Startseite » Argentinien

 

Argentinien (Teil 2)

Daten und Fakten

Reisedauer: 8 Tage, 28. Dezember 2017 – 05. Januar 2018

Reiseroute: Buenos Aires

Highlights: Bomba de Tiempo

 

Buenos Aires

Buenos Aires, eine Metropole mit rund 3 Millionen Einwohnern, gutes Essen, hippe Leute und viel gute Partys. Dafür ist Buenos Aires bekannt und deshalb die perfekte Stadt, um Silvester zu feiern. Dachten nicht nur wir, sondern auch unser lieber Freund Basti, der spontan mit Freundin Jana über die Neujahrsfeiertage aus Deutschland einflog. Und so verabredeten wir uns für den 31. Dezember zunächst auf ein kühles Bierchen in unserer AirBnB Wohnung im hippem Stadtteil San Telmo, um von dort in den Abend zu starten. Wenn man schon mal in Argentinien ist, wollten wir uns zum Einstieg in den Abend ein leckeres argentinisches Rindersteak gönnen und uns dann durch die vielen Bars und Kneipen der Stadt treiben lassen. Doch in San Telmo war, anders als noch am Vorabend, überhaupt nichts los auf den Straßen, das Steakrestaurant hatte geschlossen und auch keine Bar war offen. Sehr mysteriös, aber vielleicht sind ja alle Menschen in der Innenstadt und feiern dort das Ende des Jahres. Also ab ins Taxi und auf nach Palermo, der Stadtteil fürs Restaurants und Bars in Buenos Aires. Aber auch auf dem Weg dorthin, lagen alle Straßen im dunkeln, alle Shops hatten zu, kein Mensch weit uns breit. Und als wir dann gesehen haben, dass selbst McDonalds geschlossen hatte, wurden wir langsam nervös. Das konnte ja nun wirklich nicht wahr sein, dass in einer Metropole wie Buenos Aires kein Silvester gefeiert wird!! Wo waren alle Menschen? Auch in Palermo war fast alles geschlossen. Nach langem suchen fanden wir endlich ein Restaurant, das geöffnet hatte. Nach einer Stunde warten, bekamen wir endlich einen Tisch. Um 12 Uhr warteten wir aber immer noch auf unser Essen. Dafür wurde der Kirmestechno so laut aufgedreht, dass man sich nicht mehr unterhalten konnte. Unzufrieden, mit leerem Magen und mittelmäßigem Rotwein begrüßten wir das neue Jahr. Silvester in Buenos Aires war auf jeden Fall bis jetzt mit Abstand die größte Enttäuschung der Reise. Aber schön, dass wir den Abend mit Jana und Basti wenigstens in sehr netter Gesellschaft verbracht haben. Geteiltes „Leid“, war in dem Fall ein sehr guter Trost. Später haben wir erfahren, dass der Jahreswechsel in Argentinien meist mit der Familie und Freunden zu Hause gefeiert wird und viele über die Feiertage aufs Land oder ans Meer fahren. Wir können uns nicht erinnern, wann wir das letzte mal an Silvester um 1 Uhr im Bett waren und wann wir das letzte Mal am 1.1. so fit waren. Zu unserem Glück, fiel der 1.1. in diesem Jahr auf einen Montag. Denn an jedem Montag ist in Buenos Aires die Konzertreihe Bomba de Tiempo. Ein improvisiertes Trommelkonzert, das mit Sambaklängen schnell zu einer riesigen Party wird. Für Jana, Basti und uns die absolute Entschädigung für den frustrierenden Silvesterabend!!

Auch in den nächsten Tagen war in Buenos Aires nicht viel los, aber wir haben aus unserer Zeit das Beste gemacht. Sehr gut gefallen hat uns auf jeden Fall der Besuch im Museum für Moderne Kunst, in dem zufällig an jedem Dienstag freier Eintritt und eine kostenlose Führung ist.

Und sehr gut gegessen haben wir in Buenos Aires auch. Neben Steaks ist „Choripan“ in Argentinien der ein absoluter Klassiker. Choripan ist eine grobe, gegrillte Rindswurst, die in einem Brötchen und mit der Gewürzpaste Chimichurri gegessen wird. Sehr gut kann man Choripan an der Promenade hinter dem Stadtflughafen essen, und den Mittagssnack mit einem gemütlichen Spaziergang an der Promenade verbinden.

