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Daten und Fakten

Reisedauer:  28 Tage, 24. Mai 2019 – 21. Juni 2019

Reiseroute: Tirana  Berat  Osum Canyon  Pogradec  Tirana  Shkodra  Valbona  Theth  Tirana  Piqeras  Lukova  Saranda

Highlights: Berge, Meer und die herzlichste Gastfreundschaft, die wir je erlebt haben

Tirana

Zum Glück sollte Hristo, unsere Mitfahrgelegenheit von Montenegro nach Albanien, nicht Recht behalten. Er hatte sehr auf Albanien und die Albaner geschimpft und wollte das Land so schnell wie möglich wieder verlassen. Unser Eindruck war jedoch sofort mehr als positiv.

Unser Hostel war super und mit Mathilda hatten wir eine mega nette Gastgeberin, die uns mit zahlreichen Tipps für Tirana und ganz Albanien versorgte. Als aller erstes folgten wir einem ihrer Restauranttipps an den Kreisverkehr unweit des Hostels. Dort gab es vier fast identische Grillrestaurants, die sich auf Qofte (Fleischbällchen ähnlich wie Ćevapčići) und frisch gezapftes Bier spezialisiert hatten. So gut, dass wir ungelogen, jeden Tag mindestens auf einen Snack vorbei gegangen sind! Als Partytipp fürs Wochenende empfahl uns Mathilda das Café der Kunstfakultät, das sich am Wochenende in die bunt blinkende „Discobox“ verwandelte. Bevor wir also auf einer ziemlich coolen Party in der Discobox landeten, chillten wir uns mit Dosenbier an den Mutter Teresa Platz. Mutter Teresa ist übrigens als Kind albanischer Eltern in Skopje geboren, weshalb es immer wieder zu heftigen Diskussionen kommt, ob sie nun albanisch oder mazedonisch ist. Am Mutter Teresa Platz, an dem Enver Hoxha in kommunistischen Zeiten Militärparaden abhalten ließ, kann man heute hervorragend sitzen und sich anschauen, wie Autos im Wert von mehreren zehntausend Euros an einem vorüberrauschen. Egal ob man es sich leisten kann oder nicht, in Albanien fährt man Mercedes oder zumindest Porsche. Außenseiter holen sich vielleicht auch einen BMW oder Audi. Die meisten Autos auf Albaniens Straßen sind aber auf jeden Fall Mercedes. Egal ob neu oder alt und verrostet, jede Familie besitzt einen Benz. Man munkelt, dass es Menschen in Albanien gibt, die eher auf ein Dach überm Kopf verzichten würden als auf den eigenen Mercedes.

Qofte essen, Bier trinken und Autos gucken wäre für Tirana eigentlich schon Programm genug gewesen, aber die Stadt hat noch viel mehr zu bieten. Wir hatten zum Beispiel das Glück, dass im Mai das „Cloud Festival“ statt fand. Jeden Tag performten nationale und internationale Künstler in der sogenannten „Cloud“, einer Installation des japanischen Architekten Fujimoto, die seit einigen Jahren vor der nationalen Kunstgalerie in Tirana zu finden ist.

Eine Künstlergruppe aus Berlin und Amsterdam, die in unserem Hostel wohnte, war auf dem Festival mit einem queeren Musical vertreten. An einem anderen Nachmittag waren wir bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Gender Equality in Albania“ und eines Nachts waren wir sogar selbst teil einer Performance. Wir schlenderten grade von der Party in der Discobox nach Hause, als wir in der Cloud auf eine Gruppe Künstler trafen, denen wir für einige Zeit dabei halfen, weiße Luftballons aufzupusten und damit den Raum zu füllen.

Egal ob an und in der Cloud, im Hostel, im Park oder auch auf der Straße und im Supermarkt, überall trafen wir auf sehr interessante und nette Menschen. Wir verstanden uns super mit Mathilda und den anderen Gästen im Hostel, wir freundeten uns mit dem Pizzabäcker von der Pizzeria gegenüber an, bei dem wir gerne auf einen Kaffee vorbei schauten oder trafen uns mit den Volunteers im Hostel um die Ecke.

Berat

Wir hatten mittlerweile nur noch knapp eine Woche Zeit bis wir uns mit Laura und Lorenz in den Norden von Albanien zum Wandern fahren würden. Gerne hätten wir diese Zeit am Strand verbracht, aber der Sommer war noch immer nicht auf dem Balkan angekommen. Deshalb entschieden wir uns für einen Ausflug nach Berat.

