbrückt werden konnte. Mit dem Bus ging es ging es also auf die Fähre und dann weiter bis nach Puyuhuapi.

Puyuhuapi

Puyuhuapi, ein sehr kleines Dörfchen inmitten von grünen Bergen und direkt an einem Fjord gelegen, ist zum einen für Thermalquellen und zum anderen für den „hängenden Gletscher“ im Nahe gelegenen Nationalpark bekannt.

Den hängenden Gletscher wollten wir uns gerne ansehen, aber vorher wollten wir unsere Weiterreise planen. Nach Puyuhuapi wollten wir nach Chaitén und von dort, wenn die Zeit es zulassen würde, noch ein oder zwei Tage im Pumalin Nationalpark wandern gehen. Eine Busstation gab es in Puyuhuapi nicht, aber zum Glück konnte uns eine sehr gut informierte Dame im Tourist Office helfen. Es war Freitagabend (15.12.) und der nächste Bus fuhr am Montag (18.12.) von La Junta nach Chaitén. La Junta zu erreichen war kein Problem, denn der tägliche Bus aus Cohaique fährt nach dem Stopp in Puyuhuapi weiter nach La Junta. Wir hatten also großes Glück mit der Busverbindung! So hatten wir auf jeden Fall genug Zeit, um uns den Gletscher in Puyuhuapi anzuschauen. Welche Busverbindungen es ab Chaitén nach Norden geben wird, konnte uns in Puyuhuapi natürlich keiner sagen. Im Besten Fall würden wir am 21.12 einen Bus von Chaitén nach Puerto Montt nehmen. Dann hätten wir sogar noch genug Zeit für ein oder zwei Tagesausflüge in Chaitén. Und wir könnten pünktlich am 22.12. von Puerto Montt weiter nach Temuco fahren. Leider kam es aber alles anders als geplant!! Am nächsten Tag ereignete sich in Villa Santa Lucia, einem Dorf nur 100 Kilometer nördlich von Puyuhuapi, eine schwere Naturkatastrophe. Nach den heftigen Regenfällen des Vortages, hatte sich der aufgeweichte Boden in Bewegung gesetzt und eine riesige Schlammlawine hatte einen großen Teil des Dorfes unter sich begraben. Für die Menschen in Villa Santa Lucia eine unglaubliche Tragödie, die mehre Todesopfer forderte und unzählige Häuser zerstörte. Im Vergleich zu dem Unglück wirkten unsere „Probleme“ natürlich bedeutungslos. Für uns bedeutete die Katastrophe nur, dass die Carretera Austral Richtung Norden auf unbegrenzte Zeit nicht mehr befahrbar sein würde. Und so mussten wir einen anderen Weg finden. Da die Carretera Austral die einzige Straße in Südchile ist, gab es für uns eigentlich nur den Weg zurück. Zurück nach Cohaique, dann nach Chile Chico, zurück nach Argentinien. In Argentinien nach Norden bis nach Bariloche und von dort zurück nach Chile. diese Strecke in 6 Tagen zu schaffen, klang ziemlich unrealistisch. Ein erneuter Blick auf die Karte, brachte uns auf eine andere Idee. Es gab zwar nur eine Straße in Südchile, aber einige Fährverbindungen. Der nächste Hafen in der Nähe von Puyuhuapi war in Puerto Raúl Marín Balmaceda. Und von dort aus gab es am Dienstagabend (19.12.) eine Fähre nach Chiloé. Die nach Feuerland zweitgrößte Insel Chiloé gilt mit ihren bunten Häusern und den im 17. und 18. Jahrhundert erbauten Holzkirchen zu den Highlights einer jeden Chilereise. Kein schlechter Alternativplan. Für den neuen Plan mussten wir also nur noch in Ticket für die Fähre kaufen und natürlich irgendwie nach Puerto Raúl Marín Balmaceda kommen. Puerto Raúl Marín Balmaceda befindet sich zwar nördlich von Puyuhuapi, aber im Süden von Villa Santa Lucia. Wir konnten also am Sonntagnachmittag wie geplant den Bus nach La Junta nehmen und am Montag den Bus von La Junta nach Puerto Raúl Marín Balmaceda. Wir hatten also sogar noch eine Nacht Puffer um pünktlich am Dienstagabend die Fähre zu erreichen. Fehlte als nur noch das Ticket für die Fähre. Als wir uns am Morgen zum ersten Mal nach der Fähre erkundigt hatten, gab es noch 70 Tickets. Als wir jetzt buchen wollten, gab es nur noch 50. Wir waren also nicht die Einzigen, die diese Alternativroute Richtung Norden nehmen wollten. Also schnell buchen. Wie bei jedem Transportmittel in Chile muss man hierfür seine Passnummer angeben. Das Online-Buchungssystem wollte aber unsere deutsche Passnummer nicht annehmen, da diese nicht nur aus Zahlen, sondern auch als Buchstaben besteht. Jetzt gab es schon nur noch 40 Tickets. Auch der Versuch uns eine chilenische Passnummer auszudenken, führte nicht zum Erfolg. Nur noch 30 Tickets. Die auf der Webseite angegebene Telefonnummer war nicht vergeben. Nur noch 20 Tickets. Tobi fand in den weiten des Internets zum Glück noch eine andere Nummer vom Ticketoffice direkt in Puerto Raúl Marín Balmaceda. Dort nahm jemand ab. Die Chilenen zu verstehen ist auch für Spanier fast unmöglich, bei unserem noch immer nicht besonders gutem Spanisch umso schwieriger und dann war auch noch Telefonverbindung ziemlich schlecht. Aber irgendwie klappte es. Geduldig nahm die Dame am anderen Ende unsere Namen und Passnummern auf und versicherte uns, dass wir nun eine Reservierung haben. Bezahlen sollten wir sofort bei unserer Ankunft in Puerto Raúl Marín Balmaceda. Kurz darauf war die Fähre ausverkauft. Blieb nur zu hoffen, dass das mit der Reservierung wirklich geklappt hatte. In dem Moment konnten wir zumindest nichts weiter tun. Zumindest blieb uns in noch genug Zeit in Puyuhuapi, um uns den hängenden Gletscher anzuschauen. Es war mittlerweile schon Samstagnachmittag, also an diesem Tag zu spät um noch zum Gletscher zu fahren. Wenn wir den Gletscher sehen wollten, mussten wir dies also am Sonntag machen bevor wir den Bus nach La Junta nehmen wollten. Zum Glück arbeitete der Mann der Hostelbesitzerin als Ranger im Nationalpark und konnte uns am Sonntagmorgen mit in den Park nehmen. Außerdem erfuhren wir von der Hostelbesitzerin, dass der Bus nach La Junta auch am Nationalpark hält und wir dort einsteigen können. Perfekt. Der Nationalpark liegt etwas südlich von Puyuhuapi, also fuhren wir mit dem Auto des Rangers wieder auf die kleine Fähre. Fährfahrten gehörten also mittlerweile zum täglichen Programm. Im Nationalpark selber führt ein gut ausgeschildeter Wanderweg durch dichten Wald bis hin zum Aussichtspunkt. Der bietet einen spektakulären Blick auf einen riesigen Wasserfall und den hängenden Gletscher.

