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Daten und Fakten

Reisedauer: 35 Tage, 27. März 2018 – 30. April 2018

Reiseroute: Samaipata  Cochabamba  La Paz  Titicaca  La Paz  Rurrenabaque  La Paz  Uyuni

Highlights: wie zu Hause fühlen in La Paz, Dschungel im Norden und Salzwüste im Süden

 

Samaipata

1500 Meter über dem Meer: Nach der langen und beschwerlichen Busfahrt durch den Chaco bis nach Bolivien kamen wir erst abends in Santa Cruz an und blieben für eine Nacht. Am nächsten Tag ging’s aber direkt weiter mit einem Minibus bis in das kleine Dörfchen Samaipata in der Nähe des Nationalparks Amboro. Der Amboro Nationalpark hat eine besonders vielfältige Flora und Fauna, denn in ihm vereinen sich die Berge der Anden, die Savanne des Chacos, der Dschungel Amazoniens. Außerdem liegt in der Nähe von Samaipata „El Fuerte“, eine Inkaruine, an denen Siedlungsreste aus dem Jahr 1500 v. Chr. gefunden wurden. Im Zentrum der Ruinen befindet sich ein riesiger Sandsteinfelsen, in den Kanäle, Stufen und Tiere eingemeißelt wurden.

Auf Grund der getarnten Lage, vermuteten die spanischen Entdecker, dass es sich um eine Festungsanlage gehandelt haben muss und gaben ihr den heutigen Namen. El Fuerte ist aber nicht nur historisch interessant, es liegt auch malerisch auf einem Berg, so dass man von dort eine wunderschöne Aussicht auf die grüne Landschaft der Gegend genießen kann.

Leider hatte sich Petra aus Paraguay ein ungewolltes Souvenir mitgebracht. Eine Entzündung an einem der rechten Zehen, die sich nach einem langen Wandertag in El Fuerte deutlich verschlimmert hatte. Zum Auskurieren blieb leider keine Zeit, denn Ostern stand vor der Tür und alle Hostels in Samaipata waren für die kommenden Tage ausgebucht. Schweren Herzens mussten wir daher auf unseren Ausflug in den Nationalpark verzichten und fuhren am nächsten Tag weiter nach Cochabamba.

Cochabamba

2500 Meter über dem Meer: Die 8 Stunden Busfahrt von Samaipata nach Cochabamba verging wie im Flug, denn während der Bus sich über staubige Straßen über 1000 Meter hinauf kämpfte, hatte man immer wieder eine wunderschöne Aussicht auf grüne, wolkenverhangene Berge, kleine Dörfer und Felder, die auf beeindruckende Weise an steilen Hängen lagen.

In Chochabamba hatten wir eigentlich nur einen kleinen Zwischenstopp geplant, am Ende sind wir aber 4 Tage geblieben. Nicht weil Cochabamba so eine wunderschöne Stadt wäre, sondern weil wir Beide ziemlich angeschlagen waren. Petras Entzündung am Zeh wollte nicht so recht abheilen, Tobi hatte wieder Probleme mit seinen Mandeln und obwohl Cochabamba „nur“ auf 2500 Metern liegt, machte uns die Höhe etwas zu schaffen. Außerdem hatten wir die letzten 2-3 Wochen immer nur maximal 2 Nächte an einem Ort geschlafen und brauchten einfach mal eine kurze Pause. An Ostersonntag war in Cochabamba ein autofreier Tag und wir nutzten die Zeit, wie alle bolivianischen Familien, für einen Spaziergang durch die Stadt und über den Markt.


Und als wir uns endlich etwas an die Höhe gewöhnt hatten, wagten wir den Aufstieg zur Christusstatue von Cochabamba. Diese sieht zwar exakt so aus wie in Rio, ist aber mit 34 Metern ganze 4 Meter größer als ihr Zwilling in Brasilien. Nur in Polen steht übrigens eine noch größere mit 36 Metern.Über steile Treppen kämpften wir uns also den Berg hinauf, mussten aber immer wieder kleine Pausen einlegen, denn auf der Höhe schlug uns das Herz bis zum Hals. Oben angekommen, wurden wir mit einer tollen Aussicht und einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt.