In einem Artikel hatten wir, vor nicht allzu langer Zeit, von einem Argentinier gelesen, der seit mehreren Jahren die Welt bereist und ausschließlich per Anhalter fährt. Auf die Frage, welches Land für Anhalter das beste Reiseziel wäre, antwortete er, das sei mit Abstand Albanien. Nirgendwo wären die Menschen freundlicher, und er hätte dort noch nie länger als 7 Minuten auf eine Mitfahrgelegenheit gewartet. Nach 4 Wochen per Anhalter quer durch Albanien können wir bestätigen, der Hitchhike-Gott muss Albaner sein. Schon auf dem Weg nach Berat hatten wir 4 verschiedene Mitfahrgelegenheiten und es hat nie mehr als 5 Minuten gedauert, bis der nächste Wagen anhielt. Und das schöne am per Anhalter Fahren in Albanien ist, dass man immer die Chance auf einen schicken Mercedes hat. 😉

In Berat angekommen checkten wir in unser Hostel / Homestay ein. Wir wurden freundlich von dem älteren Ehepaar begrüßt und saßen kurz darauf mit einer großen schale Keksen und einem Glas Wein auf der sonnigen Terrasse mit Blick auf die Altstadt. Wir konnten immer noch kein Wort Shqipe (Albanisch) und die beiden sprachen kein Englisch. Trotzdem verstanden wir uns irgendwie und fanden heraus, dass sie gemeinsam mit ihrem jüngsten Sohn, einige Zimmer im Haus der Familie vermieten und eine Bar in der Innenstadt betreiben.

Wegen der speziellen Architektur der Gebäude in der Altstadt, wird Berat auch die Stadt der tausend Fenster genannt. Das Leben spielt sich aber weniger in den engen Gassen der Altstadt ab, sondern auf der modernen Promenade zwischen Altstadt und Neustadt. Auf der einen Seite der Fußgängerzone befindet sich ein Park, auf der anderen Seite eine lange Reihe von Cafés und Restaurants. Die eine Hälfte der Bevölkerung sitzt in einem dieser Cafés und trinkt Espresso, während die andere Hälfte auf und ab flaniert. Auf und ab. Auf und ab. Familien mit kleinen Kindern, junge Männer in den neusten Adidas Zweiteilern, Mädels mit langen, glattgeföhnten Haaren. Sehen und gesehen werden. Gerne hätten wir uns in eines der schicken, frisch renovierten, fancy Cafés gesetzt. Wie auch in Tirana, fragt man sich da häufig, wie sich solche Bars und Restaurants halten können, wenn alle nur Espresso für 50 Cent trinken. Die Antwort kann eigentlich nur Geldwäsche bedeuten. Geld aus dem Drogenhandel zwischen Südamerika, Albanien und Italien und das irgendwohin muss. Unsere Gastfamilie in Berat war wohl nicht in irgendwelche krummen Geschäfte verwickelt, zumindest war ihr Café auf der Promenade etwas weniger stylisch. Unsere Familie war aber wirklich so herzlich und nett, dass wir natürlich unseren Kaffee und unser Bier bei ihnen tranken. Und auch von dort hatte man eine gute Aussicht auf die Promenade mit den flanierenden Menschen.

Osum Canyon

Auf unserer Reise über den Balkan wollten wir viel wandern gehen. Bis jetzt hatten wir allerdings nur einige wenige Tagestouren gemacht, und nur eine Nacht in unserem neuen Zelt übernachtet. Das sollte sich nun ändern und wir wollten uns von Berat über die Berge bis hin zum Ohridsee an der Grenze zu Mazedonien schlagen. Den Plan mussten wir leider nach nur wenigen Kilometern Busfahrt aufgeben. Jeder, dem wir von unserem Plan erzählten, riet uns davon ab. Es gäbe auf dem Weg keine sichere Verpflegung und auch keine richtigen Straßen. Wir mussten einsehen, dass wir mit unserem vollen Gepäck nicht ausreichend Proviant mitnehmen konnten, um es bis dorthin zu schaffen. Da wir aber nun schon einige Kilometer in Richtung Osten gefahren waren und wir nun zumindest mal eine Nacht im Zelt schlafen wollten, machten wir eine kleine Wanderung entlang des Osum Canyons und schlugen unser Zelt auf einer Wiese auf. Der Ausflug hatte sich also trotzdem schon gelohnt.