Mindestens genauso beeindruckend wie die Aussicht, ist jedoch bereits der Weg dorthin. Auf Fotos oder wenn man die Wäldern Südchiles aus der Ferne sieht, sehen diese zunächst aus wie Wälder in Europa. Geht man aber hinein, sieht man deutliche Unterschiede. Obwohl es in Patagonien deutlich kälter ist, sehen die Wälder teilweise aus wie tropische Regenwälder, mit riesigen Farnen, Lianen und Bambus.

Wir sind also sehr froh, dass wir zumindest einen der Nationalparks entlang der Carretera Austral sehen konnten und wir kommen bestimmt irgendwann wieder um noch mehr zu entdecken. La Junta sollte bereits unser letzter Stopp auf der Carretera Austral sein. Um den Bus dorthin nicht zu verpassen stellten wir uns rechtzeitig an die Straße. Da wir in Puyuhuapi kein Busticket vorab kaufen konnten und so nicht sicher war, ob wir einen Platz im Bus bekommen werden, wollten wir außerdem versuchen die Strecke per Anhalter zu fahren. Was auf der argentinischen Seite Patagoniens funktioniert, sollte ja auf der chilenischen Seite nicht unmöglich sein. Und so bekamen wir eine Mitfahrgelegenheit nach La Junta bevor der Bus in Sicht war. Also wieder mit dem Auto auf die Fähre, kurzer Zwischenstopp in Puyuhuapi und weiter nach La Junta. Dort suchten wir eine Bleibe für eine Nacht, um am nächsten Tag den Bus nach Puerto Raúl Marín Balmaceda zu nehmen. Dieser sollte am Nachmittag um 15 Uhr fahren. In unserem Hostel wurde uns der Tipp gegeben, uns bereits am Vormittag einen Sitzplatz zu reservieren, da der Bus nur 16 Sitzplätze hatte. Der Busfahrer wollte uns aber keine Sitzplatzreservierung geben. Einheimische hätten Vorrang. Wenn der Bus voll ist, können wir nicht mit. Der nächste Bus würde dann aber erst wieder in 3 Tagen fahren. Daher beschlossen wir uns an den Ortsausgang zu stellen und auf eine Mitfahrgelegenheit zu warten. Sollte uns niemand mitnehmen, konnten wir es am Nachmittag mit dem Bus versuchen uns sonst am Abend oder am nächsten Morgen noch einmal mit Hitchhiken. Wieder einmal große Unsicherheit. Insgesamt nur zwei Autos in einer Stunde fuhren überhaupt in Richtung Puerto Raúl Marín Balmaceda. Beide hielten auch an, aber keiner fuhr bis Puerto Raúl Marín Balmaceda. Nur einige wenige Kilometer mitzufahren war uns zu unsicher, da wir uns so die Chance auf den Bus nehmen würden. Dann ein weiteres Auto. Allerdings ein Polizeiauto und wir wagten es nicht den Daumen raus zu halten. Das Polizeiauto hielt trotzdem und die beiden Polizisten fragten freundlich, wo wir hin wollten. „Puerto Raúl Marín Balmaceda“, antworteten wir schüchtern. Die Polizisten mussten auch nach Puerto Raúl Marín Balmaceda, einen Baby-Hund zum Tierarzt zu bringen. Die chilenischen Polizei in Patagonien hat anscheinend ein ziemlich breites Aufgabenspektrum.

Der Baby-Hund kam also auf den Schoß und wir durften mit. Mit Highspeed und Blaulicht ging es über die Schotterpiste. Kurz vor Puerto Raúl Marín Balmaceda noch einmal eine kleine Fähre und schon waren wir da.