Spazieren kann man in Buenos Aires natürlich auch durch die vielzähligen Parks. Dort kann man unter anderem die Floralis Generica bewundern, eine riesige metallene Blume, die sich je nach Sonnenstand täglich öfnnet und wieder schließt.

Ein weiterer netter kleiner Ausflug ist zum 200 Jahre alten Gummibaum in Recoleta, dessen Äste so groß und schwer sind, dass sie gestützt werden müssen.

Und Petras Geburtstag haben wir auch sehr schön verbracht. Mit dem Zug ging es zunächst eine Stunde bis ins Tigredelta, dem Naherholungsgebiet von Buenos Aires. Wer das nötige Kleingeld hat, besitzt entweder ein eigenes Haus an einem der unzähligen Flüsschen des Deltas oder mietet sich eine passende Unterkunft fürs Wochenende. Wir haben eine sehr schöne Bootstour und einen gemütlichen Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein bemacht und Petra war einfach nur happy, dass sie endlich mal im Sommer Geburtstag hatte. Den schönen Gebuttstag haben wir dann bei einem ganz besonderen Essen ausklingen lassen. Wir waren in Guidos Bar, einem kleinen italenieschen Restaurant in Palermo. Das besondere Konzept: es gibt keine Speisekarte! Der Kellner fragt nur: rot oder weiß? Und kurz darauf hatten wir eine Flasche Rotwein und eine mehrere Vorspeisen auf dem Tisch. Auch Hauptspeise und Nachspeise sucht man sich nicht aus, sondern werden einfach serviert. Alles super lecker!! Die Idee des Konzeptes ist, dass es Guido immer so Schade fand, dass sich die Leute viel zu sehr mit der Speisekarte beschäftigen, anstatt den Abend zu genießen. Für uns, die sich ja prinzipiell immer schwer entscheiden können, auf jeden Fall ein sehr gutes Restauratnkonzept!

Also ingesamt hatten wir in Buenos Aires eine gute Zeit und wir kommen bestimmt noch mal wieder. Aber auf keinen Fall an Silvester!

 

Argentinien (Teil 1) 

Daten und Fakten

Reisedauer: 10 Tage, 2. Dezember 2017 – 12. Dezember 2017

Reiseroute: El Calafate  El Chaltén  Perito Moreno  Los Antiguos

Highlights: Hitchhiken über die Ruta 40 und Trekking in El Chaltén

 

Über Rio Turbio nach El Calafate

Nach Puerto Natales in Chile war unser nächstes Ziel El Calafate, auf der argentinischen Seite Patagoniens. Also führte unser Weg über die Grenze in dem kleinen Ort Rio Turbio. Um unser Budget nach zwei Wochen Chile etwas zu schonen und weil wir gehört hatten, dass Hitchhiken in Patagonien einfach und sicher ist, haben wir „Rio Turbio“ auf ein Schild und „Argentina“ auf ein Zweites geschrieben und uns morgens an die Tankstelle am Ortsausgang von Puerto Natales gestellt. Nach nur 10 Minuten der erste Erfolg. Eine ältere Dame hielt an und nahm uns mit. Leider war die Fahrt nach nur 500 Metern schon wieder vorbei. Auch wenn wir in unserer ersten Fahrt per Anhalter nur ein kleines Stück gefahren sind, war dies doch ein erster Erfolg und wir waren zuversichtlich schnell weiter zu kommen. Und so war es auch. Nach einer kurzen Wartezeit nahm und ein französisches Ehepaar ein paar Kilometer bis zur nächsten Kreuzung mit. Von dort aus ging es weiter mit einem chilenischen Schäfer bis nach Rio Turbio. Den letzten Kilometer bis zur und über die Grenze konnten wir laufen. Und schon waren wir in Argentinien. Da in Rio Turbio nicht besonders viel Grenzverkehr herrscht, mussten wir dort zum ersten Mal etwas länger warten, aber nach ungefähr einer Stunde ging es mit einer Gruppe französischer Mädels weiter bis zur Kreuzung kurz vor El Calafate. Kaum raus aus dem Wagen hielt auch schon der nächste kleine Minibus. Ein Tontechniker, der nach einer „Jack Johnson Südamerika Tour“ ein paar Wochen frei hatte und mit seiner Freundin durch Patagonien reiste. Und die setzten uns direkt vor unserem Hostel ab. Der Bus braucht ungefähr 5 Stunden für die Strecke; wir waren in 5 ½ Stunden da. Das Hitchhiken so gut funktioniert, hätten wir auch nicht gedacht und so wurde es zum Transportmittel der Wahl in Argentinien.