Über die Berge zu wandern, war für uns nicht möglich, unser Hoffnung auf direktem Weg per Anhalter in Richtung Ohrid See zu fahren, stellte sich am nächsten Morgen auch schnell als unrealistisch heraus. Alle Autos die uns begegneten fuhren nur bis zu einer kleinen Badestelle am Fluss. Wir mussten also dort umkehren und einmal quer durchs Land fahren, um vom Osum Canyon nach Pogradec zu kommen. Obwohl wir erst mittags den ersten Wagen anhielten, schafften wir, Dank vieler netter Menschen, die komplette Strecke an einem Tag.

Pogradec

Progradec ist vielleicht nicht der allerschönste Ort in Albanien, aber irgendwie hat er seinen ganz eigenen Charme.  Alles ist etwas in die Jahre gekommen und wirkt wie ein Urlaubsort aus längst vergessenen Zeiten. Wer braucht auch schon einen Urlaubsort an einem See, wenn man so viel wunderschöne Küste hat wie Albanien.

Etwas schöner, weil etwas aufpolierter, ist Ohrid auf der mazedonischen Seite des Sees. Wir nutzten also einen Tag für einen Tagesausflug auf die andere Seite des Sees und hatten das Glück von einer netten Grenzpolizistin bis zur Grenze mitgenommen zu werden. Ein kurzer Bericht und ein paar Fotos findet ihr hier.

Tirana

Enver Hoxha ist nicht nur in die Geschichte eingegangen als einer der brutalsten Diktatoren der jüngeren Geschichte, er gilt auch als einer der paranoidesten. Daher ließ er im ganzen Land fast 200.000 Bunker bauen, um das Land vor einem Angriff zu schützen. Egal wohin man in Albanien fährt, ob am Strand oder in den Bergen, überall ist das Land von kleinen Bunkern übersäht. Die meisten dieser Bunker sind so klein, dass darin nur eine Person Platz findet. In Tirana findet man aber auch einige riesige Bunkeranlagen, von denen zwei unter dem Namen Bunk’Art zu Geschichtsmuseen umgebaut wurden.

Da das Cloud Festival mittlerweile vorbei war, konzentrierten wir uns ansonsten bei unserem zweiten Aufenthalt in Tirana auf das Wesentliche: Qofte, Bier und nette Gesellschaft.

Shkodra

An der Bushaltestelle in Tirana trafen wir uns mit Laura und Lorenz. Gut gelaunt und voller Vorfreude auf eine gemeinsame Woche in den Bergen, machten wir uns mit dem Bus auf den Weg nach Shkodra.

Dort machten wir es uns in unserem AirBnB mit Garten und kommunistischem Interieur gemütlich und stimmten uns auf eine gute Zeit ein. Wir machten einen kleinen Spaziergang zur Burg von Shkodra, kauften ein paar Snacks für die anstehenden Wanderungen und verwöhnten uns bei einem leckeren Abendessen mit albanischen Grillspezialitäten. Shkodra mit seiner hübschen kleinen Altstadt war der perfekte Start in unseren gemeinsamen Nordalbanienurlaub.

Valbona

Schon die Anfahrt nach Valbona war etwas Besonderes. Anstatt die ganze Strecke mit dem Bus zu fahren, machten wir eine kleine Bootsfahrt über den Komani See. Wir nahmen das kleine der beiden Boote und wie es sich für Albanien gehört, war dies nicht irgendein Boot, sondern ein „Mercedes-Boot“. Auf die Unterkonstruktion eines normalen Schiffes hatte man doch tatsächlich einen alten Mercedesbus geschraubt! Pünktlich bei Ankunft von Laura und Lorenz, war endlich der Sommer nach Albanien eingekehrt und die Sonne schien uns ins Gesicht, während wir an Hügeln und Felsen entlang Richtung Komani schipperten.

Leider wurde der Anblick der wunderschönen Natur immer mal wieder gestört, denn je weiter wir in Richtung Komani kamen, desto häufiger passierte das Boot riesige Müllstrudel voller Plastikflaschen, Tüten und anderem Müll. Es bleibt zu hoffen, dass Albanien (und die gesamte Welt) das Müllentsorgungsproblem besser in den Griff bekommt.