Puerto Raúl Marín Balmaceda

Noch bevor wir uns ein Hostel für die Nacht gesucht haben, ging es erst einmal zum Ticketoffice um unsere reserviertes Fährticket zu bezahlen und abzuholen. Dort hatte sich schon eine lange Schlange von Leuten gebildet, die irgendwie versuchten noch einen Platz auf der Fähre zu bekommen. Wie wir ja bereits wussten, ohne Erfolg, denn die Fähre war ausgebucht. Nur mit Reservierung bekam man noch ein Ticket. Dann waren wir endlich an der Reihe und die erste Antwort lautete: „Nein, ihr steht hier nicht auf meiner Liste“. Schock! Ohne die Fähre würden wir nie rechtzeitig zu Weihnachten da sein! Aber dann die Entwarnung: „Ah doch, hier seid ihr ja.“ Überglücklich zahlten wir die Tickets. Und es blieben sogar noch 24 Stunden, um Puerto Raúl Marín Balmaceda zu erkunden. Das Highlight in Puerto Raúl Marín Balmaceda sind die Bootstouren, bei denen man Seelöwen, Magellan Pinguine und in der Saison ab Februar sogar Blauwale sehen kann. Also machten wir am nächsten Tag zunächst einen Spaziergang zu den riesigen Ginsterfeldern am Strand und dann noch eine Bootstour zu Seelöwen und Pinguinen bevor wir am späten Nachmittag, glücklich über diese tollen Erlebnisse, auf die Fähre steigen konnten.

Wir haben die Carretera Austral also für ein kleines Stück geschafft oder sie hat uns geschafft. Auf jeden Fall wollen wir sie irgendwann mal komplett sehen und wir würden diese abenteuerliche Strecke jedem Empfehlen. Wenn man sie aber im Urlaub machen möchte braucht man viel Zeit, mehr Zeit als man denkt.

Chiloé – Castro und Dalcahue

Nach einer stickig und gleichzeitig kalten Nachtfähre ohne viel Schlaf war die Ankunft in Quellon auf Chiloé schon um 4 Uhr morgens. Und der erste Bus zu unserem Ziel Castro fuhr erst um 6 Uhr. Als wenn das nicht schon unangenehm genug wäre, regnete es auch noch in Strömen, kein Restaurant oder Café hatte offen und es gab kaum Plätze um sich unterzustellen. Also kauerten wir uns mit einigen anderen Chilenen in einen Hauseingang und warteten. Um 5:30 machte endlich das Busterminal auf und eine Horde Menschen strömte Richtung Eingang. Es wurde gedrängelt und geschupst, denn alle wollten in den ersten Bus. Wir auch. Zum Glück wollten die Meisten bis nach Puerto Montt. Da wir aber nur bis Castro fahren wollten, konnten wir zwei der begehrten Plätze im Bus ergattern. Nach der anstrengenden Reise haben wir uns dann erst mal ein schönes Hotelzimmer mit Fjordblick gegönnt und uns ausgeruht.

Viel haben wir daher an den zwei Tagen in Chiloé nicht gemacht. In Erinnerung bleiben, wird uns aber der Ausflug nach Dalcahue, einem anderen Dörfchen auf Chiloé. Dort steht zum einen eine der berühmten Holzkirchen und zum anderen kann man dort am Hafen sehr gut Curanto essen, eine Spezialität in Südchile.

Curanto wird ursprünglich in einem Erdloch zubereitet. In dieses Erdloch werden heiße Steine gelegt und so Fleisch, Fisch, Muscheln und Kartoffeln gegart. Für den Garprozess wird das Erdloch mit einem Nalca-Blatt zugedeckt.Die Blätter dieser Pflanze werden bis zu 2 Meter hoch, haben einen Durchmesser von bis zu 2 Metern und wachsen überall in Chiloé und entlang der Carretera Austral.

 

Unser Curanto kam zwar nicht aus einem Erdloch, sondern aus einem riesigen Topf, wurde von der älteren Dame aber mit Liebe zubereitet und schmeckte hervorragend. Eins der wenigen richtig guten Essen auf unserer Chilereise!

 

Temuco

Von Chiloé ging es pünktlich am 22.12. weiter nach Temuco; unserem Treffpunkt mit Francisca und Luis. Mehr gibt es über Temuco auch nicht zu sagen. Es ist mit 260.000 Einwohnern eine mittelgroße und nicht besonders schöne Stadt. Eine Nacht hat uns vollkommen gereicht und wir waren froh am nächsten Morgen Francisca und Luis zu sehen und mit ihnen weiter nach Neltume zu fahren. Weihnachten konnte kommen!

Neltume

Schon der Weg nach Neltume war wunderschön. Vorbei an grünen Wäldern, tiefblauen Seen und im Hintergrund riesige Vulkane, wie aus dem Bilderbuch!

In dem kleinen Ort Neltume hatten Francisco und Luis, für uns und die Familie kleine Cabañas (Bungalows) gemietet und so konnten wir unser eigenes kleines Holzhäuschen beziehen.

Kurz darauf trudelte auch der Rest der Familie ein: Luis Vater Luis, Luis Mutter Patricia und Schwester Camilla. Auch wenn es mit unseren Spanischkenntnissen noch etwas schwierig war, verstanden wir uns mit Luis Familie auf Anhieb prächtig! Auch wenn es nicht unsere Familie war, waren wir froh Weihnachten in so netter Gesellschaft zu verbringen. Und so haben wir Weihnachten damit verbracht, zu einem der vielen Seen zu fahren, zu einem Wasserfall im Nationalpark Huilo Huilo zu spazieren und eine Bootsfahrt mit der Fähre zu machen.