Ansonsten verbrachten wir unsere Zeit in Cochabamba hauptsächlich in unserem sehr netten Hostel in netter Gesellschaft. Mit Nadine aus Österreich, Estelle aus Frankreich, Barnaby, der nach 2 ½ Jahren in wenigen Tagen nach Hause fahren würde, Anni, die sich in Cochabamba von einer Magenverstimmung erholte und Olli, der auf die Reparatur seiner Kamera warteten und die Zeit für einen Spanischkurs nutze. Wir verstanden uns alle so gut, dass wir alle (bis auf Barnaby natürlich) irgendwo in Bolivien geplant oder zufällig wieder treffen würden. Unser nächster Stopp in Bolivien war La Paz, weitere 1000 Meter höher.

La Paz

3400-4000 Meter über dem Meer: Der erste Eindruck von dem höchstgelegeneren Regierungssitz der Welt war sehr beeindruckend (in einer früheren Version stand hier Hauptstadt, die Hauptstadt ist aber natürlich Sucre). Mit dem Nachtbus näherten wir uns über die Hochebene der Stadt und im Morgengrauen erstreckte sich die Hauptstadt Boliviens über das Tal. Die ärmere Bevölkerung wohnt in „El Alto“ auf der Hochebene auf 4000 Meter, die reiche Bevölkerung im Süden der Stadt am unteren Ende des Tals, auf ca. 3400 Metern, in der „Zona Sur“. Zwischen beiden Stadtteilen am oberen Ende des Tals liegt das Zentrum und an beiden Hängen des Tales sieht man tagsüber dicht an dicht die unverputzte Backsteinhäuschen. Um dem Verkehrschaos im engen Tal entgegen zu wirken, wird in La Paz auf ein besonderes Verkehrsmittel gesetzt. Mittlerweile gibt es in der ganzen Stadt Seilbahnstationen und so kann man entspannt von Stadtteil zu Stadtteil schweben.

In La Paz haben wir für eine  gewisse Zeit ein neues zu Hause gefunden. Wir hatten nämlich das große Glück bei unserer Freundin Nicki zu wohnen. Nicki lebt seit über 2 Jahren in la Paz und hat uns herzlich in ihrem Haus aufgenommen. Das „kleine Häuschen“ im südlichen Stadtteil Obrajes teilt sich Nicki mit den zwei sehr netten bolivianischen Piloten Juan-Carlos und Xavier, den beiden Hündinnen Lotta und Flecky und zwei Hühnern. Mit so netten Mitbewohnern, dem schönen Garten und der tollen Aussicht fiel es uns nicht schwer uns direkt wie zu Hause zu fühlen. Trotzdem ging es uns die ersten paar Tage nicht besonders gut, denn wir mussten uns erst einmal an die kühlen Temperaturen und vor allem an die Höhe gewöhnen. Als wir nach zwei oder drei Tagen fitter fühlten, erkundeten wir zunächst das Zentrum. Eine Möglichkeit von unserem Stadtteil ins Zentrum zu „fahren“, war mit dem Teleferico (Seilbahn). Allerdings mussten wir, um zur Station zu gelangen, erst einmal den Berg an unserem Hause runter und dann an einer anderen Stelle wieder 15 Minuten bergauf laufen. Da bergauf laufen auf 4000 Metern besonders schwer fällt, haben wir uns dann doch meistens für eine Fahrt mit einem „Truffi“ entschieden. Truffis sind Minibusse die unterschiedliche Strecken durch die Stadt fahren und die man einfach, wie Taxis, an der Straße anhalten kann. Man steigt ein, fährt bis zu seinem gewünschten Ziel, sagt dem Fahrer Bescheid, wenn man aussteigen will und zahlt beim Aussteigen umgerechnet 30 Cent. Eine sehr einfache, günstige und außerhalb der Rush Hour auch schnelle Möglichkeit in La Paz von A nach B zu kommen.

5000 Meter über dem Meer: Mit Nicki haben wir aber nicht nur die Stadt selber, sondern auch das Umland erkundet. Wir haben die Hunde ins Auto gepackt und sind in die Berge in der Umgebung gefahren, um unseren ersten 5000er zu besteigen, den Chakaltaya. Am Chakaltaya befand sich bis 2009 das höchstgelegene Skigebiet der Welt, aber seit der Gletscher durch die Erderwärmung komplett verschwand, befinden sich dort nur noch die Ruinen des ehemaligen Skiresorts.