In Valbona angekommen, erwartete uns unsere Unterkunft in einem typisch albanischen Haus. Das Erdgeschoss war (fast) fertig gestellt, die Etagen darüber befanden sich noch im Rohbau. Das störte uns aber nicht weiter, denn aus dem Garten hatten wir eine traumhafte Aussicht in das wunderschöne Tal (und eine mehrstöckige Bauruine. Das gehört aber nunmal zu Albanien dazu).

Am nächsten Tag war endlich Zeit für die erste kleine Wanderung des Urlaubs. Auf dem Weg zu einem kleinen Café durchquerten wir unglaublich blaue Flüsse, liefen durch kleine Wälder und trafen auf freundliche Albaner mit Pferden. Und auf dem Rückweg freuten sich unsere beiden badeverrückten Freunde Laura und Lorenz über eine Abkühlung im eiskalten Gebirgsbach.

Theth

Von Valbona ging es am nächsten Tag weiter nach Theth. Nicht mit dem Bus, nicht mit dem Boot, sondern zu Fuß. Wir machten uns schon früh am Morgen auf den Weg, denn wir hatten fast 20 Kilometer und 2000 Höhenmeter vor uns. Die erste Hälfte des Tages ging es kontinuierlich „bergan“. Nach ungefähr vier Stunden erreichten wir die höchste Stelle am Pass, von wo man eine wundervolle Sicht in das Tal von Valbona und in das Tal von Theth hat.

Danach verlief unser Weg auf der anderen Seite des Tals durch einen schönen Wald und über Blumenwiesen bis nach Theth. Die letzten zwei Kilometer kamen uns endlos vor und mit letzter Motivation erreichten wir den Minimarkt inmitten von Theth. Leider war es damit noch nicht getan, und nach einer Bierpause mussten wir weitere 2 Kilometer bergauf zu unserer Unterkunft laufen. Ich bin mir ganz sicher, dass Laura und Lorenz uns in diesem Moment dafür gehasst haben, das wir für uns eine Unterkunft außerhalb des Dorfes gebucht hatten. Erst nach einer Dusche und spätestens beim Abendessen, wurde auch den beiden klar, dass sich die extra Kilometer auf jeden Fall gelohnt hatten. Wir wohnten bei einer Familie auf einem kleinen Bauernhof und hatten von dort einen Ausblick auf beide Seiten des Tals.

Das Haupthaus war ein typisches Steinhaus dieser Region, mit zwei Stockwerken, einem roten Dach und kleinen Fenstern. Neben dem Haupthaus hatte die Familie ein kleines Gästehaus aus Holz gebaut, das wir für die nächsten Tage ganz für uns hatten.

Vor dem Haupthaus auf der Wiese befand sich der Esstisch, an dem wir morgens und abends mit den leckersten Köstlichkeiten der Region versorgt wurden. Während wir nach einem langen Wandertag den selbstgemachten Käse, das selbstgebackenes Brot, Salat aus dem Gemüsegarten, selbstgemachten Joghurt, selbstgemachte Marmelade und vieles mehr genüsslich verspeisten, liefen die Hühner auf der Wiese herum und die Kuh graste auf der Weide nebenan. Es war alles noch schöner als man sich das perfekte Landleben vorstellen könnte. Wenn es Zeit war zu schlafen, dirigierte der alte Hausherr Kuh und Hühner zurück in den Stall und auch wir vielen in unsere bequemen Betten.

Die Kuh war übrigens nicht nur unglaublich schön, sondern auch unglaublich schlau! Sie konnte ihr Gatte selbstständig aufmachen, wurde dabei aber vom Hausherrn erwischt und lauthals zurechtgewiesen. Die Kuh verstand, muhte und drehte wieder um.

Die Hühner waren weniger schlau. Immer wieder versuchten sie über die Wiese auf das frisch ausgesäte Gemüsebeet zu gelangen. Das fand die Hausherrin (wir nannten sie „Oma“) gar nicht gut und sie musste die Hühnermeute immer wieder zusammenscheuchen und auf die andere Seite der Wiese treiben. Zum Glück hatte sie schnell einen Helfer gefunden. Und immer wenn Lorenz wieder ein Huhn vom Beet verscheuchte, schaute Oma mit einem Lächeln und Stolz in den Augen zu ihm rüber.