Und abends wurde gegrillt! Absolutes Highlight für Tobi, denn er konnte jeden Tag Feuer machen. Und zum 2 Kilobrocken Fleisch gab es Bier und selbstgemachten Glühwein (ein bisschen deutsche Weihnachtstradition und die ist uns Dank hervorragendem chilenischem Wein auch sehr gut gelungen!). In Chile gibt es außerdem eine sehr große Craft-Beer Szene und viele kleine Brauereien, die hervorragendes Bier brauen. Und in Neltume steht eine dieser Brauereinen, die Petermann-Brauerei. Nach den 3 Tagen in Neltume meinte Luis Senior: „Tobi wird Weihnachten in Neltume mit zwei Worten beschreiben: fuego y cerveza“ Das fasst unser Weihnachten in der Tat gut zusammen: Feuer und Bier. Und Fleisch. Und Geschenke gab es auch! An Heiligabend um Mitternacht wurde „Amigo Secreto“ gespielt, eine Art Wichteln. Jeder sollte zu Weihnachten zwei kleine Geschenke mitbringen. Für uns war das eine riesige Herausforderung, denn wie sollten wir in der Einöde Patagoniens, wo noch nicht mal jeden Tag ein Bus fährt, passende Geschenke finden! Aber wir waren fündig geworden. In Puyuhuapi hatten wir in einer kleinen Bäckerei ein Glas selbstgemachte Marmelade gekauft. In dem von sudetendeutschen gegründeten Puyuhuapi gab es natürlich auch eine kleine Brauerei. Unser zweites Geschenk waren daher zwei Flaschen Hopperdietzel. Im Spielwarenladen in La Junta hatten wir ein Uno-Spiel entdeckt und in Chiloé noch eine schöne handgestrickte Wollmütze erstanden. Amigo Secreto wurde folgendermaßen gespielt. Zunächst kamen alle Geschenke verpackt in die Mitte. Und um die Geschenk wurde gewürfelt. Für jede Wüfelzahl gab es eine Regel. Zum Beispiel bei einer 1 durfte man sich ein Geschenk aus der Mitte nehmen, bei einer 2 musste man eines seiner Geschenke an seinen rechten Nachbarn abgeben, bei einer 3 alle Geschenke mit seinem linken Nachbarn tauschen etc. Es wurden insgesamt zwei Runden a 15 Minuten gespielt. In der ersten Runde waren die Geschenke verpackt, in der zweiten Runde ausgepackt und man konnte sehen, was im Spiel war. Neben unseren Geschenken, gab es Schokolade, Tee, Socken und vieles mehr. Am hart umkämpftesten war aber das Hopperdietzel, das am Ende des Spieles in den Besitz von Luis Senior überging. Petra hatte am Ende noch die Sonnencreme (kann man auf Reisen immer gut gebrauchen!) und Tobi bekam unsere Mütze aus Chiloé, Tee und Schokolade. Wir hatten mit unserer Ersatzfamilie also ein rundum schönes Weihnachten, dass viel zu schnell vorbei ging.

Zurück nach Santiago de Chile

Francisca und Luis haben uns nach Weihnachten mit nach Santiago genommen und uns angeboten zwei Nächte bei Ihnen in der Wohnung zu schlafen. Als Abschluss für die schöne Zeit und als kleines Dankeschön für die wundervolle Gastfreundschaft, haben wir den letzten Abend gekocht und ihn bei Schnitzel und Kartoffelsalat ausklingen lassen. Und am 28.12. ging es mit dem Flieger weiter nach Buenos Aires. Buenos Aires, eine riesige Metropole, gutes Essen, hippe Leute und gute Partys. Genau das richtige für Silvester!! Dachten wir…

 

Chile (Teil 1)

Daten und Fakten

Reisedauer: 14 Tage, 18. November 2017 – 02. Dezember 2017

Reiseroute: Santiago de Chile Valparaiso  Punta Arenas  Puerto Natales

Highlights: Wind (sehr viel Wind!) und Wandern in der atemberaubenden Landschaft Patagoniens

 

Das war knapp! Fast hätten wir unseren Flug von Lima nach Santiago verpasst, aber glücklicherweise haben wir in der Sprachschule gut aufgepasst und das „Corre!! Corre!!“ der Flughafenmitarbeiterin direkt als Imperativ von „Correr – laufen“ verstanden. Also sind wir gelaufen, also eher gesprintet, und haben als letzte Passagiere den Flieger grad noch so erwischt.

In unserer AirBnB Wohnung warteten dann auch schon wieder zwei bekannte Gesichter auf uns – unsere lieben Freunde Sebi und Sophia, die uns für zwei Wochen in Chile besucht haben. Den gemeinsamen Trip hatten wir bereits vor unserer Abreise gemeinsam geplant. Zwei Wochen ist für ein so riesiges und vor allem vielfältiges Land wie Chile nicht grade viel und deshalb war schnell klar, dass wir eine gewisse Vorauswahl treffen mussten. Sebi und Sophia mussten sich also entscheiden: 1. Wüste im Norden (Atacama), 2. Seen und Meer (Zentralchile), oder 3. Berge (Patagonien). Für Sebi und Sophia war klar – sie wollten in die Berge. Wir waren von der Wahl zunächst nicht allzu begeistert, denn wir würden uns immer eher für ‚warm und Strand’ als für ‚kalt und Berge’ entscheiden. Außerdem ist Wandern und Zelten nicht wirklich unser Ding. Dachten wir. Dank Sebi und Sophias Entscheidung und natürlich Dank der atemberaubenden Landschaft Patagoniens sollte sich dies jedoch bald ändern. Bevor es aber mit dem Flieger weit in den Süden nach Punta Arenas gehen sollte, hatten wir noch einen Tag Zeit uns Santiago anzuschauen und das Küstenstädtchen Valparaiso zu erkunden.

Santiago de Chile

Schlechtes Timing für eine Stadterkundung. Denn am 29. November war Wahltag. Und wenn in Chile gewählt wird, hat fast alles geschlossen. Spazierengehen geht immer und ist immer eine gute Möglichkeit einen Eindruck von der Stadt zu gewinnen. Und der ist auf jeden Fall positiv!