El Calafate

El Calafate als Ort hat uns weniger gut gefallen. Es besteht vor allem aus Restaurant und Hotels und wirkt nicht natürlich gewachsen, sondern irgendwie künstlich. Aber wie der Ort selber, waren auch wir hauptsächlich wegen des Gletschers Perito Moreno da. Der Perito Moreno Gletscher ist einer der wenigen Gletscher, die sich in den letzten Jahrzehnten nicht zurückgezogen haben. Er ist mit ca. 250 Quadratkilometern einer der größten Gletscher des Nationalparks „Campo de Hielo Sur“ und die riesige Gletscherzunge mündet auf beeindruckende Weise in den See Lago Argentino. Das wollten wir uns unbedingt ansehen. Die 30 Euro für die Busfahrt hin und zurück wollten wir uns allerdings sparen. Da wir gute Erfahrungen mit Hitchhiken gemacht hatten, stellten wir uns also wieder morgens an die Straße. Und wieder hatten wir schnell Glück. Ein brasilianisches Pärchen hielt an und fragte nicht wo wir hin wollten, sondern ob wir uns nicht irgendwoher kennen würden. Und so stellte sich heraus, dass wir zusammen im selben Boot in Puerto Natales gesessen hatten. Was für ein Zufall und was für ein Glück für uns, denn so hatten wir eine sehr nette Mitfahrgelegenheit bis in den Nationalpark. Die Beiden hatten zwar eigentlich eine Gletscherwanderung gebucht, wollten sich aber, genau wie wir, vorher den Gletscher von unten anschauen. Am Ende der Gletscherzunge, die in den See mündet, befinden sich Plattformen, die in kleinen Wanderwegen an der Gletscherzunge vorbei führen. Die Sicht von dort auf den bis zu 70 Meter hohen Gletscher ist wahnsinnig beeindruckend.

Noch beeindruckender sind aber die Geräusche des Gletschers. Man hört richtig, dass der Gletscher ständig in Bewegung ist. Unter mächtigem Donnern und Grollen, wie bei einem Abgang einer Lawine, brechen immer wieder haushohe Eisblöcke von der Seite des Gletschers ab und schlagen im See riesige Wellen.

Wir hätten bestimmt noch stundenlang zuschauen können, aber da wir ja noch nicht wussten, ob und wie wir zurück nach El Calafaten kommen, haben wir uns um die Mittagszeit wieder auf den Weg nach zur Straße gemacht. Um unsere Chancen auf eine Mitfahrgelegenheit zu erhöhen, sind wir noch zwei Kilometer zum Anleger für die Bootstouren spaziert. Ständig kamen uns Autos und Busse entgegen, aber keiner schien um diese Uhrzeit schon zurück in die Stadt zu fahren. Also mussten wir zum ersten Mal richtig lang warten. Erst nach 3 Stunden hielt endlich ein Auto. Es waren wieder unsere brasilianischen Freunde. Allerdings wollten sie noch nicht zurück nach El Calafate, sondern nach ihrer Trekkingtour erst noch einmal zu den Plattformen. Anstatt auch wieder zurück zu den Plattformen zu fahren, haben wir uns dazu entschieden an der Stelle zu bleiben und auf eine frühere Mitfahrgelegenheit zu warten. Zumindest wussten wir jetzt, dass wir auf jeden Fall irgendwann wieder zurück genommen werden. Für Tobi, der bereits nach 30 Minuten ganz ungeduldig war, hatte diese Gewissheit eine sehr beruhigende Wirkung. Und schon nach kurzer Zeit hielt das nächste Auto. Drei Argentinierinnen teilten mit uns ihr Auto, ihren Mate und viele Informationen über Flora und Fauna des Nationalparks. Eine der Argentinierinnen arbeitete nämlich im Nationalpark und die anderen Beiden für das Tourismusministerium in Buenos Aires. Ziel ihres beruflichen Kurztrips war neben dem Nationalpark Perito Moreno auch El Chaltén. Als wir erwähnten, dass El Chaltén auch unser nächstes Ziel war, wurde uns direkt angeboten uns mitzunehmen. Allerdings würden sie „muy temprano“ (sehr früh) fahren, schon um 7 Uhr. Für uns natürlich überhaupt kein Problem, sondern ein riesiger Glücksfall! Und so ging es am nächsten Tag weiter nach El Chaltén. Die 3 Stunden waren nicht nur Transport, sondern eher eine richtige Sightseeingtour. Wieder bekamen wir ausführliche Informationen über die Gegend, Land und Leute und immer wieder wurde für uns angehalten, um Fotos machen zu können.