Die Straße dorthin gibt es aber noch, und so konnten wir entspannt bis 4900 Meter mit dem Auto fahren und mussten „nur noch“ die letzten 200 Meter bis zum Gipfel laufen. Auf über 5000 Metern merkt man aber auch auf kurzen Distanzen jeden Schritt und jede Steigung. Nur Lotta und Flecky schien die Höhe überhaupt nichts auszumachen und sie sprinteten den Hügel mehrfach auf und ab.

Von 4500 auf 1500 über dem Meer: Ein Tagesausflug von La Paz führte uns mit Fahrrädern rund 4000 Meter abwärts, nicht über irgendeine Straße, sondern über den „Camino de la Muerte“, die „Deathroad“, die „tödlichste Straße der Welt“. Den Titel der „gefährlichsten Straße der Welt“ erhielt die Straße in den 90er Jahren nicht ohne Grund. Jährlich verloren über 300 Menschen dort ihr Leben, weil Autos, Busse oder Laster auf der engen Straße in die Tiefe stürzten. Die einspurige Straße, die aber zweispurig befahren wurde, führt ohne Leitplanken an steilen Abhängen vorbei, Regen und Nebel führen zu geringer Sichtweite und durch Erosion muss jederzeit mit Steinschlägen gerechnet werden. Um Unfällen zumindest etwas entgegen zu wirken, herrscht auf der Todesstraße Linksverkehr. Das bietet zum einen den Vorteil, dass die oft schwer beladenen LKWs die aus der Amazonasregion kommen, an der etwas stabileren Bergseite fahren und zum anderen, dass der bergabfahrende Fahrer besser sehen kann, wie viel Millimeter ihm noch bis zum Abgrund bleiben.

Die Straße war trotz ihrer Gefahren immer viel befahren, denn es war lange Zeit eine der wenigen Verbindungen zwischen dem fruchtbaren Amazonasgebiet im Norden und dem Regierungssitz in La Paz. Im Jahr 2007 wurde endlich eine neue Straße eröffnet und seitdem gehört die Todesstraße den Touristen, die sich mit Mountainbikes auf die Strecke wagen.

Für Petra nicht ganz einfach, denn für Menschen mit Höhenangst sind einige Passagen eine echte Überwindung. Aber, wie Tobis Tante Willi immer zu sagen pflegte: eine landschaftlich wunderschöne Strecke. Da es rund 4000 Meter hinab führt, durchquert man alle Klimazonen Boliviens und wenn man nicht grade hochkonzentriert auf die Straße schaut, kann man die wechselnde Vegetation und wunderschöne Aussichten ins grüne Tal bewundern. Heil unten angekommen konnten wir bei einem späten Mittagessen noch etwas das tropisch-warme Wetter genießen, bevor es dann wieder zurück nach la Paz ging (zum Glück über die neue Straße!!)

Titicacasee

3800 Meter über dem Meer: Und jetzt alle Kölner!! „Die Vögelein, die Vögelein vom Titicacasee…“. Für alle nicht-Kölner: Es gibt in Köln einen sehr berühmtes Karnevalsleid über den Titicacasee. Jedes Kind kennt dieses Lied und so kennt auch jeder Kölner den Titicacasee. Zumindest den Namen, obwohl wahrscheinlich bei weitem nicht jeder weiß, dass es diesen See tatsächlich gibt und wo er liegt. Der westliche Teil des höchstgelegene schiffbare Gewässer der Welt liegt in Peru und der östliche Teil in Bolivien. Da der See nur 3-4 Busstunden von La Paz entfernt liegt, haben wir uns für einen kleinen 2-Tagesausflug mit leichtem Gepäck entschieden. Mit einem frühen Bus fuhren wir also erst einmal ca. 3 Stunden über die Hochebene Richtung Westen. Schnell vergisst man, dass man sich auf 4000 Metern befindet, denn weit und breit befindet sich nur plattes Land und in der Ferne sieht man die hohen Berge der Cordillera Real. Unser Ziel am Titicacasee war zunächst der kleine Ort Copacabana. Man könnte vielleicht vermuten, dass der Ort nach dem berühmten Stadtteil in Rio benannt ist, aber nein! Die Copacabana in Rio hat wahrscheinlich ihren Namen von dem Ort am Titicacasee erhalten. Bevor wir aber in Copacabana ankamen, musste der Bus mit Hilfe einer Art Holzfloß einen Seitenarm des Sees überqueren. Die Passagiere konnten glücklicherweise ein kleines, weniger abenteuerliches Boot nehmen.