Valparaiso

Valparaiso ist ein Küstenstädtchen ca. 1½ Stunden Busfahrt von Santiago de Chile entfernt und ein absolutes Muss für alle Street-Art Fans. Von den vielen Hügel der Stadt, die dicht an dicht mit bunten Häusern bebaut sind, hat man eine tolle Aussicht auf die Bucht.

Wem es zu anstrengend ist, die Hügel zu Fuß zu erklimmen, setzt sich einfach in einen der uralten Seilbahnaufzüge (Ascensor).

In den unzähligen kleinen Gässchen findet man an jeder Ecke ein weiteres kleines Kunstwerk. Wer Street-Art mag, kann hier sicher einige Tage verbringen und hat sich immer noch nicht satt gesehen.

Wir hatten leider nur zwei Nächte, dann ging es von Valparaiso direkt zum Flughafen von Santiago und weiter nach Punta Arenas.

Punta Arenas

Erster Eindruck von Punta Arenas: windig! Und im Vergleich zu 30 Grad in Santiago auch ziemlich kalt. Und leider gab es um 19 Uhr keinen Bus mehr vom Flughafen in die Stadt. Und auch kein Taxi. Dafür ca. 30 Personen, die sich in winddichte Eckchen kauerten und nach einer Transportmöglichkeit Ausschau hielten. Bis jetzt haben wir eigentlich immer die Erfahrung gemacht, dass man von Taxifahrern überrannt wird, sobald man den ersten Schritt aus dem Flughafengebäude gesetzt hat. In Patagonien scheinen die Taxifahrer da ein bisschen weniger business-orientiert zu sein. Bzw. alles etwas entspannt angehen lassen. Warum sich auch Stress machen? Die Leute werden schon warten. Also warteten wir geduldig bis nach und nach das ein oder andere Taxi am Flughafen eintrudelte. Endlich im Taxi, endlich windstill. „Ganz schön viel Wind heute!“ meinten wir zu unserem Taxifahrer. „Wind? Ja, aber heute geht’s eigentlich.“ Alles klar. An den Wind mussten wir uns noch gewöhnen, denn der war ab diesem Tag unser ständiger Begleiter war.

Für Punta Arenas hatten wir zwei Nächte eingeplant. Das heißt wir hatten genau einen Tag um den die Stadt und die Gegend zu erkunden. Auf unserem Programm ganz oben stand: Pinguine gucken. Wir wussten, dass man von Punta Arenas eine Bootstour zur Insel Isla Magdalena machen kann, auf der ganzjährig eine riesige Kolonie Magellan Pinguine lebt, laut Reiseführer ein absolutes Muss für jede Reise nach Süd-Chile. Soweit so gut, allerdings kostete die Bootstour zur Isla Magdalena ca. 150 Dollar, pro Person, inklusive dem Risiko, dass die Tour wegen zu viel Wind gecancelt wird. Für unser Reisebudget und unserem Zeitmangel nicht grade das beste Angebot, also schauten wir nach Alternativen. Und wurden fündig. Wir bekamen den Tipp, dass man mit dem Auto in ca. 3 Stunden eine Kolonie Königspinguine erreichen kann. Da wir weder Magellan noch Königspinguine je gesehen hatten und für uns daher Pinguin erst mal gleich Pinguin war, haben wir uns gegen die Bootstour und für die Königspinguine entschieden. Fehlte also nur noch ein Auto. Und das zu finden war echt nicht leicht. Ende November ist zwar noch nicht Hauptsaison, aber dennoch bekamen wir von allen Autovermietungen dieselbe Antwort: Ohne Reservierung kein Auto. Erst bei der 4. Autovermietung hatten wir Glück und so konnten wir um die Mittagszeit endlich los. Auf nach Feuerland!

Drei Stunden pro Strecke war allerdings eine sehr optimistische Zeitangabe. Ok, wir haben auch kleinen Zwischenstopps für das ein oder andere Foto gemacht, aber inklusive Fähre nach Feuerland waren wir doch gute 5 Stunden unterwegs. Um 17:30 Uhr waren wir da und um 18 Uhr machte der Nationalpark zu. Trotzdem, 30 Minuten mit den Königspinguinen war es definitiv Wert!!

 

Und allein die Fahrt durch die karge Landschaft Feuerlands war ein Erlebnis für sich! Weils so schön war, hat die Rückfahrt dann auch direkt mal 8 Stunden gedauert! Denn.. die Fähre fuhr nicht! Warum? Wegen zu viel zu Wind! Scheint häufiger vorzukommen, denn alle Anderen in der kilometerlangen Schlange vor der Fähre wirkten ziemlich entspannt. Wann die nächste Fähre fährt, konnte uns niemand sagen. Also doch: die Fähre fährt, wenn der Wind nachlässt. In dem Moment war aber auf jeden Fall viel Wind. So viel Wind, dass unser Auto wackelte und wir die Türen des Autos kaum aufbekamen. Nach 3 Stunden wurde der Wind anscheinend etwas weniger (für uns allerdings nicht spürbar). Denn die Fähre fuhr wieder. Da die Fähre allerdings nur ca. 12 Autos und 6 LKWs laden konnte, dauerte es noch ca. eine weiter Stunde, bis wir Feuerland wieder verlassen konnten.