Nach zwei Wochen Chile, waren wir außerdem stolz, endlich wieder etwas zu verstehen, wenn mit uns Spanisch gesprochen wurde (bei Chilenen hat selbst ein Spanier keine Chance!). Unser Spanisch war also auf gutem Wege.

El Chaltén

El Chaltén liegt malerisch in einem Tal am Fuße des Berges Fitz Roy. Das Gute an dem Nationalpark ist, dass man von El Chaltén Tagestouren machen kann und nicht unbedingt Campen muss.

Wir wollten aber gerne den Sonnenaufgang an der Lagune am Mirador Fitz Roy sehen, der den Berg früh morgens in besonderem Licht erstrahlen lässt. Also haben wir uns wieder Zelt und Schlafsäcke gemietet und sind für zwei Nächte in die Berge.

Am ersten Tag zunächst mit vollem Gepäck bis zum Campingplatz in der Nähe des Aussichtspunktes Fitz Roy, Zeltaufbau, Kochen und früh ins Bett, denn zum Sonnenaufgang muss man bekanntlich früh raus. Und so haben wir uns um 3:30 Uhr mit leichtem Gepäck und Stirnlampen auf den Weg gemacht. Verschwitzt und etwas abgekämpft waren wir weit vor Sonnenaufgang am Aussichtspunkt. Und so mussten wir noch über eine Stunde bei Eiseskälte ausharren bis endlich das erste Tageslicht zu sehen war. Leider oder auch zum Glück war der Himmel an diesem Morgen etwas bewölkt. Das machte zwar den Sonnenaufgang wunderschön, aber die Wolken verhinderten, dass die Sonne den Fitz Roy in rotem Licht erstrahlen ließ.

 

Trotzdem war der Morgen wunderschön und wir sind länger als geplant geblieben, sind über Schnee und Felsen geklettert, haben den die Spiegelung im See bewundert und sogar noch eine zweite tiefblaue Lagune entdeckt.

Nach dem Abstieg sind wir noch kurz zu einem weiteren Aussichtspunkt auf einen Gletscher gewandert, bevor wir unser Zelt abgebaut und zum nächsten Campingplatz gelaufen sind. Schon auf dem Weg dorthin fing es an zu regnen. Und es hörte leider auch gar nicht mehr auf. Der Zeltaufbau im Regen lief dann auch wenig harmonisch und wir mussten uns eingestehen, dass wir am nächsten Morgen bei Regen und Wind wohl nicht den Sonnenaufgang am Cerro Torre sehen werden. Eingemummelt in die Schlafsäcke, wollten wir lieber länger schlafen und dann am Vormittag den Aufstieg zum Mirador Cerro Torre wagen. Doch auch daraus wurde nichts. Es hörte zwar auf zu regnen, dafür kam aber mal wieder Wind auf. Dazu muss man sagen, dass es in unserer Zeit in Patagonien NIE windstill war, aber es an diesem Tag eben mal wieder besonders windig. So windig, dass wir uns richtig in den Wind lehnen konnten, ohne vornüber zu fallen. Die 200 Meter über einen Steinkamm zu laufen, erschien uns unter den Bedingungen unmöglich.