Der alte Dorfkern von Theth und das ganze Tal sind so schön, dass wir froh sind, dort mehrere Tage verbracht zu haben. Der Tagesausflug zum Wasserfall wird uns wohl allen ganz besonders in Erinnerung bleiben: das kühle Bier auf der schönen Alm, baden am Wasserfall, die nicht ganz unaufregende Rohrüberquerung und die vielen lustigen Zwischenstopps auf dem Weg dorthin.

Leicht angekatert von Bier und Rakia, mit denen wir den erfolgreichen Wandertag des Vortages haben ausklingen lassen, schafften wir trotzdem noch die vier Stunden Wanderung bis zum blauen Auge. Spätestens nach dem Bad im eiskalten Wasser des blauen Auge, waren dann auch alle wieder wach.

Wir haben viel gemacht und gesehen, gut gegessen und gelacht. Daher war es echt schade, dass wir am nächsten Tag zurück nach Tirana fahren mussten. Wir wären wahrscheinlich alle gerne noch ein paar Tage länger geblieben.

Tirana

Der Wanderteil des Urlaubs war zwar vorbei, aber es blieben uns noch zwei gemeinsame Tage in Tirana. Natürlich gingen wir mit Laura und Lorenz als erstes zum „Qofte-und-Bier-Place“. Den Rest des Abends ließen wir aber im Stadtteil Blloku ausklingen. In kommunistischen Zeiten war der Stadtteil Blloku komplett abgeriegelt und durfte nur von Ranghohen Politikern betreten werden. Wie hätte man auch der armen Bevölkerung erklären sollen, dass einige Wenige gleicher sind als andere Bürger und in protzigen Villen Partys mit Champagner und Kaviar feiern können? Heute ist Blloku zwar für jeden zugänglich, aber auch heute wird sich leider nicht jeder Albaner einen Drink in den schicksten Bars und Restaurants der Stadt leisten können.

Bevor wir am späten Abend des nächsten Tages Laura und Lorenz verabschieden mussten, folgten wir gemeinsam einen von Mathildas top Restauranttipps in das beste Fischrestaurant der Stadt. Ein gelungener Abschied für eine schöne gemeinsame Zeit! Wir hoffen ihr kommt uns bald wieder besuchen! Vielleicht ein Wanderurlaub in Georgien?

Piqeras

Zwei Tage später und bei bestem Wetter, fuhren wir nach 3 Wochen in Albanien endlich an den Strand. Das heißt, eigentlich fuhren wir nur bis kurz vor den Strand. Denn eine Busfahrt und viele Mitfahrgelegenheiten später, blieben wir noch eine Nacht in Piqeras und verschoben den Fußmarsch von 3 Kilometern auf den nächsten Tag. Das Meer konnten wir von Piqeras aber schon sehen, denn unsere Unterkunft in Piqeras hatte einen großen Balkon mit Meerblick und bei einem leckeren Fisch in der Taverna konnten wir das Meer schon riechen und schmecken.

Lukova

Natürlich mussten wir die 3 Kilometer nicht in der prallen Sonne bis zum Strand laufen. Ein nettes albanisches Pärchen hatte Mitleid mit uns, hielt an und nahm uns mit bis zum Strand.

Mathilda hatte uns den Tipp gegeben an den Strand von Lukova zu fahren. Er sei noch ein kleiner Geheimtipp, viel kleiner und ruhiger als andere Strände und man könne sein Zelt umsonst an einer kleinen Taverna aufstellen. Wir stellten unser Zelt nicht direkt an die Taverna, sondern fanden ein schattiges Plätzchen unter Jahrhunderte alten Olivenbäumen, nur wenige Meter vom Strand entfernt.