Puerto Natales und Torres del Paine

Da Sebi und Sophia in die Berge wollten, führte unser Weg am nächsten Tag weiter nach Puerto Natales. Puerto Natales, vom Lonely Planet treffend als Gore-Tex-Mekka bezeichnet, ist der Startpunkt für alle Trekkingtouren in den nahegelegen Nationalpark Torres del Paine. Eine Tour in den Park zu organisieren, ist auf jeden Fall gar nicht so leicht. Zunächst muss man sich entscheiden, welche Tour man machen möchte. Eine Variante ist der sogenannte O-Trek, der in ca. 8 Tagen einmal um die Berggruppe des Nationalparks herum führt. Die am häufigsten gewählte Variante ist jedochder W-Trek. Von der Südseite der Berggruppe wandert man in 3-5 Tagen zum Grey-Gletscher, ins French Valley, und zum Aussichtspunkt Torres del Paine. Der W-Trek wäre für uns also eine Option gewesen, allerdings haben wir immer wieder gehört und gelesen, dass man für die Nächte in den Campingplätzen eine Reservierung benötigt. Klingt sinnvoll, ist aber leider nicht so einfach. Denn es gibt 3 verschiedene Campingplatzanbieter. Bucht man also bei Campingplatzanbieter 1 die erste Nacht, kann es sein, dass Campingplatz 2 für die zweite Nacht bereits ausgebucht ist. Wenn man also wie wir nur ein sehr kleines Zeitfenster hat und nicht bereits Monate im voraus gebucht hat, wird es auch in der Vorsaison Ende November schwierig, alle passenden Reservierungen zu bekommen. Da wir auf jeden Fall die drei Bergspitzen am Aussichtspunkt „Mirador Torres del Paine“ sehen wollten, hatten wir uns zum Glück schon eine Nacht im Campingplatz Central gebucht. In unserem Hostel (Lili Patagonicos, sehr zu empfehlen!!) haben wir dann zum Glück einen super Tipp bekommen, wie wir auch mit nur einer Reservierung die Highlights des W-Treks sehen können. Denn am südlichen Ende des Parks liegt der Campingplatz Pehoé, für den man vorab keine Reservierung benötigt. Der Campingplatz liegt zwar nicht direkt auf der W-Trek-Route, aber man kann von dort Tagestouren zum Grey Gletscher und ins French Valley machen. Der Plan war also wie folgt:

Tag 1: Ankunft im Campingplatz Central, Zeltaufbau, kleiner Spaziergang und abends früh ins Bett

Tag 2: 2 Uhr aufstehen, 3-4 Stunden Aufstieg um den Sonnenaufgang am Mirador Torres del Paine zu sehen, Abstieg, Zeltabbau, Shuttlebus zum Campingplatz Pehoé, Zeltaufbau, kochen, schlafen

Tag 3: Ca. 1 ½ Stunden zum Anleger des Katamarans laufen, erstes Boot um 9 Uhr zum Campingplatz Paine Grande, Aufstieg ins French Valley, letztes Boot um 19 Uhr zurück

Tag 4: kleine Tour zum Kondor-Aussichtspunkt, Zeltabbau und Bus zurück nach Puerto Natales

Guter Plan. Fehlte nur noch die passende Ausrüstung, denn weil wir ja nicht gerne Campen gehen, hatten wir natürlich auch kein Zelt, keine Schlafsäcke, kein Campinggeschirr etc…

Sollte aber nicht so schwer zu besorgen sein, denn Puerto Natales gibt es mindestens so viele Verleihgeschäfte für Campingausrüstungen wie Hostels und Restaurants.

Es war dann aber doch nicht so leicht wie gedacht, da wie die Autos in Punta Arenas auch die Zelte in Puerto Natales bereits fast alle vergriffen waren. Und so mussten wir nehmen was übrig war. Ein 3-Personen-Zelt aus Verleih 1, ein 2-Personen-Zelt aus Verleih 3 und unser Hostel hatte noch einige Schlafsäcke und ein Sammelsurium an Kochgeschirr. Dann noch ein Großeinkauf

im Supermarkt und wir waren breit!

Wetterbericht für die kommenden Tage: Windig… was auch sonst!

Tag 1: Bis zum Campingplatz lief schon mal alles mehr oder weniger nach Plan. Nachdem wir mit dem Bus zum Parkeingang gefahren und den Eintritt bezahlt hatten, mussten wir zwar kurz in einer Art Sandsturm auf den Shuttlebus zum Camping Central warten und auf den letzten Metern zu Fuß zum Campingplatz wurden wir vom Wind fast von der Brücke in den Fluss geweht, aber wir sind schon mal heil angekommen.

Der erste Zeltaufbau bei ca. 100 km/h Windgeschwindigkeit fühlte sich zwar sehr nach Teambuilding-Maßnahme an, aber trotz kleinerer Zickereien haben wir aber auch diese Hürde erfolgreich gemeistert.

Da der Plan war in der kommenden Nacht zum Sonnenaufgang zum Mirador (Aussichtspunkt) zu laufen, haben wir uns schon an diesem Tag das erste Stück des Weges angeschaut, um nachts auch den richtigen Pfad zu finden. Nach und nach kamen uns immer wieder völlig erschöpfte Leute entgegen, teilweise mit Platzwunden im Gesicht und ein junges Mädel wurde auf dem Rücken zurück ins Camp getragen. Einer von ihnen war Fabian, den wir am Tag zuvor in unserem Hostel kennen gelernt hatten. Der berichtete, dass der Wind wohl so stark war, dass er mehrfach gestürzt und einmal fast einen Abhang hinunter geweht wurde. Das klang wirklich nicht nur nach Abenteuer, sondern das klang nach Lebensgefahr! Zwei hilfsbereite Ranger bestätigten unsere Einschätzung. Der Trek zum Aussichtspunkt war für den Rest des Tages gesperrt. Aktuell 150 km/h. Vorhersage für die Nacht 200 km/h. Sonnenaufgang am Aussichtspunkt daher für uns gecancelt.