Bei unseren Versuchen mussten wir uns alle paar Meter hinsetzen, um nicht heruntergeweht zu werden. Der Berg lag außerdem in den Wolken und so mussten wir irgendwann einsehen, dass der Wind in Patagonien einfach manchmal Dinge unmöglich machen. Daher haben wir gegen Mittag den Heimweg nach El Chaltén angetreten und sind bei feinstem Sonnenschein wieder im Dorf angekommen. Ein oder zwei Tage wollten wir noch in El Chaltén bleiben, um uns auszuruhen und Wäsche zu waschen. Aber wir hatten zum ersten Mal auch keine Idee, wie es danach weiter gehen sollte. Der grobe Plan war ursprünglich nach Bariloche zu fahren. Bariloche befindet sich 1300 Kilometer nördlich von El Chaltén und ist bekannt für seine Große deutsche Gemeinde (der sich nach dem 2. Weltkrieg mehrere ehemalige SS Männer anschlossen), die wohl sehr leckere Schokolade und natürlich Wandergebiete. Bei unserer Recherche, wo wir den ein oder anderen Zwischenstopp machen könnten, mussten wir allerdings feststellen, dass auf der Strecke nicht viel ist außer Pampa. Alle anderen Reisenden, die weiter nach Norden fuhren, wollten auf der chilenischen Seite über die sogenannte Carretera Austral fahren. Diese erst in den 80er Jahren erbaute Straße, führt von O’Higgins, das etwa auf der gleichen Höhe wie El Chaltén liegt, bis nach Puerto Montt. Auf dem Weg liegen kleine malerische Dörfchen und Nationalparks, also reichlich Möglichkeiten für interessante Zwischenstopps. Das Problem war nur, dass es schon der 10.12. war und wir zu Weihnachten mit Petras ehemaliger chilenischen Kollegin und deren Familie verabredet waren, um gemeinsam Weihnachten in Neltume (nördlich von Puerto Montt) zu feiern. Zwei Wochen klingt zwar erst einmal viel, aber auf der Carretera Austral fährt nicht jeden Tag ein Bus und wann, wo, welcher Bus fährt, dass konnte uns leider keiner sagen. Trotzdem klang die Route deutlich interessanter als die Ruta 40 auf der argentinischen Seite und daher wollten wir es wagen. Wir änderten also den ursprünglichen Plan, verzichteten auf Bariloche und wollten wieder zurück nach Chile. An der argentinisch-chilenischen Grenze zwischen El Chaltén und O`Higgins gibt es allerdings keine Straße. Man muss zwei Fähren nehmen und zwischen den beiden Seen ca. 20 Kilometer laufen. An einem Tag also nicht machbar und da wir kein Zelt dabeihaben, war die Strecke für uns nicht möglich. Der Nächste Grenzübergang war erst in Chile Chico, 600 Kilometer nördlich von El Chaltén. 600 Kilometer, wenn man über die Ruta 40 fährt. Diese Straße ist zwar die bekanntere und schönere Straße, allerdings nicht viel befahren, da sie auf 100 Kilometern nur aus Schotterpiste besteht. Weil die Straße so schlecht ist, nehmen LKWs, Busse und Autos lieber den 1200 Kilometer langen Umweg über die Atlantikküste. Wir wollten also nach Chile Chico, entweder 600 Kilometer oder das Doppelte, je nachdem wer uns mitnehmen sollte. Am nächsten morgen stellten wir uns also wieder mit unseren Rucksäcken an den Ortsausgang und wieder wurden wir sofort mitgenommen. Der Musiklehrer des Dorfes nahm uns mit bis zur Kreuzung an der die Ruta 40 nach Norden führt. An der sonst ziemlich verlassenen Straße waren wir jedoch nicht lange allein. Nach 5 Minuten wurde ein weiterer Hitchhiker an der Kreuzung rausgeschmissen. Andrea, ein Italiener, wollte auch über die Ruta 40 nach Norden. Kurzer Smalltalk und Andrea setze sich ein paar Meter weiter an den Straßenrand. Weitere 5 Minuten später, noch mehr „Konkurrenz“; Erst ein französisches Mädel, und im nächsten Auto ihre zwei Freundinnen. Und alle wollten natürlich auch nach Norden. Für uns Hitchhiker-Neulinge war es interessant zu sehen, dass sich alle nach einem kurzen Smalltalk „hinten an stellten“. Und so Reihte sich nach einer Weile noch ein weiterer Hitchhiker hinten ein. Dafür das wir nun bereits zu Siebt an der Kreuzung standen, kamen ziemlich wenige Autos an uns vorbei; also zumindest keine die nach Norden fuhren. Umso mehr freuten wir uns, dass wir wenigstens die Ersten in der Schlange waren. Als aber das erste Auto anhielt, sprang der Italiener auf und lief mit seinem Rucksack zum Auto. Wollte der sich also tatsächlich vordrängeln!! Wir schnell hinterher und zum Glück waren noch 3 Plätze im Auto frei. Und so waren wir endlich auf dem Weg Richtung Norden. Allerdings nicht so weit wie wir uns das eigentlich erhofft hatten. Im nächsten Dorf „Tres Lagos“ war die Fahrt zu Ende. Zu dritt marschierten wir zum Ortsausgang. Schon aus der Ferne sahen wir, dass auch dort bereits zwei Hitchhiker warteten. Wie wir das gelernt hatten, begrüßten wir die Beiden, stellten und vor, hielten einen kurzen Smalltalk und reihten uns hinten ein. Nun waren wir also nicht mehr die Ersten in der Schlange, sondern die Letzten. Auf der Karte entdeckten wir eine Kreuzung 2 Kilometer hinter Tres Lagos, an der die Ruta 40 auf eine Straße vom Atlantik trifft. Um unsere Chancen auf eine baldige Mitfahrgelegenheit zu erhöhen, beschlossen wir dorthin zu laufen. Andrea kam mit, das andere Pärchen blieb. Und so saßen wir kurz darauf an einer Straße, mitten in der Pampa und warteten. In der ersten Stunden kam dann und wann noch ein Auto. In dem ersten saßen die 3 Französischen Mädels, das zweite und dritte war ebenfalls bereits voll, dann wieder ein Auto mit dem Pärchen aus Tres Lagos. Dann kam nur noch maximal ein Auto in der Stunde und keins davon hielt an. Irgendwann kam überhaupt kein Auto mehr. Die Sonne brannte, der Wind wehte mit ca. 100 km/h pro Stunde und wir warteten, und warteten… Mit Andrea teilten wir Kekse und die Hoffnung, dass doch noch irgendwann ein Auto kommen würde. Und so wurde aus dem anfänglichen Gefühl der Konkurrenz schnell ein Gefühl der Verbundenheit. Als wir grade schon zurück nach Tres Lagos laufen wollten, um uns eine Herberge für die Nacht zu suchen, kam ein kleines Büschen angefahren und hielt auch noch an! Drei Jungs aus Regensburg in einem umgebauten Kleintransporter. Schnell wurde hinten im Büschen die Betten zu zwei Bänken und einem Tisch umfunktioniert und so hatten wir für die nächsten 5 Stunden ein kleines fahrbares Wohnzimmer. Gut, so bequem war es auch nicht, aber wir waren nach 6 Stunden in der Pampa einfach nur froh weiter zu kommen.