In Copacabana angekommen gab es zum Mittagessen die Spezialität der Region: Trucha a la plancha (gegrillte Forelle). Gut gestärkt ging es wieder auf ein Boot, das uns auf die Isla del Sol (Sonneninsel) brachte. Die Insel ist in drei Gemeinden aufgeteilt. Leider dürfen Touristen, auf Grund von derzeitigen Konflikten zwischen den drei Gemeinden, nur den südlichen Teil der Insel bereisen.

Am Abend waren wir mit Nadine und Estelle, die wir in Cochabamba im Hostel kennen gelernt hatten, zum Sonnenuntergang gucken auf dem höchsten Punkt der Insel verabredet. Unsere Unterkunft befand sich ganz unten am Hügel, direkt am Hafen. Man kann sich das vielleicht zu Hause nicht so gut vorstellen, aber fast 300 Höhenmeter auf über 4000 Meter zu überwinden, ist anstrengend. Aber der Weg führte wunderschön über alte Inkastufen, vorbei an Gärten, kleinen Häuschen, Eseln und Lamas. Auf halber Strecke holten wir Nadine und Estelle an ihrem Hostel ab und nur ein paar Meter weiter entdeckten wir ein weiteres bekanntes Gesicht. Anni, die wir ebenfalls aus Cochabamba kannten und die ebenfalls auf dem Weg zum Sonnenuntergang war. Oben auf dem höchsten Punkt angekommen, wurden wir wieder mit einem tollen Ausblick auf den See und die dahintergelegenen Gebirgskette und einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt. Sobald die Sonne untergegangen war, wurde es sofort eisig kalt. Also blieben wir nicht mehr lang auf dem Hügel, sondern ließen den Abend bei leckerem Essen und einem heißen Muña Tee ausklingen.

Tag zwei auf der Isla del Sol nutzten wir um den Rest der Insel, bzw. des südlichen Teil der Insel zu umrunden. Nach 24 Stunden auf der Insel setzen wir uns wieder aufs Boot und es ging zurück „nach Hause“ nach La Paz.

La Paz

3400-4000 Meter über dem Meer: Immer wieder ein schönes Gefühl, an einen Ort zurück zu

kehren, den man schon kennt und an dem man sich zu Hause fühlt. Bei unserem kleinen Zwischenstopp in La Paz haben wir mit Nicki und den Hunden wieder einen kleinen Ausflug gemacht. Diesmal Richtung Süden in das Valle de las Animas, einem Tal mit sehr beeindruckenden Felsformationen.

Und es gab bei unserem kleinen Zwischenstopp ein Wiedersehen mit Severin, den wir in Uruguay kennen gelernt und schon in Brasilien wieder getroffen hatten.

Ein paar Tage später ging es dann zum Militärflughafen von La Paz. Für unsere Reise in den fernen Norden hatten wir uns nämlich gegen die gefährliche Straße über die Anden und für einen Flug entschieden. Am Flughafen wartete schon Olli, den wir in unserem Hostel in Cochabamba kennen gelernt hatten und der uns auf unserer Tour in den Dschungel begleiten würde. In der klapprigen umgebauten Transportmaschine, eine Focker aus den 70er Jahren, ruckelten wir an den Anden vorbei in Richtung Rurrenabaque.