Tag 2: Windig! Der Trek zum Aussichtspunkt immer noch geschlossen. Die gute Nachricht war immerhin, dass es auch ohne Reservierung kein Problem gewesen wäre, noch eine Nacht länger auf dem Campingplatz zu bleiben. Doch waren wir uns nicht sicher, ob wir das wirklich wollten. Der Boden unseres 3-Mann-Zeltes hatte sich über Nacht als nicht wasserdicht herausgestellt. Petras Schlafsack ist dadurch ziemlich nass geworden und auf dem Campingplatz gab es keine Stelle, an der man ihn zum Trocknen hätte aufhängen können. Außerdem stellte sich heraus, dass es seit dem morgen kein Trinkwasser mehr gab. Der Wind hatte soviel Staub in den Fluss befördert, dass das Wasser, das man sonst bedenkenlos trinken kann, zu sandig war. Und die überaus unfreundlichen und wenig hilfsbereiten Mitarbeiter konnten oder wollten dieses entscheidende Problem nicht lösen. Hinzu kam noch, dass auch die Toiletten nicht mehr benutzbar waren (um es nett auszudrücken). Außerdem konnte natürlich keiner sagen, wann der Wind nachlässt und ob am nächsten Tag ein Aufstieg möglich wäre. Daher Planänderung: Zeltabbau, rüber zum Campingplatz Pehoé, Tag 3 wie geplant mit dem Boot ins French Valley und an Tag 4 vielleicht ein neuer Versuch zum Mirador Torres del Paine.

Die bis dahin auf einen Tiefpunkt gesunkene Stimmung, wurde erst am Campingplatz Pehoé wieder etwas aufgehellt. Der super freundliche Campingplatzmitarbeiter führte uns über den direkt am Bergsee gelegenen Campingplatz.

Wir hatten die freie Wahl zwischen mehreren Zeltplätzen, die alle mit einem kleinen Unterstand, einer windgeschützten Grillfläche und einem Campingtisch ausgestattet waren. Die Toiletten waren sauber und das Wasser in den Duschen warm. Der nasse Schlafsack konnte über dem Kamin des Campingplatzmitarbeiters trocknen und Trinkwasser gab es natürlich auch. Der Campingplatz war also sehr gut, aber wir waren ja nicht hauptsächlich zum Campen da, sondern zum Wandern. Und da gab es wieder schlechte Nachrichten. Denn das Boot, das wir am nächsten Tag zum French Valley nehmen wollten, fuhr bereits seit drei Tagen nicht. Der Grund? Zu viel Wind!! Klar, was sonst. Ob das Boot am nächsten Tag fahren würde, konnte uns natürlich keiner sagen. Es fährt dann, wenn der Wind nachlässt. Alles klar. Danke.

Und noch eine schlechte Nachricht: Unser Plan am letzten Tag zum Mirador Torres del Paine zu wandern, würde auch nicht aufgehen. Denn der frühste Bus von Pehoé in Richtung Camping Central fuhr erst um 13 Uhr. Zu spät um noch am selben Tag zum Aussichtspunkt zu laufen und den letzten Bus zurück nach Puerto Natales zu bekommen. Es sah also schwer so aus als ob wir 3 Tage und 4 Nächte im Nationalpark verbringen würden, ohne auch nur eins der vielen Highlights zu sehen.

Da es auch nach erfolgreichem Zeltaufbau noch früh am Nachmittag war, haben wir dann an Tag 2 wenigstens noch eine kleine Miniwanderung von einem Stündchen zum Kondor-Aussichtspunkt gemacht. Die Aussicht war wirklich traumhaft und machte Lust auf mehr!

Abends am Kaminfeuer des Restaurants, machte uns Omar (der nette Campingplatzmitarbeiter), wieder etwas Hoffnung für unsere weiteren Wanderpläne. Er meinte, er könnte um 8 Uhr morgens noch einmal beim Bootsanleger anrufen. Wenn das Boot fahren sollte, könnte er uns dann für ein paar Pesos pünktlich fürs erste Boot zum Anleger fahren.

Tag 3: Die Nacht war kalt, aber Dank des Unterstandes wenigstens trocken. Und noch viel besser! Das Boot sollte nun doch fahren! Zwar nicht der große Katamaran für 80 Personen, aber wenigstens ein kleines 16-Personen-Bötchen. Also Tagesrucksack gepackt und auf zum Boot. Dort warteten bereits ein holländisches Pärchen und ein Italiener. Leider stellte sich der Italiener als Reiseleiter einer Reisegruppe von 16 Personen vor. Also wieder Pech und kein Platz für uns auf dem ersten Boot. Um halb 10 kam das Boot zurück und wir waren an der Reihe. Doch nicht ohne Warnung des Kapitäns. Mehrfach, auf Englisch und auf Spanisch, wiederholte er: „Es gibt keine Garantie, dass ich auch wieder zurück fahre. Es hängt vom Wind ab. Wenn der Wind…“. Wir ignorierten die Warnungen.

Endlich in den Bergen, endlich wandern. Auch wenn wir es an einem Tag nicht ganz bis zum Aussichtspunkt Britanico geschafft haben, war es ein absolut lohnenswerter Tagesausflug. Ständig wechselt die Landschaft und immer wieder hat man eine weitere atemberaubende Aussicht auf die Berge, ins Tal und auf den See.