Über Perito Moreno und Los Antiguos nach Chile Chico

Um 23 Uhr kamen wir in Perito Moreno (die Stadt, nicht der Gletscher) an, wo die Regensburger, und daher auch wir, die Nacht verbringen wollten. Von dem kleinen Städtchen Perito Moreno waren es nur noch 60 Kilometer bis zum Grenzort Los Antiguos, auf dessen anderer Seite Chile Chico liegt. Nach einer kurzen Nacht, stellten wir uns also wieder an die Straße und diesmal wurden wir wieder schnell mitgenommen. Ein sehr netter Minenarbeiter aus Los Antiguos sammelte uns ein. Er gab uns nicht nur eine Mitfahrgelegenheit, sondern teilte mit uns auch noch seine Media Lunas (kleine Croissants) zum Frühstück. Die wunderschöne Fahrt vorbei am See Lago Buenos Aires mussten wir überraschenderweise kurz unterbrechen, weil die Straße für die Überquerung einer gigantisch großen Schafsherde gesperrt wurde. Für uns die Gelegenheit mal echte Gauchos bei der Arbeit zu beobachten.

So stellt man sich doch Argentinien vor! Schneller als ursprünglich geplant, war Argentinien damit für uns fürs Erste vorbei. Zu Fuß ging es über die Grenze nach Chile Chico.