Rurrenabaque

205 Meter über dem Meer: Immer noch in Bolivien, aber trotzdem eine ganz andere Welt: grün, warm und schwül anstatt hoch, trocken und kalt. Rurrenabaque ist ein kleiner Ort im Amazonasgebiet und ist der Ausgangspunkt für mehrtägige Touren in die Pampa und den Dschungel Boliviens. Wir hatten eine Empfehlung für die Agentur Madidi Travel und hatten bereits in La Paz 4 Tage und 3 Nächte im Dschungel Resort Serere gebucht. Das Resort befindet sich zwar nicht im Madidi Nationalpark, ist aber ein riesiges Areal mit primärem Regenwalt und durch den Privatbesitz der Agentur deutlich weniger überlaufen als andere Gebiete des Dschungels. Um zum Resort zu gelangen, fuhren wir zunächst 3 Stunden den Fluss Beni hinab. Ab dem kleinen Bootsanleger ging es mit Gummistiefel bewaffnet und verfolgt von den ersten Mosquitoschwärmen eine Stunde über matschige Pfade bis zu unserer Unterkunft.Olli und wir teilten uns einen Bungalow, dessen Außenwände nur aus Mosquitonetzen bestand. So hatte man nachts fast das Gefühl draußen im Dschungel zu schlafen. Im dreistöckigen Haupthaus der Anlage befand sich die riesige Küche, in der für die Gäste jeden Tag drei hervorragende Mahlzeiten gekocht wurden. Das Highlight des ersten Tages war auf jeden Fall unsere Nachtwanderung. Im Licht unserer Taschenlampen tauchten immer wieder  verschieden Insektenarten und vor allem Spinnen in jeder Form und Größe auf. Und im Geäst eines Baumes entdeckte unser Guide Roberto sogar eine Art Stachelschein.

Nach der aufregenden Nachtwanderung waren wir auf jeden Fall froh unter unseren Mosquitonetzen in unseren bequemen Betten zu liegen. Mit dem Morgengrauen wurden wir von einer Horde Brüllaffen geweckt, die wir zwar leider nie zu Gesicht bekommen haben, aber immer in der Ferne brüllen hörten. Am Haupthaus wartete schon unserer Frühstück und ein dicke Überraschung. Vorm Haus stand ein dickes Tapir und schaute uns mit seinen kleinen Kulleraugen an.

Der Tapir wurde als Baby von der Resortbesitzerin auf einem Markt gefunden. Da die Mutter von Wilderern getötet wurde, nahm sie den Tapir bei sich auf uns zog ihn mit der Flasche groß. Obwohl er frei im Wald lebt, kommt er doch gerne ab uns zu bei seiner Ersatzfamilie vorbei, um sich am Kompost zu bedienen oder sich von den Touristen die dicke Haut kraulen zu lassen. Neben dem Tapir war das Highlight des zweiten Tages unsere Kanufahrt über den Hauseigenen See. In einem kleinen Ruderboot paddelte Roberto mit einem Paddel, einer aus der Gruppe mit dem anderem Paddel und einer schöpfte mit einer Plastikflasche das Wasser aus dem Boot, das kontinuierlich über einen Riss ins Boot eindrang.

Vom Wasser aus konnten wir in den Bäumen Affen beobachten, die sich von Ast zu Ast schwangen. Außerdem entdeckten wir mehrere Serere Vögel. Sereres sind eine ganz besondere Vogelart, die mit keiner anderen Vogelart verwandt sind und die wahrscheinlich von prähistorischen Vögeln abstammen. Sie sind keine besonders guten Flieger und ähneln in ihren Bewegungsabläufen eher aufgeschreckten Hühnern. Dafür können sie sich aber gut verstecken, so dass keinem von uns ein gutes Foto von den Tieren gelingen wollte.

An Tag drei unserer Dschungeltour ging es zunächst wieder aufs Kanu bis ans andere Ende des Sees. Von dort schlugen wir uns durch den Dschungel bis zu einem weiter entfernten See, in dem man laut Roberto die größten Piranhas angeln kann. Auch wenn die Regenzeit bereits vorbei war, stand das Wasser im Dschungel teilweise so hoch, dass es uns bis knapp unter den Rand der Gummistiefel stand und wir uns ein einigen Stellen nur in kleinen Schrittchen vorwärts bewegen konnten, um keine nassen Füße zu bekommen.

Endlich am anderen See angekommen, mussten wir leider feststellen, dass das dort liegende Kanu von Wilderern geklaut wurde. Und als ob das nicht schon Unglück genug gewesen wäre, fing es auch noch an zu regnen. Roberto schien dies nichts auszumachen, baute aus ein paar Blättern einen kleinen Regenunterstand für uns und verschwand dann hinter einem Busch am Ufer des Sees. Als wir trotz Regenschutz und Regenponchos komplett durchnässt waren, schaute Tobi nach, was Roberto so lange am Ufer machte. Der stand nass aber glücklich am Ufer und zog mit einer Schnur einen Piranha nach dem anderen aus dem Wasser. Da wir ja nun eh schon alle bis auf die Unterhose nass waren, gesellten wir uns dazu und spickten unsere Haken mit rohem Fleisch. Während Olli damit anscheinend nur die Piranhas fütterte, konnte Tobi seine Anglerkünste unter Beweis stellen, allerding nicht ohne einen kleinen Schaden davon zu tragen. Ein kleiner Piranha wollte nicht vom Haken befreit werden und biss Tobi einmal kräftig in den Finger (der kleine vorne auf dem Teller ;)).