Dort waren wir nicht allein, sondern in sehr guter Gesellschaft. Wir hatten unser Zelt noch nicht ganz aufgebaut, als wir schon bei Agge und Romy mit einem kalten Bier am Campingtisch saßen. Dazu gesellte sich später noch Joe aus Magdeburg und so hatten wir eine lustige Runde für den Abend beisammen. Kurz nach Sonnenuntergang sahen wir auf einmal zwei Polizisten auf unseren Zeltplatz zukommen. Unsicher, ob wir an dieser Stelle vielleicht nicht campen durften, schauten wir die älteren Herrschaften in Uniform an. Diese sagten freundlich „Hallo“ und blieben neben unserem Tisch stehen. Sie sprachen kein Englisch oder Deutsch, wir kein Shqipe. Agge sprach aber eine universelle Sprache, hielt den beiden ein kaltes Bier hin, was dankend angenommen wurde. Wir dachten, damit wäre alles geklärt, aber nach kurzer Zeit kamen die Beiden zurück. Aus einer Tasche holten sie mehrere Flaschen Olivenöl, die sie uns anscheinend zum Verkauf anboten. Irgendwie hatten wir nicht das Gefühl nein sagen zu können und so kauften Agge und Romy eine kleine Flasche für 5 Euro. Nicht das die Situation bedrohlich gewesen wäre, die beiden Politzisten waren sehr höflich und freundlich, aber irgendwie war es doch etwas merkwürdig, dass die lokale Polizei am Strand Olivenöl verkauft. Wir wollten auch nicht unhöflich wirken und so boten wir ihnen ein Glas Wein an, was wiederum dankend angenommen wurde. Letztlich wurden wir die Polizei für diesen Abend gar nicht mehr los. Sie setzten sich zu uns an den Tisch, schenkten sich selber den Wein nach, rauchten Romys Zigaretten und hatten einen großen Spaß mit uns Touristen. Wahrscheinlich reicht das Polizistengehalt nicht aus, um sich regelmäßig Wein und Zigaretten leisten zu können, und uns kann es nur recht sein, wenn sie mit uns einen guten Abend gehabt haben.

Nach nur einer Nacht am Strand, waren wir kurz davor, unser Zelt wieder abzubauen. Auf unseren schmalen Isomatten, die bei jeder Bewegung laut knirschen, hatten wir wieder schlecht geschlafen. An der Stelle am Strand, an der in den kommenden Tagen eine Beachbar gebaut werden sollte, stand ein alter Wohnwagen der Nachts von einem Hund bewacht wurde, der die ganze Nacht laut gekläfft hatte. Als wir ziemlich gerädert aus unserem Zelt gekrochen kamen, wurden wir von einem älteren Herren begrüßt, der Geld fürs Campen kassierte und dann wurde auch noch das Baumaterial für die Beachbar geliefert, was sehr nach Baulärm für die nächsten Tage aussah. Eigentlich standen die Zeichen ganz klar auf einen baldigen Aufbruch: ein Hund der die ganze Nacht kläfft, Baulärm von der Baustelle nebenan, zwei korrupte Polizisten, Isomatten auf denen man schlecht schläft und für das Zelten, was wir noch nicht mal gerne machen, sollten wir jetzt auch noch bezahlen.

Trotzdem blieben wir weitere drei Tage und es hätten auch gerne noch einige mehr sein können. Mit Joe, Agge und Romy hatten wir einfach so eine nette Gesellschaft und eine echt schöne gemeinsame Zeit!

Saranda

Wahrscheinlich wären wir noch einige Wochen in Lukova am Strand geblieben, wenn wir uns nicht mit Oli auf einem Festival in Budapest verabredet hätten und wenn wir nicht noch vor dem Festival den „Peaks of the Balkan“ hätten laufen wollen. Diesen 10-tägigen Wanderweg wollten wir im Kosovo starten und daher war es höchste Zeit wieder gen Norden aufzubrechen. Da wir es aber nicht an einem Tag bis über die Grenze in den Kosovo schaffen würden, verbrachten wir noch eine Nacht in Saranda.

Saranda ist eine der größten Städte an der albanischen Küste. Wir hatten eigentlich keine großen Erwartungen und wollten dort nur eine Nacht übernachten, aber wurden mehr als positiv überrascht. Wir verbrachten einen schönen Abend an der Promenade am Strand, flaniert auf und ab, wie man das in Albanien so macht, waren lecker Muscheln essen und trafen kurz vor unserer Unterkunft auf die süßeste Babykatze Albaniens. „Der kleine Albaner“ sprang uns entgegen, miaute, schnurrte, und lief uns bis zu unserer Unterkunft nach. Eine Katzenmutter war weit und breit nicht in Sicht. Als wir am nächsten Morgen zum Busbahnhof aufbrachen, war der Kleine immer noch da. Nur mit Mühe uns Not konnten wir ihn davon abhalten uns hinterher zu laufen. Die kleine Babykatze schrie uns noch aus ganzem Herzen hinterher und untermalte das Gefühl, das wir gerne noch viel länger in Albanien geblieben werden. Wir konnten uns aber mit dem Gedanken trösten, dass uns der Weg des „Peaks oft he Balkans“ noch einmal für drei Tage in die Berge von Albanien führen würde.