Irgendwann mussten wir aber den Heimweg antreten, um rechtzeitig fürs letzte Boot zurück am Campingplatz Paine Grande zu sein. Schon auf dem Rückweg hatten wir das Gefühl, dass der Wind wieder stärker und das Wasser auf dem See deutlich aufgewühlter war als noch am Morgen. Und es kam wie es kommen musste: heute kein Boot mehr!! Zelte und Schlafsäcke hatten wir auf unseren Tagesausflug natürlich nicht mitgenommen und der Campingplatzbetreiber nutzte diese Situation schamlos aus, indem er 80 Euro pro Person für eine Nacht im Zelt verlangte. Das war auf jeden Fall auch keine Option. Also studierten wir noch einmal die Karte und fanden einen Wanderweg, der einmal um den See herum führte. Dieser war allerdings zwischen November und Februar gesperrt (man munkelt, dass man dadurch den 80-Personen-Katamaran lukrativer machen will). Dieser Wanderweg war 17 Kilometer lang und mit 5 Stunden angegeben. Zu dieser Zeit war es kurz nach 17 Uhr. Wir konnten es also schaffen noch vor Einbruch der Dunkelheit das Hauptgebäude der Ranger zu erreichen. Außerdem hatten wir für den Notfall noch Stirnlampen dabei. Zur Sicherheit hat Tobi unsere ungeplante Extra-Wanderung mit den Rangern besprochen. So wusste zumindest jemand Bescheid, dass wir auf dem geschlossenen Wanderweg unterwegs waren. Die Ranger hatten viel Verständnis für unsere Situation und haben uns wirklich sehr geholfen! Sie meinten, dass wir den Weg ruhig gehen könnten, aber dass uns auf jeden Fall jemand am Ende des Weges abholen sollte. Es gäbe auch die Möglichkeit, nicht die gesamte Strecke zu laufen, sondern uns schon auf halber Strecke abholen zu lassen. Dort lag ein verlassener Campingplatz, zu dem noch immer eine halbwegs befahrbare Straße führte. Also funkten die Ranger unseren Campingplatzbetreiber Omar an, der, freundlich und hilfsbereit wie er ist, sofort bereit war uns dort einzusammeln. Glück im Unglück kann man sagen und wir machten uns auf den Weg. Nicht nur zu viert sondern zu acht. Die aus der Not geborene Wandergruppe bestand aus uns Vieren, dem holländische Pärchen, das bereits am Boot vor uns stand und einem anderen deutsches Pärchen, das ebenfalls morgens mit uns auf dem Boot war. Wir saßen also nicht nur alle im selben Boot (haha), sondern haben uns auch auf Anhieb super verstanden! Und der Weg war super schön. Obwohl und allen die Anstrengung des Tages schon in den Knochen streckte, vergingen die ersten zwei Stunden wie im Flug! Es ging erst vorbei an steilen Klippen mit Blick auf den See und dann weiter über wunderschöne Hügel und Felder immer dem Ende des Regenbogens entgegen.

Dort wartete aber weder ein Topf voll Gold, noch eine richtige Straße. Den verlassenen Campingplatz hätten wir fast übersehen, da von ihm kaum mehr was übrig war und die Straße war, wenn überhaupt, eher ein Feldweg. Wir warten wie verabredet bis 21 Uhr. Kein Auto weit und breit. Als um 21:15 Uhr immer noch kein Auto zu sehen war, beschlossen wir dem der Straße zu folgen und dem Auto entgegen zu gehen. Nach einer weiteren Viertelstunde die erste Wirkliche Gruppenkrise, denn die Straße teilte sich! Rechts oder links? Wie in einem schlechten Horrorfilm standen wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit irgendwo in der Nähe eines verlassenen Campingplatzes. Und dann kam auch noch der Vorschlag die Gruppe zu teilen!! Nach kurzem hin und her, haben wir uns dann doch dazu entschieden zusammen zu bleiben und den linken Pfad weiter zu gehen. Wir liefen weiter, die Sonne ging langsam unter und wir wurden immer langsamer. Nach einer weiteren Stunde wieder Aufruhr in der Gruppe. Irgendjemand hatte irgendwas gesehen, was aussah wie ein Auto oder Scheinwerfer. Alle anderen sahen nichts; nur Feld und Wiesen in der unendlichen Weite Patagoniens. Um besser auf uns aufmerksam machen zu können, setzten wir die Stirnlampen. Und dann nach einer weiteren halben Stunde sahen wir es auch. Scheinwerfer, die auf der weit entfernten Hauptstraße auf und abfuhren. Das musste unser Omar sein!! Die Rettung war nah und als wir im Dunkeln endlich die Straße erreichten, fielen wir Omar erschöpft und überglücklich um den Hals!

Tag 4:

Man könnte meinen, dass wir nach den über 12 Stunden und den 35 Kilometern an Tag 3 nur noch die Zelte abgebrochen hätten, aber nein. Wir waren ja immer noch nicht am Aussichtspunkt Torres del Paine gewesen. Und das wollten wir uns nicht entgegen lassen. Glücklicherweise hatten die anderen unserer kleinen Wandergruppe des Vortages den gleichen Plan wie wir. Auch sie wollten am letzten Tag zum Mirador Torres del Paine und sie hatten Autos um uns mitzunehmen. Deshalb war wieder 6 Uhr aufstehen angesagt, Zeltabbauen und auf zum Torres. Um 8 Uhr war die Wandergruppe wieder vereint und es ging zwei Stunden gemächlich und dann noch mal 2 Stunden steil bergauf. Ich glaube auf den letzten Metern mussten wir alle schwer kämpfen, denn die Anstrengung des letzten Tages merkte man bei jedem Schritt. Aber wir haben es geschafft!

 

Nach unserer Rückkehr nach Puerto Natales war dann aber Erholungsprogramm angesagt. Zwei Tage einfach nur schlafen und essen.

Und nach einem wundervollen Abschiedsessen (Danke Sebi!!) mussten wir uns auch leider auch schon wieder von Sebi und Sophia verabschieden.

Für Sebi und Sophia ging es wieder nach Kölle und für uns weiter nach Argentinien.