Auf dem Heimweg hatte sich der gesamt Dschungel in einen riesigen See verwandelt. Während uns auf dem Hinweg das Wasser bis zum Gummistiefelrand stand, war klar, dass ab jetzt kein Stiefel trocken bleiben würde. Roberto versuchte sein Bestes und baute aus Ästen und kleinen Bäumen Brücken, die unsere Füße trocken halten sollten. Am Ende war es uns eh egal. Das Regenwasser war uns eh schon in die Stiefel gelaufen und so machte das bisschen Matschwasser den Braten auch nicht mehr fett. Erst in der Dämmerung erreichten wir unser Kanu und als wir am Resort ankam, war es bereits dunkel.

An unserem letzten Tag machten wir uns mit Roberto noch einmal auf die Suche nach den Brüllaffen, leider ohne Erfolg. Dafür endeckten wir eine kleine Boa, die sich nach dem Regen des Vortages auf einem Ast aufwärmte. Nach dem Mittagessen mussten wir Serere leider wieder verlassen.

Am Haus stand der Tapir, als ob er uns tschüss sagen wollte. Eine andere Gruppe wollte grade mit dem Kanu aufbrechen, als deren Guide bemerkte: „Tapir in Boat, big problem“. Alle dachten an einen Scherz, bis der Tapir sich langsam aber zielstrebig in Richtung See aufmachte. Der Guide im Boot wurde immer nervöser und spornte die Touristen im Boot an „Go, go, go!!“ Erst als der Tapir im Wasser war und auf das Boot zu schwamm wurde allen klar, der Tapir wollte wirklich mit ins Boot! Ich habe noch nie jemanden so schnell paddeln und einen Tapir so schnell schwimmen sehen. Man traut es diesen dicken, gemächlichen Tieren nicht zu, aber sie sind hervorragende Schwimmer. Daher sollte man sich immer merken: Tapir in boat, big problem!

Insgesamt war unser Ausflug in den Regenwald Boliviens ein absolutes Highlight unserer Südamerikareise und wir fuhren am Nachmittag glücklich und voller neuer Eindrücke zurück nach Rurrenabaque.

Dort angekommen, wollten wir eigentlich am nächsten Tag zurück nach La Paz fliegen. Unser Flug wurde aber kurzfristig gestrichen und so mussten wir ein paar Tage länger in Rurrenabaque bleiben. Nach der anstrengenden Zeit im Dschungel ließ es sich aber in den Hängematten des Hostels sehr gut aushalten.

La Paz

3400-4000 Meter über dem Meer: Ein letztes Mal La Paz. Unsere schöne Zeit dort ließen wir bei einem gemütlichen Grillabend mit Nicki und den Hunden ausklingen.

Dann ging es mit dem Nachtbus weiter nach Tupiza, einem kleinen Ort im Südosten des Landes. Denn ein Highlight einer jeden Bolivienreise fehlte noch: die riesige Salzwüste „Salar de Uyuni“.

Salar de Uyuni

2000 bis 4000 Meter über dem Meer: Die meisten Touren zum berühmten Salzsee starten in der Stadt Uyuni, doch wir hatte von denselben Reisenden, die uns schon Madidi Travel empfohlen hatten, eine Empfehlung für einen Touranbieter, der die Tour in Tupiza startet. Die Tour startete schon mal sehr gut. Mit zwei französischen Mädels hatten wir eine sehr nette Gruppe und unser Guide Christobal machte einen super Eindruck. Komplettiert wurde die Gruppe von Christobals Frau Noemi, die als Köchin mit an Bord war. Nur das Auto machte Tobi vom ersten Tag an sorgen. Es hatte seine besten Tage schon hinter sich und über die Frontscheibe zog sich ein riesiger Riss der notdürftig mit Münzen und Kleber geflickt wurde.

Aber würde schon alles gut gehen. Tag 1 der Tour verbrachten wir größtenteils im Auto, aber nicht auf irgendeiner Straße, sondern auf der Original Really Dakar Strecke, die seit 2009 in Südamerika statt findet. Mit unserem alten Nissan waren wir zwar nicht ganz so schnell unterwegs, dafür konnten wir aber umso mehr die spektakuläre Aussicht genießen.

Tag 2 der Tour verbrachten wir im Nationalpark in der Nähe von der chilenischen Grenze. Wir fuhren den ganzen Tag von einem Naturschauspiel zum anderen. In der Laguna Colorada, deren Farbe durch eine bestimmte Algenart in rot erstrahlt, tummelten sich hunderte Flamingos und aus den Geysiren brodelte Schlamm, Wasser und Dampf.

 

Die Mittagspause verbrachten wir gemütlich in den nahegelegenen heißen Quellen, während Noemi ein köstliches Mittagessen zauberte. Kurz vor unserer Unterkunft für die zweite Nacht, kam es dann so wie Tobi es schon von Anfang an befürchtete. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit, blieb unser Auto liegen. Christobal war zuversichtlich das Problem schnell zu beheben und winkte alle Jeeps durch, die anhielten um zu helfen. Irgendwann kamen keine anderen Jeeps mehr, es war dunkel, und wir stellten uns schon auf eine kalte Nacht inmitten der Wüste ein, als Christobal wenigstens den ersten Gang wieder rein bekam. Erleichtert tuckelten wir im ersten Gang die letzten Kilometer bis ins nächste Dorf. Bis spät in die Nacht hörten wir Christobal noch am Auto rumschrauben, nach Erfolg klang es aber leider nicht. Für uns war dies das Zeichen schon einmal darüber nachzudenken, wie wir ohne Auto unsere Tour fortsetzen oder zumindest unser Geld wieder bekommen könnten. Beim Frühstück verkündete Christobal dann das Erwartete. Das Auto war nicht so schnell zu reparieren und mit dem alten Nissan würden wir nicht weiter fahren können. Aber!! Über Nacht hatte der Touranbieter ein neues Auto organisiert, das bereits unterwegs war und jede Minute eintreffen würde! Und kurz darauf stand ein Toyota Landcruiser vor der Unterkunft.

Der hatte dann zwar direkt einen Platten, aber nach kurzer Reparatur konnte es weiter gehen. Wir kletterten auf und durch Steinformationen, fuhren zu einer von Algen schwarz gefärbten Lagune und zu mehreren Aussichtpunkten, bevor wir abends das Ziel der Tour erreichten, den Rand des riesigen Salzsees.

Dort übernachteten wir stilecht in einem Salzhotel (Bett, Tische, Stühle: alles aus Salz!). Ein Highlight der Tour war der Sonnenuntergang am Salzsee. Im Spiegelglatten See spiegelten sich auf der einen Seite die rot und lila erleuchteten Wolken. Auf der anderen Seite ging die Sonne langsam unter und der Vollmond ging auf.

Am letzten Tag der Tour ging es rauf auf den Salzsee. Das heißt zunächst durchs Wasser und dann durch die unendlich erscheinenden Weiten aus reinem Salz.

Weit entfernt konnten wir einen kleinen schwarzen Punkt erkennen, der sich beim Näherkommen als Insel inmitten der Salzwüste herausstellte. Die Insel ist dicht an dicht mit hunderte Jahre alten und riesigen Kakteen bewachsen und man hat von oben eine einmalige Aussicht auf den Salar.

Ein Klassiker jeder Uyuni Tour ist ein Fotoshooting mitten auf dem Salzsee. Da man dort keinerlei Referenzpunkte hat, entstehen auf Fotos lustige optische Täuschungen. Hier mal eine kleine Auswahl:

Vier wundervolle Tage endeten am Nachmittag in der weniger schönen Stadt Uyuni. Abends waren wir mit Camille und Antoine, einem französischen Pärchen, das wir an einem Zwischenstopp der Uyuni-Tour kennen gelernt hatte, zum Abendessen verabredet, um unsere gemeinsamen nächsten Tage zu planen. Denn die Beiden hatten zufällig den gleichen Plan wie wir. Am Nächsten Tag mit dem Bus nach Chile fahren und mit einem Mietauto die Atacamawüste erkunden.